Mama zeigt Baby ihrer Oma

Oma ist die Beste (Blogparade)

Es gibt im Moment viele Blogparaden, an denen ich gern teilnehmen würde. Leider reicht die Zeit nicht für alle. Doch an der Blogparade von Anke von mama-geht-online kam ich nicht vorbei. Ein Thema über das ich schon sehr lange schreiben wollte:

Oma ist die Beste – Doch warum eigentlich?

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann hat meine liebe Oma da immer einen ganz besonderen Platz.

Allein wenn ich nur an sie denke, wird mir ganz warm ums Herz. Sie hat so viel Liebe, Wärme und Geduld ausgestrahlt. Wirklich bewundernswert. Ich war unheimlich gern bei ihr, ob als Kleinkind, Kind, Teenie oder junge Erwachsene. Meine Oma war ein besonderer Mensch für mich und das wird sie in meinem Herzen immer bleiben.

Hatte ich Kummer, Angst oder Sorgen, strich sie mir beruhigend über den Arm und sagte liebvoll: „Ach, mein Mädchen!“ und schon ging es mir ein Stückchen besser. Ich wusste, meine Oma liebt mich, egal was kommt.

Omas Mädchen. Das war ich wirklich gern, denn als „Omas Mädchen“ wurde man geliebt, verwöhnt und mit Aufmerksamkeit überschüttet.

Unermüdlich hat sie meinen Geschwistern, meinen Cousins und Cousinen und mir Bilderbücher vorgelesen als wir noch klein waren. Zu jeder Tages- und Nachtzeit konnte man zu ihr kommen und sie z. B. um einen geschälten Apfel, gebratene Nudeln mit Ei aus der Pfanne bitten, oder was einem sonst einfiel. Ihr war nie etwas zu aufwendig oder gar zu lästig.

Wir Kinder waren ihr ein und alles und das hat sich gut angefühlt. Sehr gut sogar.

In frühen Kindheitserinnerungen sitze ich bei ihr in der Küche, reibe Zwieback zu feinem Mehl und vermatsche es dann mit Wasser zu einer „köstlichen“ Pampe. Ich erinnere mich, dass ich das wirklich gern gemacht habe.

Bei Oma durfte man natürlich auch immer etwas mehr als zuhause. Das war toll. Länger aufbleiben, länger Fernsehen, mehr Süßes essen – es herrschten paradiesische Zustände. Und Ärger gab es nie. Ging mal etwas kaputt oder wurde etwas dreckig – kein Weltuntergang bei Oma. Dann wurde es halt repariert oder saubergemacht oder weggeworfen und nicht mehr drüber gesprochen.

Ihr jüngster Sohn – mein Onkel also – ist nur zwei Jahre älter als ich. Wenn ich bei ihr übernachtet habe, war es, als hätte ich einen älteren Bruder. Wir hatten natürlich auch viel Quatsch im Sinn, aber trotzdem wurde Oma nie, nie, niemals nie böse mit uns.

Wie spielten zum Beispiel „Spiegelspucken“. Das ganze Spiel bestand nur darin mit dem Gurgelwasser vom Zähneputzen den Spiegel im Bad vollzuprusten. Immer wieder. Ehrlich? Ich würde als Mama da heutzutage ausrasten … Meine Oma war total gleichmütig, „Ach, so sind Kinder halt …“, schien sie sich zu denken.

Sie hatte immer ein offenes Ohr und war so interessiert an allem was gerade bei uns Enkeln im Leben passierte und aktuell war. Nichts davon war unwichtig für sie.

Ich im Gegenzug fand ihre Geschichten auch immer sehr spannend, besonders als ich schon etwas älter war. Wie war denn meine Mama so als Kind? Wie war es für meine Omi als Kind im Krieg in den Süden Deutschlands fliehen zu müssen. Die Schule in der Fremde verbringen zu müssen? Wie war es einen Bomben-Alarm mitzuerleben. Wie war es aus der Stadt aufs Land zu ziehen? Meine Oma kam nämlich gebürtig aus dem Ruhrgebiet. Das hat man auch an manchen Ausdrücken gemerkt. Statt „jetzt“ sagte sie zum Beispiel oft „getz“.

