Mama im Stress

Der alltägliche Wähnsinn …

„Neiiiheiiiin!“ erschallt es durch den Bilderbuch-Haushalt. Es ist 08:00 Uhr. Die Mama ist ready to go, das Bilderbuch-Mädchen nicht. Und es will auch nichts daran ändern.

„Komm, Schätzelein, Wickeln haben wir doch schon geschafft (unter riesigem Protest), jetzt nur noch eben anziehen. Hier, möchtest du diese Hose anziehen?“

„Neiiiiheiiiin!!!! DIE HIER!“

„Aber das ist keine Hose, das ist ein Pullover …“, gebe ich zu Bedenken.

„Wuäääähhh!!! Ich will die aber anziehen!!!“

„Ja, wir können das anziehen, aber als Pullover, nicht als Hose …!“

„Wuäähhh!“

Die Morgen-Routine zieht sich. Alles ist doof, nichts ist richtig und überhaupt und so … Wie das nunmal mit Zweijährigen so ist. Ansatzweise genervt blicke ich auf die Uhr. 08:10, wir sollten jetzt langsam wirklich fertig werden. Nicht, dass wir wieder den Morgenkreis im Kindergarten verpassen … Anziehen ist morgens so eine Sache. Am liebsten würde Madame gar nichts anziehen. Jedes Kleidungsstück ziehe ich ihr quasi im Hinterherrennen an oder erst nachdem sie sich minutenlang vor mir versteckt hat. Ich darf sie hinterm Wickeltisch hervorlocken, aus dem Bällebad oder hinter dem Bett. Jeden Morgen, für jedes Kleidungsstück ein Theater. So macht Morgen-Routine richtig Spaß … Selber Anziehen will sie sich auch nicht. Tja, schade Mama, aber man wächst ja an seinen Herausforderungen oder so.

Irgendwann haben wir es dann tatsächlich beide angezogen bis zum Kindergarten geschafft. Dort erweist sich dann wiederum das Ausziehen als olympische Disziplin.

„Stop, bevor du in den Gruppenraum rennst: Jacke und Schuhe aus!“, rufe ich der Kleenen hinterher, die schon wieder um die Ecke verschwunden ist. Also bin ich erneut am Rennen, schnapp sie mir, trag sie zurück zur Garderobe und zieh ihr die Klamotten aus, während sie rumhüpft. Schuhe ausziehen bei rumhüpfendem Kind ist echt eine Leistung – also zumindest, wenn man dabei darauf achtet, dass das Kind nicht umfällt … Sonst wärs natürlich einfach.

Fertig – Zack, Kind ist weg …

An der Kindergarten-Pinnwand hängen schon wieder allerlei Aufgaben. Ich soll Kaffee mitbringen zum anstehenden Advents-Kaffee, ein Marmeladen-Glas zum Basteln ist gewünscht und die Pampers des Bilderbuch-Mädchens sollen dringend aufgefüllt werden. Ich schreib mir alles in meinen Kalender und hoffe mir geht nichts durch. In einem seperaten Postfach liegt noch eine Einladung zur Elternratssitzung, außerdem die Aufforderung meinen Stundenbedarf fürs nächste Jahr anzugeben, ein Zettel, in dem wir Mitteilen sollen wieviel Personen zum Advents-Kaffee kommen und die Bitte 5 Euro für irgendein Geschenk abzugeben.

Bepackt mit lauter Briefchen und Zettelchen, trabe ich zum Ausgang, die Arbeit ruft. Und, was ist das? Da ruft doch noch jemand.

„Frau Bilderbuch-Mama!!!“

Ah, die Erzieherin.

„Wir bräuchten auch noch neue Feuchttücher für ihre Tochter, könnten Sie die sobald wie möglich mitbringen?“

„Ja, klar.“

Zwei Schritte noch bis zum Auto und keine weiteren To-Dos. Yes! Aber schon vergessen, was ich noch mitbringen soll. Egal, erst mal zur Arbeit jetzt, aber zügig. Schon wieder 09:00 Uhr … So war das nicht geplant.

