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Mama rastet aus

Manchmal bin ich eine echte Niete als Mama …

Gibt es sie wirklich diese Mütter, die stundenlang mit einer Seelenruhe am Bett ihrer Kleinen sitzen und die totale Selbstaufgabe leben und lieben? Denen es egal ist, ob sie abends auch mal kurz Zeit für sich haben oder nicht? Mir nämlich nicht. Ich brauche ab und an mal einen Feierabend! Jawohl! Und das wenn es geht nicht erst nach 1,5 bis 2 Stunden wahlweise Jammern, Weinen oder Knöttern … Bin ich jetzt eine Rabenmutter?

Aber alles auf Anfang. Wie komme ich da überhaupt drauf?

Heute war eigentlich ein sehr schöner Tag. Wenn auch sehr wechselhaft, was die Laune der kleinen Bilderbuch-Madame anging … Aber alles in allem ein Tag mit schönen Unternehmungen bei traumhaftem Wetter.

Wir mussten nicht früh aufstehen und das Bilderbuchmädchen hat sogar bis 09:00 Uhr geschlafen. Ja, ok, sie hatte am Abend vorher auch bis halb elf Terz gemacht, aber hey dass sie bis 9:00 Uhr geschlafen hat, hat mich versöhnlich gestimmt 😉

Wir sind also in Ruhe aufgestanden und haben gemütlich gefrühstückt. Mehr oder weniger. Die Laune des Bilderbuchmädchens war nämlich eher so mittel. Alles war doof. Wickeln doof, Anziehen doof, Frühstücken doof. Mit teenie-mäßig genervtem Gesichtsausdruck saß sie am Frühstückstisch. Versuchte man sie aufzumuntern kam nur ein ärgerliches: „Ne!“
Ok, kleiner Morgenmuffel. Ich weiß ja von wem sie es hat.

Aber es ging ja noch weiter. Wir fuhren dann zu einer lieben Verwandten, die uns netterweise einen Berg von Klamotten für das Bilderbuchmädchen überlassen hat, aus denen ihre Mädels herausgewachsen sind.
Meine Kleine war ungewohnt wortkarg und eher schüchtern drauf. Normalerweise ist es ihr piep-egal, ob sie Leute seit einer Minute oder ihr ganzes Leben lang kennt, sobald jemand fragt: „Wollen wir schaukeln gehen?“, ist sie Feuer und Flamme.
Heute nicht.
Die Tochter meiner Verwandten wollte mit dem Bilderbuchmädchen in den Garten, doch die Kleine schaute jammerig drein, lief zu mir und murmelte nur: „Bei Mama bleiben!“
Gegen Ende taute sie dann doch noch etwas auf und spielte im Sandkasten aß Sand im Sandkasten …

Zum Mittagsschlaf waren wir wieder zuhause. Hinlegen war ein Drama. Obwohl sie offensichtlich hundemüde war, gab es eine Runde Geschrei für Mamas Ohren. Aber relativ schnell beruhigte sich die Maus und schlief dann gut ein.

Nach dem Mittagsschlaf war die Laune des Bilderbuchmädchens wieder blendend. In bester Stimmung machten wir zusammen mit dem Papa einen Spaziergang. Alles knorke soweit. Auch der Besuch auf dem Spielplatz gefiel dem Bilderbuchmädchen super. Wir sind sogar zu Fuß bis nachhause gelaufen und ich hatte die Hoffnung sie würde dadurch schön müde sein und später gut einschlafen. Um die Hoffnung weiter zu nähren, gab es für das Bilderbuchmädchen nach dem Abendessen noch ein Bad.

Was sollte jetzt beim Einschlafen noch schief gehen?