Viele Kleinigkeiten im Alltag erinnern mich an meine Oma. Irgendwie denke ich immer an sie, wenn ich Nudeln in der Pfanne brate, oder wenn ich Frikadellen mache, denn die hat sie oft für uns zubereitet. Wenn ich eine Packung „Katzenpfötchen“ sehe, denke ich an sie, denn die hat sie meinen Schwestern und mir oft mitgebracht.

Ich denke an sie, wenn ich ab und an mal etwas spüle, denn meine Oma hatte zum Schluss zwar eine Spülmaschine, aber die hat sie nie benutzt. Sie hat lieber alles per Hand gespült.

Wenn ich einen alten Wecker höre, denke ich daran, wie ich als Kind im Gästebett bei ihr und Opa im Schlafzimmer übernachtet habe, denn da tickte immer ein Wecker ganz laut.

Wenn ich erkältete bin und mich mit Eukalyptos-Creme einreibe denke ich an sie, weil sie das früher bei mir auch gemacht hat, wenn ich krank war.

Am meisten denke ich natürlich an sie, wenn ich meinen Opa treffe, der übrigens auch ganz toll ist! Zu beschreiben wie toll, würde jetzt aber den Beitrag sprengen.

An Weihnachten denke ich immer daran, wie schön Oma und Opa uns Kindern den ersten Weihnachtstag gestaltet haben. Es gab jedes Jahr einen liebevoll, geschmückten Baum im Wohnzimmer, jede Menge Geschenke, eine leckere Weihnachtstorte von Opa und jede Menge Plätzchen.

Ich weiß noch, dass ich als ich mein erstes Auto gekauft habe (einen 11 Jahre alten Fiat 500), erst mal Oma und Opa zu einer Probefahrt abgeholt habe. Oma musste dann hinten auf die Rückbank klettern in dem kleinen Dreitürer.

Oder wie ich sie und Opa stolz nach Düsseldorf in meine erste eigene Wohnung eingeladen habe und sie sich so für mich gefreut hat.

Mein größter Wunsch wäre gewesen, dass meine Oma das Bilderbuch-Mädchen noch kennengelernt hätte.

Leider haben sie sich um einige Tage verpasst. Und in den letzten Tagen ihres Lebens ging es meiner lieben Oma leider auch sehr, sehr schlecht.

An meinem 31. Geburtstag war ich hochschwanger zuhause. Ich erinnere mich genau, dass meine Oma mich zum Geburtstag anrief und ich im fertigen, neuen Kinderzimmer des Bilderbuch-Mädchens mit ihr telefoniert habe. Unser letztes Telefonat … Sie hat es körperlich nicht mehr geschafft zu meinem Geburtstag zu kommen, aber sie hat an mich gedacht. Sie hat immer an mich gedacht. Die Karte, die ich von ihr zu meinem Geburtstag bekommen habe, halte ich in Ehren. Immer wenn ich sie in meinen Händen halte und die liebevollen Worte darin lese, kommen mir die Tränen. Bis zum Schluss hat meine Oma mir all ihre Liebe gegeben. Ich bin so dankbar für diese bedingungslose Liebe und ich wünsche mir, dass ich diese genauso an meine Tochter weitergeben kann. An „Mein Mädchen“.

Danke, liebe Omi! Danke für alles! Ich vermisse dich hier sehr!

Dein Mädchen

12 Gedanken zu „Oma ist die Beste (Blogparade)

  1. neverlookedsobeautiful

    Was für ein wunderschöner, tiefberührender Text. Ich kann deine Gefühle ganz genau nachempfinden.Auch ich wünschte, meine Oma hätte ihre Urenkelin kennengelernt. Sie haben sich leider um drei Jahre verpasst. Ich bin sehr dankbar eine so tolle und herzensgute Oma gehabt zu haben, ich fühle, dass sie und Opa von der anderen Seite uns beschützen. Dieser Gedanke gibt mir Karft und ist sehr tröstlich. Fühle dich fest umarmt!

