Mama kämpft gegen Windmühlen

Autonomiephase und Haushalt sind meine Windmühlen …

Irgendwie brodelt es grad in mir. Ich kann gar nicht sagen, warum genau, aber alles mögliche bringt mich total auf die Palme … Vielleicht muss ich mir einfach mal Luft machen 😉

Bei jedem gemeinsamen Essen mit dem Bilderbuch-Mädchen kann ich hunderprozentig davon ausgehen, dass mindestens einmal ein Getränk komplett über den Tisch gekippt wird. Die Lautstärke am Tisch ist immer schön hoch und mein Auge zuckt schon nervös, wenn das fünfte Mal infolge eine Gabel oder ein Messer scheppernd zu Boden fliegt. „Ups …“ erklingt es dann vom Bilderbuch-Mädchen und sofort schiebt sie ihren Stuhl ruckartig, krachend über die Fliesen zurück, um dem Besteck hinterherhechten zu können. Und dann taucht das Mädelchen wieder auf – mit irgendwelchen alten Krümeln vom Vortag im Mund. Natürlich …

Räume ich an der einen Stelle auf, wird an der anderen Stelle schon wieder alles durch die Gegend verteilt. Zum Saubermachen komme ich eigentlich gar nicht, da ich immer nur das wegräume, was grad genutzt oder erledigt wurde: Kochuntensielen, Spielsachen oder Klamotten, Wäsche … Und alle möglichen Dinge, die man in der alltäglichen Hektik nur kurz zur Seite legt, weil man grad keine Zeit hat sie an den richtigen Ort zurückzulegen, stapeln sich in den Räumen. Grrr … Und wenn ich Zeit hab, sie wegzuräumen, dann nur um festzustellen, dass die Bestimmungsorte auch zugemüllt sind mit irgendwelchem Mist, den ich längst mal aussortieren wollte …

Es ärgert mich. Ich bin nicht wirklich der ordentlichste Mensch der Welt, aber die Unordnung macht mich grad wahnsinnig und vielleicht auch der Umstand, dass in naher Zukunft kein Ende in Sicht ist … Es gibt so viele Dinge, die ich dauehaft nach hinten verschiebe. Beispiele gefällig? Fenster putzen, Vorgarten aufhübschen (mit aufhübschen meine ich die ganzen toten Blumen entsorgen), Keller entrümpeln, Pfand-Vermögen wegbringen. Und wenn ich mal kurz Zeit für eine der Stiefkinder des Haushalts habe, dann ist alles was ich schaffe immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein und bis ich das nächste mal zu etwas in der Art komme, ist es schlimmer als vorher.

Ein Problem ist dabei auch mein Aufräum-Wahn … Ich ertrag die Unordnung in jeder Ecke irgendwie nicht mehr. Als Kind, Teenie und junge Erwachsene hat mich das nie gestört, aber was der Teufel warum, jetzt tut es das. Diese furchtbar vielen Ecken im Haus, die mit angesammeltem Kleinkram vollgestopft sind machen mich irre! Und auch wenn ich weiß, ich sollte mit dem Aufräumen warten bis das Bilderbuch-Mädchen im Bett ist, weil es sonst eh keinen Sinn macht, manchmal komme ich da nicht gegen meinen inneren Zwang an. Und das vor allem jetzt im Urlaub, weil ich denke, dass ich im Urlaub doch einiges schaffen müsste …