Ähm ja, Madame war vollkommen überdreht. In die Schlafklamotten musste ich sie fast zwingen.
Versucht mal ein Kleinkind anzuziehen, dass sich permanent auf den Boden schmeißen will. Wie ein kleiner unkontrollierbarer Flummi hüpfte sie durch ihr Zimmer. Ohne Rücksicht auf Verluste. Mit dem Kopf gegen die Schranktür? Warum nicht …

Ok, zum Runterkommen haben wir dann erst mal etwas gelesen. Schummriges Licht. Gedämpfte Stimme und was man so alles versucht …

Als es dann Zeit fürs Bett war – gegen 20:00 Uhr – war das Geschrei wieder groß.
Ich übte mich in Engelsgeduld, erwähnte sie dürfe ruhig traurig sein und weinen (hatte ja früher so gut geklappt und unsere letzte Einschlafdrama-Phase beendet), aber es half diesmal nichts. Das Einschlafen hat schon immer relativ lange gedauert, aber seit dem letzten Fieber-Tag ist die lange Einschlafphase auch wieder mit viel Geschrei verbunden.

Nun war es für mich heute aber schon der vierte Abend in Folge, an dem sich andeutete, dass kein richtiger Feierabend für mich drin wäre …

In der ersten Nacht der vorausgegangenen Abende schliefen wir kaum, da das Bilderbuchmädchen immer wieder aufwachte und „Mama. Mama!“ jammerte. Ab halb vier habe ich dann bei ihr geschlafen und es ging. Zum Glück musste ich am nächsten Tag nicht arbeiten.

In der zweite Nacht habe ich auch bei ihr geschlafen, da sie hohes Fieber hatte, was die schlechte Nacht davor erklärte.
Wir haben uns dann schon um sieben Uhr hingelegt und ich bin auch nicht mehr aufgestanden. Hatte den Schlaf nach der Nacht davor nötig und auch der Tag mit 12 Kilo-Fieberkind, das man so durch die Gegend schleppt, war anstrengend.

In der dritten Nacht versuchte ich mich 1,5 Stunden an der Einschlafbegeleitung. Danach versuchte es der Papa nochmal, dann beschlossen wir, sie sei noch nicht müde genug und ließen sie spielen. Dann wurde gegen hab elf endlich geschlafen. Für alles was ich mir für diesen Abend vorgenommen hatte, war ich zu dieser Uhrzeit schon zu müde … Also hab ich mich nur noch von Amazon Prime*  berieseln lassen und bin dann ins Bett gegangen.

Heute war dann also die vierte glorreiche Nacht. Seit dem Hinlegen nur Weinen. Obwohl sie sooo müde war. Ich bot ihr an noch Händchen zu halten, schaltete Schlafmusik ein – dass hatte eine Weile ganz gut funktioniert – aber heute leider nicht. Ich sang selbst für sie. Ich streichelte über ihr Köpfchen. Ich war sehr geduldig, aber in den Schlaf fand die Kleine einfach nicht. Nach 1,5 Stunden etwa, war meine Engelsgeduld leider aufgebraucht. Ok, innerlich war sie schon etwas länger aufgebraucht, aber nun drängte sich meine gereizte Stimmung auch an die Oberfläche …

„Mama … Mama …“ jammerte das Bilderbuchmädchen.

„Ja? Was möchtest du denn?“

Weinen. Weinen. Weinen.

Meine Ohren dröhnten langsam von dem ganzen Weinen. Das sagte ich ihr auch. Ja, in genervtem Tonfall, was natürlich nicht zur Besserung der Stimmung beitrug. War mir auch vorher klar, aber ich wollte endlich mal wieder einen Feierabend vor 23:00 Uhr. Und ja, das mag vermessen sein, aber so ist es nunmal.

„Mama …“

„Ja, Mama ist ja da! Mama hat dich auch sehr lieb. Aber Mama ist müde …“

Wäääh!

Na, toll. Dieses „authentisch-sein“ half auch nicht …

„Bitte, sag mir doch was du möchtest. Wenn du immer nur jammerst, weiß ich nicht wie ich dir helfen kann!“ , mosere ich.

„Keks!“, höre ich trotzig aus dem Bett. Na, toll … Dazu muss ich natürlich nein sagen, na wenn das mal nicht die Stimmung hebt.

Es wird also wieder gebrüllt.

Ich werde auch lauter.