    Antworten
    1. Nätty Beitragsautor

      Oh, vielen Dank. Ich freue mich, dass der Text dich berührt hat. Um ehrlich zu sein, hab ich sooo viel geweint beim Schreiben und als ich es vor dem Veröffentlichen las, kam es mir irgendwie so nüchtern vor. Dann weiß ich jetzt, das man die Gefühle doch herauslesen kann.
      Man kann wirklich dankbar sein, wenn man so eine tolle Omi haben durfte, was? Wir können uns glücklich schätzen, auch wenn es leider bei uns beiden nicht geklappt hat, dass die Omas unsere kleinen Schätze noch kennenlernen. Ganz liebe Grüße und eine feste Umarmung, Nätty

      Antworten
  2. Pingback: Oma ist die Beste - Doch warum eigentlich? (Blogparade) - Mama geht online

  3. Claudine

    So war unsere liebe Omi. Eine herzensgute, liebe Omi, die alles für uns gemacht hat bis zum Schluss.
    Ich habe den Text gelesen und musste mir alles gleich bildlich vorstellen und da kamen gleich die Tränen. Ich wünschte sie wäre noch da.

    Und ohne das unser kleiner Mann das mitbekommen hat sagt er auf einmal“ Tick Tack Oma leider Engel“. Er wollte das ich einen Engel male und möchte Tick Tack Oma das Bild schenken.

    Ich denke fest daran das sie immer bei uns ist. Nicht nur in unseren Herzen und Gedanken.

    Unsere Omi’s sind und waren die Besten! Die „Kleine“ und die „Große“.<3

    Antworten
    1. Nätty Beitragsautor

      Oh, das ist ja berührend, dass der Kleine ihr ein Bild schenken wollte. Und einfach so an sie gedacht hat. Wow!
      Ja, ich musste auch sehr viel weinen beim Schreiben. Es ist aber toll, dass wir so ein Glück hatten. Wenn ich an sie denke, sind es immer nur schöne Gedanken, die einem das Herz wärmen <3

      Antworten
  4. Ruhrmama

    Hallo Nätty, das ist ein sehr schöner Text von Dir! Meine Oma ist zwei Monate nach der Geburt vom Ruhrkind verstorben, sie konnten sich noch kennenlernen, aber wirklich nur kurz, denn meine Oma hatte keine Kraft mehr zum Schluß. Ihren Sterbeprozess zu begleiten und zeitgleich im Wochenbett nach der Geburt zu sein, hat mich an meine persönlichen Grenzen gebracht. Ich vermisse sie unendlich, kann aber kaum an sie denken, weil es noch zu schmerzhaft ist, ich verdanke ihr sehr viel in meinem Leben. Daher kann ich deine Gedanken und Gefühle nur zu gut nachvollziehen! Liebe Grüße von Nicole

    Antworten
    1. Nätty Beitragsautor

      Danke! <3 Der Text war mir auch sehr wichtig. Erst durch diesen Text, vor allem aber durch das Bild, habe ich so richtig meinen Frieden gemacht, damit wie es gelaufen ist. Ich konnte meine Oma zum Schluss nicht mehr besuchen, weil ich hochschwanger war und die akute Gefahr bestand, dass ich mich mit dem Krankenhaus-Keim anstecke 🙁 Und dann schaffte ich es auch zur Beerdigung nicht. Ich war drei Tage über den ET und kam auch am Abend mit Wehen ins Krankenhaus. Bekam mein Töchterlein in der Nacht nach der Beerdigung. Es war ein richtiges Gefühlschaos in der Wochenbettzeit. Dadurch, dass meine Kleine auch noch so unglaublich viel geschrien hat in den ersten Wochen, habe ich es auch erst spät zum Grab meiner Oma geschafft. Das war wirklich furchtbar für mich.
      Oh, bei dir war es aber auch sehr hart. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass einen diese Situation an seine persönlichen Grenzen bringt. Fühl dich ganz lieb umarmt!!!
      Deine Nätty