09:20 Uhr schlage ich endlich im Büro auf, die Arbeit türmt sich, im Winter ist die heiße Phase bei uns. Jetzt heißt es kreativ sein auf Knopfdruck … Und dazu noch ganz viel Fleißarbeit. Die Chefin wünscht sich noch mehr Fleißarbeit. Endspurt ist angesagt bis Ende des Jahres und Überstunden wären auch gern gesehen. Joah … ähm gut, da sich das Bilderbuch-Mädchen nicht von allein vom Kindergarten abholt, bleibt für Überstunden eigentlich nur mein (seit neuestem) freier Tag. Der Freitag. Eigentlich hab ich den seit Anfang November frei, aber bisher war ich an dem Tag erst einmal zuhause. Übrigens wegen einem Zahnarzt-Termin, (der nichts gebracht hat in Sachen schmerzlinderung, aber das nur so nebenbei). Wie auch immer, ein paar Überstunden kann ich gut gebrauchen, da der Jahresurlaub schon für die Kita-Eingewöhnung draufgegangen ist. Was solls … Wird halt wieder an der Zeit für den Haushalt abgeknapst … Eigentlich müsste ich auch mal die Winterreifen draufziehen lassen, erneut zum Zahnarzt und das Haus weihnachtlich dekorieren wäre auch nett. Stattdessen haste ich nach der Arbeit zum Kindergarten das Bilderbuch-Mädchen abholen.

Die freut sich sehr mich zu sehen und stürmt in meine Arme. Aber sie will ja so gerne noch weiter spielen und auf gar keinen Fall schon gehen. Wer errät’s? Na klar, es gibt einen Heulanfall und das Anziehen von Jacke, Schuhen und dem restlichen Klimbimm wird wieder zur Geduldsprobe. (Die ich nichts bestehe …)

Mittlerweile ist es 16:00 Uhr. Wir sind zu einem gemütlichen Plätzchenbacken mit Kindern bei den Nachbarn eingeladen. Weihnachtsstimmung verbreiten bei den Kindern und so … Ist ja auch eigentlich total schön, aber Backen mit Kindern hat natürlich mit gemütlich nichts zu tun 😉

Die Erwachsenen so:

„Esst nicht so viel Teig!“, „Hey, das reicht jetzt aber. Ihr bekommt Bauchschmerzen!“, „Vorsicht, da steht dein Glas!“ „Ich hol mal Küchenrolle …“, „Warte, der Teig muss erst ausgerollt werden. Ja, du darfst auch mal.“ „Der Backofen ist heiß! Nicht dranfassen!“ „Nicht die Teigreste vom Boden essen!“, Hey, nicht auf der Couch hüpfen, du fällst da gleich wieder runter!“, „Isst du schon wieder rohen Teig? Schluss damit! Du auch! Aufhören jetzt!“

Die Kinder so:

„ICH will das machen!“, „Nein, ICH hatte das zuerst!“, „Mamaaaa!“, „Ich will was trinken!“, „Nein, kein Wasser!“, „Dürfen wir jetzt ausstechen? Jetzt? Jetzt???“, „Ich will lieber mit Bauklötzen spielen!“, „Auaaahhh! Wuähhh!

Ok, insgesamt war der Nachmittag natürlich sehr schön, aber entspannt sieht anders aus 😉

Gegen 18:00 Uhr machen wir uns auf den Heimweg, natürlich viel zu früh, wenn es nach dem Bilderbuch-Mädchen geht. Und was macht man, wenn man gehen muss, obwohl es grad so schön ist? Ja, genau! Heulen …

Zuhause angekommen, bereite ich das Abendessen vor und bald kommt auch schon der Bilderbuch-Papa zur Türe herein und wir können essen. „Warst du heut nicht einkaufen?“

„Wann hätte ich das denn machen sollen,“ maule ich.

„Ich mein ja nur, du hättest ja Bescheid geben können, dann hätte ich doch eben zum Supermarkt fahren können, Getränke holen.“

Achso, äh ja, keine schlechte Idee. Beim nächsten mal vielleicht. Heute gibt es wohl nur Leitungswasser …

20:30 Uhr, die kleine Maus liegt im Bett und es ist endlich mal ruhig. Ich liebe Ruhe! Schnell mache ich noch eine Maschine Wäsche fertig, lege meine Sachen für den nächsten Tag raus und bereite schon mal die Kaffee-Maschine für den nächsten Morgen vor. Ich krame die Zettel aus dem Kindergarten hervor und versuche alles gewünschte zu erledigen. Und damit ich auch morgen nichts vergesse mitzunehmen, stelle ich mir alles, was ich so brauchen werde direkt in den Weg vor die Haustür. Sicher ist sicher. Eben noch Spülmaschine einräumen und Küche aufräumen.

21:30 Uhr. So, jetzt könnte ich doch bloggen, oder? Ach ne, zu müde. Stattdessen schaue ich fern und stelle nebenbei eine Wunschliste für Weihnachten zusammen, die ich dann an die Family schicke.