„Es ist Schluss jetzt. Es gibt keinen Keks mehr, keine Milch mehr (wurde zuvor auch geordert), ich schmiere deine Zähne nicht nochmal mit dentinox ein und es wird auch nichts mehr gelesen! Es ist 22:00 Uhr und Schlafenszeit!“

Kurzzeitig herrschte Stille und dann … wurde natürlich wieder gejammert. Ja, schon klar, wer schläft auch beruhigt und selig ein, wenn er von der Mama immerzu angemeckert wird.
Tolle Mama. Ganz große Leistung. Nicht …

Mit großer Selbstbeherrschung ringe ich mich dazu durch, mich in ruhigem Ton zu entschuldigen. Ich streichle ruhig ihren Arm, sage ihr nochmal gaaaanz lieb gute Nacht und gehe dann raus, obwohl sie weint. Ich sage, ich komme gleich wieder rein.

Innerlich könnte ich ausrasten. Wer hat das eigentlich erfunden? Kinder, die aufdrehen, wenn sie müde sind? Noch ein paar Schritte und ich bin im Schlafzimmer. Ich springe wütend herum, fluche vor mich hin und verzieh mich kurz ins Wohnzimmer um eine Tafel Schokolade einzuatmen. Und jetzt ratet, was passierte? Das Bilderbuchmädchen ist einfach eingeschlafen während der fünf Minuten, in denen ich unten war.

War doch alles ganz easy und entspannt. Was rege ich mich eigentlich so auf? Ehrlich, ich sollte mir stärkere Nerven zulegen …

Eure Nätty

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Jubel, Trubel, … Überdrehtheit – Wenn Kinder eine Pause brauchen

Wir haben eine turbulente Woche hinter uns. Ich merke das vor allem daran, dass das Bilderbuchmädchen abends kaum runterkommt. Viele Eindrücke konnte sie schon immer schwer verarbeiten (s. Wenn Babys sich nicht trösten lassen).

In der Woche vor Karneval, also vorletzten Sonntag, haben wir im Dorf meiner Schwiegereltern den ersten Karnevalszug besucht. Wir haben wie immer darauf geachtet, dass die Kleine vorher ihren Mittagsschlaf machen konnte und sind auch nach dem Zug relativ zeitig wieder nachhause aufgebrochen. Dennoch ist so ein buntes Treiben natürlich wahnsinnig aufregend für einen kleinen Menschen. Unser sonst dauer-plapperndes Bilderbuchmädchen war sprachlos. Sie kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Lauter bunte Wagen, kostümierte Menschen, laute Musik und die fliegenden Süßigkeiten … Was war denn hier los? Ich konnte meine Augen kaum von ihr abwenden. Ihr Gesichtsausdruck war so niedlich. Man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie nicht wusste, was sie von all dem halten sollte. Aber spannend fand sie es auf jeden Fall.

Am Montag ging es dann zum ersten Mal seit einer Woche wieder zur Tagesmutter. Dort ist immer viel los. Wie hat sie sich gefreut, die Tagesmutti und die anderen Kinder wiederzusehen. Es war süß mitanzusehen. Sie bekam sogar ein Küsschen zur Begrüßung von einem der anderen Kinder. Montags geht die Tagesmutter immer in einen Kindergarten mit den Mäusen. Sie dürfen dort in der Sporthalle toben. Das macht bestimmt viel Spaß, aber ist natürlich auch viel Action …

Am Mittwoch Nachmittag kam unsere Nachbarin zu Besuch mit ihrer kleinen Tochter. Ich musste kurz in der Werkstatt mein Auto abholen und das Bilderbuchmädchen war zum ersten Mal mit den beiden alleine. Klingt nach einer Kleinigkeit, aber es war auch wieder etwas Neues. Als ich zurück war, haben die beiden kleinen Mädchen zusammen unser Wohnzimmer unsicher gemacht. Auch das war alles andere als ein ruhiger Nachmittag 😉

Altweiber gab es für das Bilderbuchmädchen dann bei der Tagesmutter eine Karnevalsparty mit insgesamt 12 Kindern. Hui … Dem schwierigen Einschlafen am Abend danach zu urteilen war das wohl seeeehr aufregend!