      Antworten
  5. Silke

    Danke für diesen wunderschönen Text! Ich sagte gerade letztes Wochenende noch zu meiner Mama, dass ich meine liebste Oma auch nach 8 Jahren noch so sehr vermisse, dass ich immer mal wieder ein paar Tränchen raus lassen muss… Ich erzähle meiner kleinen Tochter (8 Monate) von ihr, die Oma ist Ihr Schutzengel. Seltsam, eigentlich glaube ich an sowas nicht, aber bei meiner Oma bin ich mir sicher, dass sie noch immer da ist und mein Leben beobachtet…

    Antworten
    1. Nätty Beitragsautor

      Danke für dein liebes Feedback. Ich finde es so berührend zu lesen, dass es vielen ähnlich geht wie mir. So besondere Menschen wie unsere Omas hinterlassen einfach eine große Lücke. Dennoch durch die tollen Momente, die sie uns geschenkt haben, werden sie immer bei uns sein. Und die Liebe, die uns unsere Omas zuteil werden ließne, können wir nun an unsere Kleinen weitergeben. Das macht mich sehr glücklich. Ich stelle mir auch oft vor, dass meine Oma mein Leben noch weiter begleitet, es ist ein schöner, tröstlicher Gedanke. Ganz liebe Grüße! Nätty

      Antworten
  6. Beatrice

    Beim Lesen muss man wirklich schlucken. Ach wie schön! Und wie schade, dass deine Oma deine Bilderbuchmädchen nicht mehr kennengelernt hat. 🙁
    Omas sind einfach besonders.
    Meine ist genauso. Ich habe meine Oma noch. Sie wird nächstes Jahr 90. Wahnsinn. Und sie ist sogar noch relativ fit. Langsam ist sie. Und sie schläft viel. Bei Familienfesten setzt sie sich gern abseits des Trubels. Es erschöpft sie enorm. Aber ich freue mich sehr, dass sie ihre Urenkelschar kennenlernen darf. Meine Schwester hat auch zwei Kinder. Die Urenkel lieben sie genauso, wie ich sie liebe.
    Die 5 Urenkelchen stürmen mit Begeisterung Umala´s (Uroma´s) Wohnung. Immer stauben sie eine Kleinigkeit ab, bekommen Süßes, oder Leberwurstbrot oder was auch immer und „verwüsten“ die Wohnung. Aber Umala nimmt es gelassen und lacht und freut sich.
    Es ist sehr schön. Aber ich blicke auch etwas ängstlich, denn es wird der Tag kommen, an dem Umala geht. Das ist mir immer bewusst, wenn ich sie sehen. Denn man merkt, wie die Zeit langsam abläuft.

    Nichts destotrotz:

    Das wichtigste ist aber, dass wir diese Omas erleben durften! Das hat nämlich nicht jeder! Es ist auch etwas Besonderes!

    Antworten
  7. Nätty Beitragsautor

    Es klingt total schön was du erzählst von deiner Oma! Es ist etwas Besonderes wenn die Kinder ihre Ur-Oma erleben dürfen. Und toll ist es auch wieviel Glück unsere Kleinen den Urgroßeltern bringen. Mein Opa ist auch immer total liebevoll mit seinen Ur-Enkeln und genießt Zeit mit ihnen sehr.
    Man muss diese besonderen Momente ausschöpfen, denn wie du schon sagst, irgendwann ist die Zeit dafür vorbei. Aber die Erinnerung bleibt 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    Nätty

    Antworten
  8. Pingback: Erkenntnisse einer meckernden Helikopter-Mami … | BilderbuchBaby – Bilderbuchfamilie? Gibt`s nicht. Die Wahrheit über den Mama-Alltag!

Kommentar verfassen