Mama im Hamsterrad

Das Hamsterrad dreht sich …

Gefühlt fängt bei mir ja jeder zweite Blogpost an mit: Ich bin so müde, es ist alles so stressig und ich komm zu nichts … Mimimi …

Der letzte Jammer-Post ist aber schon einige Wochen her, ich hab extra nachgeschaut, also darf ich wieder!

Gehetzt, gehetzt gehetzt … Das ist grad mein Grundgefühl. Morgens steh ich gegen 07:00 Uhr auf, mache mich schnell fertig und danach die Kleine LANGSAM, denn wenn ich die schnell fertig machen würde gäbe es morgens nur lautstarken Katastrophen-Alarm. Und das macht mich morgens ziemlich aggro … Also damit wir um 08:30 loskönnen – ohne größere Ausraster auf beiden Seiten- wird das Bilderbuch-Mädchen um 07:30 Uhr geweckt.

Dann trödeln wir uns fertig bis zum Losgehen, was dennoch meist nur unter Protest geschieht, aber immerhin unter leisem 😉

Im Kindergarten liefere ich die Maus dann kurz vorm Morgenkreis ab. Wenn ihre „Gang“ da ist, klappt das ohne Probleme. Sind die beiden Lieblingsmädels nicht da, dann soll Mama lieber nicht gehen. Aber das geht ja nicht, also geht Mama doch, mit traurigem Gefühl. Aber für das traurige Gefühl ist nicht lange Zeit, denn ein Blick auf die Uhr meldet, auweia, jetzt aber schnell zur Arbeit, damit der Feierabend noch so liegt, dass man rechtzeitig zum Ende der gebuchten Kindergarten-Betreuungszeit auch dort wieder auf der Matte stehen kann.

Ich rase also los. Da ich momentan abends immer zu müde für alles außer das Nötigste bin – also: Wäsche, akribische Zahnpflege (wegen ständiger Zahnfleischentzündungen) und Küche einigermaßen vertretbar aufräumen – hab ich nichts zu essen dabei und keinen Kaffee … Anfang des Jahres war ich so stolz auf mich, da hab ich Abends immer alles für den nächsten Morgen und Tag fertig gemacht. Klappt aber leider seit März nicht mehr.

Und wie heißt es so schön? Was du nicht an Zeit hast, das hast du im Portmonee oder so …

Also ab durch den Drive des beliebten FastFood Restaurant mit dem goldenen M. Die Mitarbeiterin grüßt mich freundlich. Wir kenne uns … Sie ist immer super-freundlich und ein kleiner Lichtblick am Morgen. Bei ihr gibt es Kaffee. Was will man mehr?

So, weiter zur Arbeit. Auf den letzten Drücker stolpere ich ins Büro. Die Kollegen warten schon.

„Oh, schön, du bist da … Hast du schon …?“

„Soundso hat schon nach dir gefragt … Du sollst dich melden wenn du da bist …“

Geht klar … Da ich grad stressige Projekte hab, geht es ab jetzt ohne Pause durch bis zum Feierabend gegen 14:45 Uhr. Ach, was red ich PUNKT 14:45 Uhr, denn jede Sekunde später könnte meine pünktliche Ankunft am Kindergarten verhindern, was fatal wäre.

Da ich heute nur einen Kaffee und ein fettiges Frühstücksgebäck hatte, hängt mein Magen in den Knie-Kehlen.

Ich überlege ob, ich es vor dem Kindergarten noch in den Supermarkt schaffe, aber verwerfe die Idee, denn die Gefahr, dass die Omi an der Kasse vor mir, dem Kassierer in Zeitlupen-Tempo ihr Kleingeld vorzählt, ist zu groß. Also ab durch zur KiTa.

Etwas gehetzt suche ich das Bilderbuch-Mädchen auf dem Außengelände.

Sie sieht mich, rennt freudestrahlend auf mich zu, umarmt mich, will aber mit mir im Kindergarten bleiben. Coole Schaukel, Riesen-Sandkasten, tolles Klettergerüst … Sie verstehen, da kann der heimische Garten nicht mithalten.

Unter Protest-Geheul geht es aber doch nachhause. Auch wenn Madame da partout nicht hinwill. Was sie mir in Dauerschleife vorheult. Mein dezenter Hinweis, dass sie heut Morgen von zuhause nicht wegwollte, bringt uns übrigens auch nicht weiter.

Nun gut, es ist 15:30 Uhr und ich sehe auf dem Handy drölfzig neue whatsapp-Nachrichten und Kalender-Erinnerungn. „Treffen mit der alten Krabbelgruppe“, „Treffen mit Kollegin im Elternzeit“, „Ostermarktstand Kindergarten aushelfen“, „Wir müssen uns unbedingt mal wieder treffen“, „Arzttermine ausmachen“, „Wäsche machen“, „Müll rausbringen“, „Staubsaugen“, „Geburtstage“, „Einkaufen“, „Urlaub planen“, „Rechnungen bezahlen“, „Gartenarbeit“ etc, pp blubblub … “ Staubwischen.“ Kleiner Scherz. Staubwischen mach ich erst wieder, wenn das Kind sich mit 14 im Zimmer einschließt und ich nicht weiß, was ich mit meiner Freizeit machen soll.