Am Freitag holte ich die Kleine von der Tagesmutter ab und zuhause wartete direkt meine Freundin Caro mit Bruno – dem Lieblingshund der Kleinen. Das Bilderbuchmädchen war vollkommen aus dem Häuschen und Bruno auch. Er hat auf die Kleine aufgepasst, als wäre sie sein Schäflein, das er hüten muss. Fangenspielen mit dem Bilderbuchmädchen durften Caro und ich nicht. Sofort wenn wir versucht haben sie zu schnappen, hat Bruno sich schützend zwischen die Kleine und uns gestellt und laut gebellt. Es war ein schöner, aber wuseliger Nachmittag.

Samstag Morgen waren wir dann bei meinen Eltern zum Frühstücken, denn die hatten wir auch schon zwei Wochen nicht mehr gesehen. Auch meine Schwester und ihr Kleiner waren da. Es war ein richtig schöner Familien-Morgen 🙂

Alles in allem mag es nach gemütlichen Besuchen und tollen abwechslungsreichen Tagen klingen, aber für das Bilderbuchmädchen war es viel. Sehr viel. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie in der Woche zuvor noch krank war. Es ist eine Lawine an Input für jemanden, der nicht mal 18 Monate auf dieser Welt ist. Für jemanden bei dem ein Stein oder ein Blatt noch Begeisterung hervorrufen können. Und wie aufregend muss dann erst oben genannte Woche sein? Jeden Tag neue Eindrücke. So viel zu verarbeiten.

Am Wochenende musste ich da mal die Reißleine ziehen, zumal sich auch schon wieder eine Erkältung bei der kleinen Maus ankündigte … Eine Pause musste her! Eine Pause, um die vielen Eindrücke einmal sacken zu lassen. Eigentlich trifft sich meine Familie Karnevals-Sonntag immer bei meinem Opa zum Zug gucken. Ich bin diesmal aber allein hingegangen und mein Mann und das Bilderbuchmädchen sind zuhause geblieben. So konnte sie zur gewohnten Zeit ihren Mittagsschlaf machen in ihrer gewohnten Umgebung und ohne weitere neue Reize.

Das war einfach mal nötig. Denn das Runterkommen ist abends momentan sehr heftig … Unser sensibles Kind nimmt nach wie vor sehr viele Eindrücke auf. Wenn andere Kinder vielleicht erschöpft einschlafen würden, kann sie nicht abschalten. Egal wie müde sie ist. Sie will nichts verpassen und würde nie, einfach mal nicht zuhören oder mal kurz nicht am Geschehen teilnehmen. Manche Kinder können das. Die starren eine Weile in die Leere, schlafen im Kinderwagen ein oder ziehen sich zurück und spielen in einer Ecke für sich. Unsere Kleine macht das nicht. Sie saugt einfach alles auf. Und abends ist es dann vorbei. Sie weiß dann nicht mehr wohin mit sich. Früher kam sie nach solchen Tagen aus dem Schreien abends bzw. nachts gar nicht mehr raus. Gut, dass diese Zeiten mittlerweile vorbei sind! Doch unser Bilderbuchmädchen ist auch heute noch oft überfordert mit dem Verarbeiten von so vollgestopften Tagen.

Wenn es ins Bett geht, ist sie total überdreht. Sie will immer wieder etwas trinken. Und nach einem ganzen Becher Wasser, will sie direkt den nächsten. Gibt man ihr den, saugt sie meist einen Schluck raus, gurgelt damit und prustet es nur so raus. Oder sie beißt in ihren Schnulli und zieht ihn heraus während sie das macht. Immer wieder … Sie will auf den Arm oder neben mich auf die Matratze vor ihrem Bettchen, doch erfüllt man ihr den Wunsch wirft sie sich nur unkontrolliert hin-und her. Sie reibt sich die Augen und gähnt, aber zur Ruhe kommt sie nicht. Sie wirft den Kopf weiter hin und her und man muss aufpassen, dass man keine Kopfnuss abbekommt. Sie zeigt auf Nase, Augen und Mund von sich selbst und mir und benennt diese. Sie zählt Namen auf von allen Personen, die wir in letzter Zeit getroffen haben. Freitag hat sie im Bett noch Bruno den Hund nachgeahmt. Immer wieder gebellt und gehechelt. Sie spielt „Kuck-kuck“ oder lässt ihre Puppe winken und ruft dazu: „Hallu! Hallu!“. Ich bin ja froh, dass sie einen anderen Weg gefunden hat damit umzugehen, als zu Schreien, aber es macht mich auch ganz nervös, wenn sie so drauf ist.