Um 23:00 Uhr mach ich mich bettfertig. Mein Mann und ich schauen noch bei der Kleinen rein. Sie schläft friedlich. Sooo süß! Ein warmes Gefühl breitet sich in meinem Herzen aus. So ein kleiner unschuldiger Engel! Das ist einer meiner Lieblingsmomente des Tages. Ich könnt ihr ewig zuschauen … Oh, sie bewegt sich und richtet sich auf. Schnell Türe wieder schließen und hoffen, dass sie einfach wieder einschläft 😉

Und nun, gute Nacht für heute.

Alles Liebe,

Eure Nätty

8 Gedanken zu „Der alltägliche Wähnsinn …

  1. mamawillschoko

    Hihi! Der Mama-Alltag schlechthin. .was wir nicht alles wuppen müssen! Das Anziehen und für den Kindergarten bereitmachen schaut bei uns haargenau so aus. Bei jedem Kleidungsstück höre ich ein lautes „Nein“, es ist jedesmal ein Kampf.

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    1. Nätty Beitragsautor

      Wahnsinn, oder? Und wie anstrengend das sein kann, merkt man echt nur, wenn man selbst Mama ist. Bevor ich Mama war, wusste ich gar nicht, was meine Kolleginnen mit Kindern alles leisten und was für ein kleiner Bruchteil davon nur der Erwerbs-Job ist. Nur ein kleines Puzzle-Teilchen im Alltag 😉 Also, Respekt an alle Mamas!
      LG

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  2. Aleksandra

    Hallo Nätty!
    Was für ein toller Artikel! *lach*
    So sieht auch unser Morgen aus! Schön, dass man nicht allein ist 🙂

    Unsere kleine Maus (knapp 2,5 Jahre) will morgens nun erst gar nicht aus dem Bett raus. Sie will noch kuscheln und in die Höhle. Ich muss dann ihre Bettdecke über sie ziehen und dann sitze ich vor ihrem Bett und versuche Klein-Madame zu überreden aufzustehen.

    Gestern sagte sie zu mir: Dann schnapp mich doch einfach, Mama!
    Das sind dann diese wunderbaren Momente, die mich zum lachen bringen und mir wieder Energie geben.

    Ich renne ihr auch fast jeden Morgen mit dem Pulli, Schal, Mütze und Jacke hinterher wie ein Huhn. Das bringt mich morgens an meine Gedulsgrenze. Aber wir wissen ja zum Glück, dass die Kleinen es nicht mit Absicht machen.

    Wir wünschen Euch eine wunderbare Adventszeit und viel Spaß morgen beim Aufmachen des ersten Türchens des Adventskalenders!

    Ganz liebe Grüße aus Berlin,
    Aleks

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    1. Nätty Beitragsautor

      Danke 🙂 Freut mich, dass der Text dich zum Lachen bringen konnte.
      Und du hast Recht, manchmal reicht schon ein einziger witziger Ausspruch der kleinen Racker und man weiß wieder wofür man das auf sich nimmt. „Dann schnapp mich doch, Mama!“ ist echt gut ;D
      Tja, die Kleinen spielen halt immer, auch wenn es uns Großen grad mal nicht in den Zeitplan passt 😉
      Ganz liebe Grüße zurück vom Niederrhein!
      Nätty

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  3. beatriceconfuss

    Man liest atemlos mit, lacht und denkt: Jep!
    Aufgeschrieben klingen diese Tage immer gut. Und auch am Abend, wenn man sich die schlafenden Kinder ansieht, ist es fast vergessen. Aber solange man mitten drin steckt möchte man SCHREEEEEIIIIIIIEEEEEEEN! 😀

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    1. Nätty Beitragsautor

      Genau so ist es 😉 Ich hatte mal eine ziemlich lange Phase in der lief alles top. Es war die Phase, in der ich das Bilderbuch-Mädchen zwangsweise etwas länger zuhause betreuen mussten, weil der Kindergartenplatz erst so spät frei war. Da hatte ich für alles, alle Zeit der Welt und der ganze Alltag war richtig entspannt. Und so war auch die Kleine viel ausgeglichener. Ich wusste quasi gar nicht worüber ich auf dem Blog schreiben sollte ;DDD
      Waren echt unsere „Bilderbuch-Wochen“. Aber das zeigt auch mal wieder wir sehr es doch auch die Kleinsten schon stresst in so einem terminierten Alltag gefangen zu sein. Ich hoffe hier wird es bald wieder ruhiger und ich kann wenigstens die Nachmittage wieder etwas ruhiger gestalten 🙂 LG

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