Das Bilderbuch-Mädchen will einen SNACK! Also mache ihr eine Kleinigkeit zu essen. Und nasche davon mit, denn mein Magen knurrt auch. Mittlerweile ist es 16:00 Uhr. Ich räume schnell die Küche auf, während die Kleine snackt, dann beantworte ich ein paar whatsapp. Ein muffeliger Geruch steigt in meine Nase. Ok, „Wickel-Time“. Nach dem Wickeln versuche ich zu staubsaugen …

„Mamaaaa, ich will, ich will, ich will …“ (Momentan die Lieblingsworte des Bilderbuch-Mädchens).

„Ok, dann staubsauge du,“ lasse ich mich breitschlagen. Doch, oh Wunder nach zweimal hin- und her hat Madame kleine Lust mehr. Also will ich weitermachen, doch …

„Mamaaaa, ich will, ich will, ich will …“ Orrr …

So geht das noch eine Weile bis ich befinde, das genug Staub (Sand, Krümel, Kirschkerne) entfernt ist für einen Tag. Das Bilderbuch-Mädchen und ich machen eine Runde Bügelperlen-Bildchen … Ziemlich dämliche Idee übrigens nach dem Staubsaugen. Nunja …

Dann ist es auch schon Zeit das Abendbrot fertigzumachen. Der Bilderbuch-Papa ist diese Woche leider nicht am Start. Hat eine Schulung in Hamburg. Wir Video-Telefonieren nach dem Abendessen. Das ist zu süß. Das Bilderbuch-Mädchen drückt mein Handy ganz fest an ihr Gesicht und beteuert immer wieder: „Is hab dis lieb, Papi.“

Zeit fürs Bett. Unter dem gewöhnlichen Protest werden Zähne geputzt, Gesicht gewaschen, versucht die Haare zu kämmen, gewickelt und Schlafsachen angezogen. Das alle zusammen könnte in 15 Minuten erledigt sein. Könnte … Isses aber nicht. Nicht annähernd. Die Gute-Nacht-Geschichte wird durch das App-Spiel „Mascha als Doktor“ auf dem Handy ersetzt. Pädagogisch wertvoll. (Ist aber echt ganz süß gemacht). Es ist 20:015 Uhr.

Dann legen wir uns zu zweit auf die Matratze und das Bilderbuch-Mädchen schläft ein. Ich würd auch gern. Tu ich auch öfter, aber unterbewusst scheint mir klar zu sein, dass der Bilderbuch-Papa nicht da ist und mich im Fall des Falles nicht wecken kann. Also bleib ich wach und verlasse kurze Zeit später das gemütliche Lager.

Der erste Moment für mich.

Wenn man die gehetzten Autofahrten nicht mitzählt. Ich mach schnell Wäsche und bring wenigstens den Müll raus. Dann noch kurz eine Rechnung bezahlen und ab geht es auf die Couch zu mehr bin ich nicht fähig. Es ist 21:15 Uhr und ich sollte spätestens um 22:30 Uhr schlafen, damit ich morgen nicht zu müde bin. Jetzt noch bloggen? Ne, zu müde. Jetzt noch zeichnen? Ne, zu müde. Also wird Homeland geschaut. Leider werden aus einer zwei Folgen und ich werde Morgen wieder nicht ausgeschlafen sein. Und wieder weder Kaffee noch Essen vorbereitet. Also bis morgen liebe Kaffee-Fee vom Drive-In …

Mein sehnlichster Wunsch wäre es den Alltag zu entschleunigen.

Irgendwie klappt es nicht so richtig. Dadurch das alles so viel ist, genieße ich meine schönen Termine auch viel zu wenig. Am Wochenende war ich zum Beispiel mit den Mädels in „Die Schöne und das Biest“ und auf dem Ostermarkt war ich mit meiner Familie, auch wenn ich da kurz arbeiten musste, war es doch ein schöner Termin. Aber momentan rasen diese schönen Momente genauso wie der Rest einfach nur vorbei. Das einzig Gute ist, dass auch die furchtbar traurigen Momente nicht so tief an mich herankommen. Mein geliebter Opa ist gestorben. Am Freitag war die Beerdigung. Durch die vollen Tage ist der Schmerz verdeckt. Begraben. Doch in Momenten wo er durchdringt ist er umso heftiger. Wenn ich auf dem Weg zur Arbeit einen älteren Herrn auf dem Fahrrad sehe, dann bricht es plötzlich heftig über mich herein und ich kann nur noch schluchzen. Mein lieber Opi wird nie mehr auf seinem Fahrrad die Landstraßen entlangfahren, das Fallobst sammeln und leckeres Apfelmus für die ganze Familie zubereiten. Nie wieder sein leckeres Speck-/Zwiebelbrot backen. Nie wieder von seinem Fenster aus zum Abschied winken solange es geht. Immerhin tröstet es mich, dass wir schöne letzte Momente zusammen hatten. Opa, du fehlst! Genau wie meine liebe Oma. Nun ist sie leer, die Wohnung, in der ihr so viele Jahre immer für mich und all eure anderen Enkelkinder und Kinder da gewesen seid. Ihr werdet immer in unseren Herzen sein!