Ich selbst kenne Überreizung nur zu gut. Das war mir aber ehrlich gesagt nicht bewusst, bevor ich mit meinem Baby konfrontiert wurde, das nur schwer abschalten konnte. Mir fällt es auch schwer Dinge auszublenden. Musik ist mir oft zu laut. Laute Geräusche stressen mich extrem. Wenn ich mich gemütlich unterhalten will, passiert es mir, dass ich unbewusst aufstehe und das Radio leiser mache, damit ich mich besser auf das Gespräch konzentrieren kann. Auch andere Sinne sind bei mir stark ausgeprägt. Licht ist mir häufig zu grell. Ich habe eine ziemlich gute Nase. Selbst Nuancen von Gerüchen kann ich gut wahrnehmen und zuordnen. Nicht immer ein Segen. Schlechte Gerüche führen nicht selten dazu, dass ich würgen muss. In Situationen mit Menschengruppen, wo verschiedene Gespräche geführt werden, kann ich mich schlecht auf ein einziges Gespräch konzentrieren. Ich kann einfach nichts ausblenden. Jeglicher Input, den Sinne aufnehmen können, scheint ungefiltert bei mir anzukommen. Manchmal glaube ich, dass ich durch dieses „Nichts-Ausblenden-Können“ auch dauernd so müde bin. All die aufgenommenen Dinge müssen verarbeitet werden. Wahrscheinlich geht das am besten im Schlaf und davon kann ich kaum genug bekommen 😉

Warum ich das erwähne? Weil ich mir vorstellen kann, dass es meiner Tochter ähnlich geht. Dazu kommt noch, dass für sie alles neu ist. Ich kann so gut verstehen, dass sie abends vor lauter Eindrücken aufgekratzt ist. Mancher mag es seltsam finden, dass ich auf einen Mittagsschlaf täglich zur selben Zeit bestehe. Dass ich ihre Bettgehzeit nur in seltenen Ausnahmefällen nach hinten verschiebe. Dass ich sie zum Familientreffen beim Karneval nicht mitnehme. Ja, das wirkt unflexibel und starr, aber das ist mir egal. Ein Tagesablauf mit regelmäßigen Pausen und Zeiten auf die sich die Kleine einstellen kann, sind wichtig für sie. Sie erlebt so viel. Warum sollte ich ihr noch mehr zumuten? Und manchmal sind die alltäglichen Dinge schon spannend genug. Besonders tolle und aufregende Ausflüge kann man später noch unternehmen. Gerade wenn ich darüber nachdenke, was für Kleinigkeiten für unsere Maus noch interessant sind.

Gerade als sie heute einen Krümel auf dem Küchentisch mit einem bewundernden:“Boahr!“ betitelte wurde mir wieder bewusst, dass wir noch viel Zeit haben, die große weite Welt mit ihren Traditionen und Eigenheiten kennenzulernen 😉

Baby

Wenn Babys sich nicht trösten lassen …

Zum Einschlafen zärtlich über das Köpfchen streicheln? – Hat mein Baby gehasst.
Ruhig Einschlaflieder summen? Hab ich in der Anfangszeit mit Baby eigentlich mehr gemacht, um überhaupt etwas zu tun und nicht vollkommen hilflos zu sein. Denn beruhigt hat meine Kleine das nicht im geringsten.