Dazu kommt, dass ich grad nicht im geringsten zum Bilderbuch-Mädchen durchdringe. Alles kann ich ihr 1000 Mal sagen, aber entweder sie hört nicht zu, sie tut so als würde sie mich nicht hören oder hört einfach ganz offensichtlich nicht. Wickeln ist grad der pure Kampf, egal wie sehr ich versuche, ihr auch Entscheidungen zu lassen, sie will einfach nicht gewickelt werden. Aber auch in Situationen, wo wir eigentlich Zeit haben und ich geduldig warten kann, bis sie Lust hat irgendwann zum Beispiel nachhause zu gehen, enden momentan im Drama, denn: Sie hat nie Lust irgendeine Situation, die ihr Spaß macht zu verlassen. Egal wie lange ich warte, es vorher ankündige oder sonstwas. Ich lese auch grad das Buch meiner geschätzten Blogger-Kolleginnen von das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten. Und es hat mir tatsächlich in der ein oder anderen Situation geholfen, aber in vielen Situationen fallen mir die Dinge, die im Buch so offensichtlich erscheinen gar nicht auf und auch die dann einfachen Lösungen wollen mir nicht in den Sinn kommen. Wenn doch, dann bin ich unendlich erleichtert das Buch (Affiliate-Link) gelesen zu haben. Denn um jeden vermiedenen Wutausbruch bin ich grad sehr froh. Auch wenn ich weiß, dass das Bilderbuch-Mädchen manchmal gar nicht anders kann, allein vom Alter her, so bin ich doch oft in dünnem Nervenkostüm unterwegs zur Zeit. Diese Wutausbrüche mehrmals am Tag liebevoll abzufangen kostet echt Kraft.

Manchmal geht auch einfach so ein „Tilt“ durch Töchterleins Kopf und sie schmeißt mit allem um sich. Und dann überkommt mich diese innere Wut. Hab ich nicht den ganzen Tag versucht auf sie einzugehen? Ihr Entscheidungsfreiheiten zu lassen und alles was ich so tue erklärt? Und trotzdem ist ihr ständig irgendwas nicht Recht. Und dann schrei ich rum, obwohl ich das vollkommen doof finde und es ja auch nicht dazu führen wird, dass sie auf mich hört oder ihre – in dem Alter vollkommen normalen Wutausbrüche – unterdrücken könnte. Eher im Gegenteil natürlich. Die Autonomiephase bringt mich um den Verstand echt … Wenn ich dann mal wieder rumgeschrien hab, entschuldige ich mich schnell wieder. Schließlich bin ich ja hier die Erwachsene und ich sollte das im Griff haben im Gegensatz zu der Zweieinhalbjährigen. Letztens hab ich in meiner Verzweiflung dem Bilderbuch-Mädchen gesagt, sie dürfe ruhig zurückschreien wenn ich schreie und das hat sie dann gemacht und am Ende haben wir sehr darüber gelacht. Ich weiß, das ist vollkommen unorthodox, aber ich bin ja schon froh dass wir am Ende lachen konnten. Ich versuche ihr zu vermitteln, dass mein Schreien nicht ihr persönlich gilt, sondern leider ein Ventil ist, das bei mir mitunter durchgeht. Ich sage ihr sehr oft, dass sie ein tolles Kind ist und das sie mein liebster Schatz ist und es nicht ihre Aufgabe ist mich glücklich zu machen. Mama ist halt auch manchmal wütend, aber es ist nicht ihre Aufgabe sich so zu verbiegen, dass ich nicht wütend werde. Jeder ist für sein eigenes Glück und seine Gefühle verantwortlich. Es ist wichtig dass sie das weiß. Menschen haben Gefühle und die sind nicht immer nur eitel Sonnenschein. Sie soll blos nicht denken, dass es ihre Aufgabe ist andere mit ihrem Verhalten glücklich zu machen. Zumindest nicht, wenn sie dafür jemand sein muss, der sie gar nicht ist. Dennoch sollte sie natürlich Respekt für die Gefühle anderer haben und diese nicht absichtlich verletzen. Hoffentlich werde ich ihr das vermitteln können.

Naja, auf jeden Fall ermüdet mich der dauernde Widerstand und das ständige darüber nachdenken, wie ich die Situationen entschärfen könnte auch. Die liebe Alexa von alexakindermoden wies mich darauf hin, dass ich in manchen Situationen, zum Beispiel beim Wickeln, nicht bestimmt genug auftrete. Aber das mit der „keine Wahl“ lassen habe ich auch probiert. Das führt nur dazu, dass der Wutausbruch früher kommt.