Gefühlsmäßig waren die letzten Wochen ziemlich intensiv. Ich fühl mich schwer vor Trauer und Stress, aber gleichzeitig leicht vor Freude und Dankbarkeit, weil es meiner kleinen Familie gut geht.

Doch trotzdem, das Problem der dringend benötigten Entschleunigung bleibt bestehen. Ab 01.04 werde ich meine Arbeitszeit wieder auf fünf Tage verteilen anstatt auf vier. Adieu freier Freitag! Aber bisher hat der Tag mir auch nicht so viel gebracht wie ich dachte. Vielleicht lag es an den vielen Zahnarzt-Terminen, vielleicht aber auch, weil ich doch öfter arbeiten war, um Krankheitstage der Kleenen auszugleichen. Wie auch immer ab Monatg wieder Fünf-Tage-Woche, dann ist wenigstens der tägliche Druck raus und es kommt nicht mehr auf jede Sekunde an. Wie die Wirklichkeit aussieht erfahrt ihr dann hier auf dem Blog 😉

Ist der Alltag bei euch auch so schnell-lebig? Habt ihr Tipps, wie man ihn etwas entschleunigen kann?

Alles Liebe,

Eure Nätty

6 Gedanken zu „Das Hamsterrad dreht sich …

  1. Anna

    Ach liebe Nätty, mein aufrichtiges Beileid. Man funktioniert zwar weiter, aber es ist ein Schlag, der tief sitzt und es wird dauern bis man das verarbeitet hat. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. Das Hamsterrad kenne ich sehr gut, manchmal weiß ich gar nicht wo die Zeit geblieben ist, schwups plötzlich ist wieder eine Woche rum und so vieles ist liegen geblieben…Ich frage mich, ob ich jeh wieder Struktur und Ordnung reinbekomme…Einen echten Tipp habe ich nicht, velleicht aber doch, dass man die eigenen Ansprüche einfach herunterfährt. Es ist kein Beinbruch, wenn was liegen bleibt, die Welt dreht sich weiter. Man muss einfach schöne Momente bewusster erleben und sie genießen. Freizeit und Familienzeit ganz intensiv nutzen, denn dann werden die Akkus auch schneller wieder voll und man geht nicht so ganz aufs Zahnfleisch, wenn man (mal wieder) nicht alles vorgenommene geschafft hat.
    Eine feste Umarmung!

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    1. Nätty Beitragsautor

      Vielen, vielen Dank für deine lieben Worte. Es bedeutet mir sehr viel! Du hast ja auch so viel um die Ohren und eine traurige Zeit hinter dir. Ich schicke dir gleich mal eine Umarmung zurück!!!
      Die Freizeit-Momente intensiver genießen ist wohl echt der Beste Rat 🙂
      Alles Liebe,
      Nätty

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  2. beatriceconfuss

    Der arme Opa. Mein Beileid! Ach ja. Seufz.

    Entschleunigen kann man wohl nur, in dem man alles was nicht wirklich wichtig ist, streicht. Nein, sagen. Egal bei was. Wenn man auf irgendwas verzichtet, gewinnt man plötzlich was. Wenn du verstehst was ich meine. Sonst frag mich nochmal. 😀 Ich bin schon wieder so müde. 😀

    Übrigens die Zahnpflege-Sache….ist bei mir auch so. Was allerdings super gut hilft ist auf einem frischen Salbeiblatt rumkamen und es vor allem eine Weile an der Stelle lassen, wo gerade eine Entzündung ist. Schmeckt zwar gewöhnungsbedürftig, wirkt aber echt sehr gut. Und wächst auch im Garten! 😉 Damit wurde ich bis jetzt auch immer ein verräterisches Puckern an einer Zahnwurzel wieder los. Und Halsschmerzen auch.

    So ich sag gute Nacht für heute! 🙂

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    1. Nätty Beitragsautor

      Danke für deinen lieben Kommentar. Man, man, als ich meinen Opa zum allerletzten Mal besuchte lag er im Krankenhaus und ich hab tatsächlich an dich gedacht, denn du hattest vor kurzer Zeit darüber geschrieben, wie ihr deine Oma im KKH besucht habt. Wir haben da ganz ähnliche Erfahrungen gemacht, leider … Es war echt unwürdig. Überfüllt, bedrückend und es wurde sich wenig gekümmert ;(

      Ich lasse schon echt viele Dinge liegen, aber manches muss ja einfach erledigt werden 😉 Leider ist der Blog auch so eine Sache, die ich grad sehr vernachlässige, da immer anderes dringender ist oder ich viel zu müde bin. Dabei macht es mir soviel Spaß. Aber es kommen sicher wieder andere Zeiten.

      Das mit dem Minzblatt werde ich versuchen. Minze wollte ich eh pflanzen 🙂

      Liebste Grüße!

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