Rituale? Babymassage? Mozart-Musik? White Noise? Ruhige Abend-Atmosphäre? Wo bitte bekommt man ruhige Abend-Atmosphäre her, wenn das Baby schreit und schreit und schreit? Zum Teil sechs Stunden am Stück.
Wir waren mit unserem Latein am Ende. Das Babyschreien ging mir durch Mark und Bein. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, wenn sie weinte. Manchmal weinte ich mit. Mir gelang irgendwie nichts mehr.
Tagsüber schaffte ich es immerhin die Kleine im Tragerucksack zum Schlafen zu bringen. Dazu musste ich lange durch die Wohnung tanzen oder draußen lange spazieren gehen, obwohl ich meist hungrig und müde war und auch noch unter den Geburtsverletzungen litt. Sobald ich mich hinsetzte oder die Kleine ablegte, war sie war wieder hellwach.

Als sie ein paar Wochen alt war, schlief sie zumindest beim Autofahren im MaxiCosi mal ein. Manchmal bin ich tatsächlich mit Baby, Schokolade und etwas zu trinken ins Auto gestiegen und rumgefahren, damit ich mal im Sitzen etwas essen konnte. Und es dazu auch noch still war. Einfach eine halbe Stunde Stille. Hey, so hab ich direkt mal die neue Umgebung kennengelernt (wir waren grad umgezogen).

Unsere Kleine konnte nichts beruhigen in den ersten Monaten. Sie war vom anderen Stern und noch nicht bereit in unserer Welt anzukommen. Aber das wusste ich damals nicht. Ich war verzweifelt. Was machte ich nur falsch? Hatte sie Schmerzen? Hunger? Durst?

Und immer diese bohrende Frage: „Ich bin doch ihre Mama, warum kann ich sie nicht trösten?“

Ich wurde in dieser Anfangszeit mal gefragt, ob ich ein einfaches Baby hätte. Und ich sagte: „Das weiß ich nicht. Ich kenne ja nur meins.“ Ich wollte nicht „Nein“ sagen und die Versager-Mama sein, die nicht mal ihr eigenes Kind trösten konnte. Die zugibt, dass sie es schwierig findet, für ein Baby zu sorgen, wo das doch das natürlichste auf der Welt ist. Nein, nein, alles bestens. Ist bestimmt normal und ich stelle mich nur an … Alle anderen schaffen das ja auch mit links …

Wenn ich andere Mamas sah, deren Babys ruhig und wach im Kinderwagen lagen, zweifelte ich an mir. Wieso klappte das bei uns nicht? Zudem schien keiner in meiner Umgebung so etwas zu kennen. Babys, die nicht schlafen wenn sie müde sind, sondern schreien. Babys, die im Kinderwagen nicht einschlafen, sondern schreien. Wo gibt es denn sowas? Bei uns gab es sowas … Tja, da hatte ich ja mein Baby ganz schön verwöhnt, was? Oder war sie sogar eines dieser Schreibabys?

Viele Kommentare lauteten: „Die hat dich ja gut im Griff!“

Heute sage ich: „So ein Schwachsinn! Dieses kleine schutzlose Wesen brauchte mich! Und zwar ganz nah. Und selbst das reichte halt am Anfang nicht, um sie zu trösten.Wir mussten ihr erst mal beweisen, dass die Welt, in der sie nun lebte, für sie sicher war. Dass Hunger gestillt werden kann, dass wir sie nie und nimmer verlassen würden und dass wir dafür sorgen würden, dass es ihr gutginge.“ Leider wusste ich all das nicht und war verunsichert. Das spürte die Kleine bestimmt noch zusätzlich zu ihren Ängsten.

Irgendwann als ich einfach nicht mehr weiter wusste, machte ich einen Termin mit einer Familienberaterin. Das hat mir dann geholfen. Die Dame war selbst sechsfache Mutter und jetzt kommt’s: Erst ihr viertes Kind war ein sensibles Baby bzw. Schreibaby. Sie erzählte mir, dass sie sich vorher nie vorstellen konnte, wie anstrengend das sein kann und wie überfordert man damit sein kann. Sie hatte also drei Kinder, was schon mega-viel Arbeit bedeutet, aber erst ihr Viertes war ein Schreibaby und sie war hilflos. Sie konnte dem kleinen Wesen nicht gerecht werden (daraufhin informierte sie sich viel, machte Fortbildungen und wurde überhaupt erst Familienberaterin).