Es ist eine Phase. Wie so oft. Ich bin froh, wenn sie vorbei ist. Andererseits geht mir grad auch alles viel zu schnell. Das dritte Weihnachten haben wir nun schon zusammen verbracht und es war wunderschön mit der Familie zu feiern. Kinder an Weihnachten um sich zu haben ist sowieso das Schönste! Wie zauberhaft zu sehen, wie sich das Bilderbuch-Mädchen über den Weihnachtsbaum gefreut hat. Hach, strahlende Kinderaugen oder ein liebevoll gehauchtes: „Ich hab die Mama einfach so lieb!“ lassen einen wissen, dass der Kampf gegen Windmühlen jede Mühe wert ist 😉

So, und mein Vorsatz fürs nächste Jahr? Entspannter sein und den Keller entrümpeln 😉

Eure Nätty

5 Gedanken zu „Autonomiephase und Haushalt sind meine Windmühlen …

  1. beatriceconfuss

    Es wird wieder besser mit den Wutausbrüchen bei den kleinen Trotzköpfen. 😀 Und du darfst auch als Mama mal einen Wutausbruch haben. Man richtet ihn dann einfach auf das Große-Ganze und nicht auf das Kind. Ich habe aufgegeben meine angestaute Energie und den Frust zu unterdrücken. Die Kinder kennen mich SCHREIIIIEND und tobend. Die nehmen das ganz cool. Und wenn man danach zusammen lachen kann, ist es schon gut und die Stimmung ist wieder wunderbar. 😀

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    1. Nätty Beitragsautor

      Das ist eine große Erleichterung zu hören 😉 unsere tägliche Kakao-Überschwemmung hatten wir heute übrigens auch schon wieder und ich war sehr ruhig ;D
      Liebste Grüße!!!

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  2. alexakimo

    Wenn meine Kleine müde ist, dann will sie auch immer alles ganz genau nach ihren Vorstellungen haben, ansonsten schreit sie. „Gib mir ein Taschentuch!“ – Mama tut das. „Nicht SO! Mit der ANDEREN Hand!“. Meist mache ich das erst mit und hoffe, daß wir es schnell hinter uns haben. Klappt auch manchmal. Wenn es aber zu lange dauert, dann verweigere ich mich dem Theater und warte, bis sie merkt, daß sie so nicht weiterkommt. Das durchzuhalten ist nicht immer einfach…
    Schade, daß das mit dem „keine Wahl lassen“ nicht funktioniert hat. Da hat sich allerdings ein kleiner Fehlerteufel eingeschlichen, für den Du aber nichts kannst. Als ich meinen Blog gestartet habe, wußte ich noch nicht, wieviel Privates ich von mir preisgeben möchte und habe den Namen einer Website gewählt, den ich nehmen wollte, falls ich mal ernst mit dem Onlineshop für Selbstgenähtes mache. AlexA (so geschrieben) kann nämlich als Alex für Jungs und als Alexa für Mädchen stehen; wollte ja für beide Geschlechter nähen. Das ist allerdings nicht mein Name; ich mag ihn nur. 😉 Tatsächlich heiße ich Anke. 🙂

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  3. nina

    Hi,das kommt mir alles sehr bekannt vor. Ich habe irgendwie inzwischen auch den Drang ständig hinter dem Großen ( gerade 3 geworden) und dem Kleinsten (8Monate) her zu räumen. Und bin dann genervt,wenn es so gar nichts bringt. Mein Großer wächst so langsam (ganz langsam) raus aus der schlimmsten Trotzphase. Trotzdem fliegen noch ständig Getränke und Besteck um. Ich schreie auch oft und entschuldige mich danach sofort. Ich erkläre es dem Großen mit meinem Schlafmangel. Die Kinder verstehen das. LG Nina

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    1. Nätty Beitragsautor

      Die Kinder verstehen echt immer mehr als man denkt. Zum Glück, vor allem wenn man es ihnen auch erklärt. Das ist sehr wichtig finde ich. Gut, dass du das auch machst 🙂 Wir Erwachsenen sind eben auch nur Menschen 🙂

      Ganz liebe Grüße!

      Nätty

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