Das zu hören, war für mich ganz ehrlich eine Erleichterung. Für mich bedeutete das, ich war nicht Schuld. Babys sind einfach komplett unterschiedlich, was ihre Bedürfnisse angeht. So fiel es mir leichter mit dem Weinen umzugehen. Ich konnte meiner Kleinen beistehen, ohne mich die ganze Zeit zu fragen, ob es nicht doch an mir lag.

Wir bekamen aber noch andere Tipps von der Familienberaterin. Ich werde die mal aus meiner Erinnerung zusammenzufassen:

Baby warm halten. Unserer Kleinen war damals anscheinend oft kalt (Septemberbaby). Sie hatte kühle Hände, aber meine Hebamme meinte zu mir, hauptsache der Nacken und die Füße seien warm. Naja, nach der Beratung hieß es: Mützchen auch im Haus an. Ablegen nur auf vorgewärmte Plätze (Wärmflasche auf großem Stillkissen zum Beispiel. Baby dann auf den vorgewärmten Platz legen und die Wärmflasche ohne Körperkontakt mit unter die Decke, mit der man das Baby zugedeckt hat).

In den ersten Monaten die Schlafenszeiten des Babys akzeptieren. Schläft es frühstens um 01:00 Uhr ein? Dann möglichst tagsüber Kraft sammeln. Z. B.: Versuchen das Baby nicht im Tragerucksack, sondern im Pucktuch zum Einschlafen zu bringen, da man es dann leichter ablegen kann und sich wenn man Glück hat selber auch mal hinlegen kann. Ist natürlich nicht so einfach (bis unmöglich) wenn an mehrere Kinder hat … Ich gebe trotzdem mal alle Tipps weiter, die mir als Mama mit nur einem Kind gegeben wurden.

Das Baby nicht unter den Achseln fassen zum Hochheben oder beim Tragen. Denn angespannte Kinder spannen dabei die Muskeln an und das führt zu noch mehr Spannung im Körper. Lieber die eine Hand unter den Po/Rücken schieben und die andere Hand unter das Köpfchen, dann behutsam vor die Brust hochnehmen.

Hier der Tipp, der bei uns am meisten brachte:

Ruhige Stimme und ruhige Bewegungen. Zur Beruhigung das Kind aufrecht vor die Brust nehmen (evtl. gepuckt), sodass die Beine angewinkelt sind. (Ähnlich der Position in einem Tragetuch). Wenn die Babys so aufgeregt sind, wie unsere Kleine erfordert es am Anfang bis sie sich beruhigen schon Kraft sie in dieser Position zu halten.
Nun immer wieder langsam in die Hocke gehen und langsam wieder hochkommen. Immer weiter machen. Ruhig Atmen und erst mal nur auf eigene Atmung und sich selbst konzentrieren. Solange bis man es schafft ruhig und tief zu atmen.
Dann erst dem Kind zuwenden und beim Schreien“zuhören“. Beruhigend mit ihm Sprechen. Ganz wichtig: Mit übertrieben tiefer Stimme sprechen.
Was man sagt ist dabei fast egal. Ich sagte damals sowas wie: „Och, och, och, erzähl mir ruhig alles! Warum geht es dir nicht gut?“
(Es hat bei uns wirklich etwas gebracht. Es war kein Wundermittel, aber aus dem „In-Rage-Schreien“ wurde ein normales „Schluchzen“. Wenn ich es kräftemäßig lange genug geschafft habe, ist die Kleine so auch eingeschlafen. Die Familienberaterin hatte das so auch mit meiner Kleinen gemacht und da hat es tatsächlich sehr schnell funktioniert, dass sie aufgehört hat zu Schreien. Aber das war auch nachmittags und nicht Abends/Nachts.

Wenn man Glück hat und das Baby schläft irgendwann ein, ist die nächste Herausforderung, das Ablegen. Man muss ja auch als Mami mal auf Klo, oder essen oder sonstwas nebensächliches.
Also, beim Ablegen darf man, nicht zuuu vorsichtig sein, sonst schrillen bei den sensiblen Babys sofort die Alarmglocken. (Oh, oh, Mama legt mich vorsichtig ab … Da droht bestimmt Gefahr, schnell aufwachen! Nicht, dass Mama mich allein lässt …)
Also beim Ablegen Kind nicht so anfassen, als dürfe man keine falsche Bewegung machen. Stattdessen liebevoll aber bestimmt hinlegen und dabei nicht vergessen zu atmen … Po zuerst ablegen, wenn das Baby dabei die Augen öffnet, sanft sagen: „Hey, du kannst ruhig weiterschlafen.“ Jaja, dass es das dann auch macht, ist natürlich Glückssache.

Für das Wohl der Mama: Wenn es irgendwie möglich ist, sich mit dem Partner abwechselnd um das Baby kümmern. Anfangs standen mein Mann und ich immer zu zweit um die Kleine herum und versuchten herauszufinden, was sie hat. Als sein Urlaub vorbei war (nach 3 Wochen), war ich den ganzen Tag bei der Kleinen und abends kümmerten wir uns oft noch zusammen, aber um Kräfte zu sparen und um dem Baby weniger Reize zuzumuten, sollte man sich lieber abwechseln.
Vielleicht kann der Mann abends eine halbe Stunde bis Stunde mit dem Baby im Tragerucksack spazieren gehen, während man selber mal etwas isst oder für beide kocht oder das macht, was man sonst so an Grundbedürfnissen den Tag über nicht befriedigen konnte.

Und noch eine Anmerkung von mir persönlich: Der Tipp von Bekannten, man müsse die Babys tagsüber auspowern, damit sie Nachts gut schlafen, ist bei sensiblen Babys absolut der falsche Weg!!! Das führt zur totalen Überreizung und noch schlechterem Abschalten können / Einschlafen. Als wir später einen Rhythmus hatten (mit ca. 9-10 Monaten), haben wir bei uns zumindest die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, wenn die Kleine 1-2 Stunden Mittags schläft und dann trotzdem relativ früh ins Bett geht (spätestens 19:00 Uhr). Hier kann ich sagen, dass wie sehr Glück mit unserer Kleinen haben. Seit wir diesen Rhythmus haben, schläft sie trotz frühem Zubettgehen oft bis 8:00 Uhr. Muss wohl den Schlaf aus den ersten Monaten nachholen 😉 Alles natürlich nur wenn sie grad nicht krank ist und grad keinen Schub hat.
Wie auch immer, unser sensibles Babys ist sehr aufmerksam. Sie will alles mitbekommen und saugt alles auf, was der Tag ihr bietet. Bis ins kleinste Detail. Und das macht sie sehr müde. Die Gefahr den müden Punkt zu verpassen ist hoch und dann geht’s rund. Ihr wisst, was ich meine … 😉 Da hilft kein Schlafentzug, damit sie abends besser schläft. Eher im Gegenteil.

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass wir Glück hatten, dass die Phase des Schreiens hier nur bis ca. in den vierten / fünften Monat hineinging. Ich habe von anderen gehört bei denen das bis zu einem Jahr ging. Das stelle ich mir heftig vor.
Unsere Kleine ist immer noch anspruchsvoll, will überall dabei sein und beschäftigt sich auch jetzt nur unter Protest mal kurz alleine, aber sie ist ausgeglichener seit sie mehr kann. Vor allem, als sie dann Laufen konnte, war festzustellen wieviel zufriedener sie mit sich und der Welt ist. Jaha, jetzt kann Mama nicht mehr einfach so mal den Raum verlassen ohne, dass sie die Möglichkeit hat gaaaanz fix hinterherzukommen und das gibt ihr Sicherheit. Sie hat jetzt viel mehr selbst in der Hand. Das gefällt ihr 😉

Und noch eine Anmerkung: Ich schreibe hier nur meine Erfahrungen auf. Nichts davon ist wissenschaftlich belegt und wenn ein Baby sehr viel schreit sollte man natürlich immer ärztlich abklären lassen, ob gesundheitlich alles in Ordnung ist.
Ein toller Blog, auf dem ich auf der Suche nach Hilfe oft gestoßen bin, ist übrigens: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten. Kann ich sehr empfehlen!

Eure Nätty

Beitragsbild (Baby) aus der Bilddatenbank von pixelio.de