Wie ist es Mama zu sein?

Oder: Was ich mir am Mami-Sein anders vorgestellt habe:

Alles.

Haha, nein im Ernst. Ich habe immer gedacht, ja klar, das ist anstrengend Mami zu sein. Da hat man nie richtig Feierabend und so … Aber dann wurde ich Mami und es war wirklich anstrengend und ich hatte wirklich nie Feierabend … Vor allem in den ersten 4 Monaten…

Wenn man wie ich 30 Jahre lang ein Individuum war, und plötzlich hängt immer so ein kleines Bündelchen an einem dran … Das ist echt eine extreme Umgewöhnung. Eigentlich weiß man das ja neun Monate im voraus, aber für die Wirklichkeit war meine Vorstellungskraft anscheinend nicht ausgeprägt genug …

In meiner Vorstellung stillte ich mein Baby, wechselte die Windel, zog es an und wir gingen harmonisch mit dem Kinderwagen spazieren. Kurze Zeit nachdem wir losgelaufen waren, schlief mein Baby satt und zufrieden ein. Soweit meine Phantasie-Vorstellung.

Und hier mal ein beispielhafter Tagesbalauf aus der Wirklichkeit mit einem ca. 5 Wochen altem Baby:

Vollkommen gerädert von den kurzen Schlafphasen und langen Schreiphasen meines Babys, hatten wir es gegen 10:00 Uhr aus dem Bett geschafft, sofort musste ich die Kleine wickeln und komplett umziehen, denn der Windelinhalt hatte sich trotz toller Flügel und Rückenauslaufschutzes seinen Weg über das ganze Baby gebahnt. Igitt!

Beim Wickeln brüllte meine Kleine. Klar, sie hatte Hunger nach dem Aufstehen. Aus dem Bauch kannte sie dieses beängstigende Gefühl nicht. Da kann doch etwas nicht stimmen! Was kann ein Baby da machen? Richtig: Schreien!

Wir begannen also nach dem Wickeln mit dem Stillen. Das im übrigen nicht so einfach war, wie ich dachte … Aber dazu vielleicht in einem anderen Artikel mehr.
Manche Baby brauchen leider eine ganze Stunde zum Stillen. Meins zum Beispiel …

Als wir fertig waren, versuchte ich ein Bäuerchen aus der Kleinen heraus zu bekommen. Es kam keins, dafür aber ein Riesenschwall Milch …
Halleluja, jetzt darf ich direkt mich und das Baby umziehen. Merke, wer eine Stunde lang trinkt, der hat viel übrig, um es wieder auszuspucken.
Ich zog also das schreiende Baby um und dann mich. Dazu musste ich das Baby natürlich ablegen. Folgendes schoss dem Baby wohl dabei durch den Kopf:
Aaaah, Mama hat mich weggelegt! Da kann etwas nicht stimmen! Vielleicht hat sie mich vergessen. Ich erinnere sie mal daran, dass ich da bin. Was habe ich dazu bloß für Möglichkeiten? Achja: Schreien!

Es ist mittlerweile 12:00 Uhr. Und sehr kleine Babys haben oft alle 2 Stunden Hunger. Und die Zählung beginnt leider ab Beginn des letzten Stillens und nicht ab Ende. Dies eröffnete mir meine Nachsorge-Hebamme bei einem Besuch, woraufhin ich fast hinten über gekippt bin.
Nun war mein Baby, aber vom vorherigen Trinken, dem Schreien und dem Spucken so müde, dass es beim Stillen (ja, ich stille schon wieder) ständig einnickte. Es brauchte also noch länger zum Trinken als sonst.
Und ich saß so auf der Couch, hatte sooo einen Durst, und Hunger und Pipi musste ich auch, aber keins meiner Bedürfnisse konnte ich grad befriedigen. Toll … Hauptsache dem Baby geht’s gut.
Als mein Baby endlich fertig getrunken hatte und schlief, legte ich es vorsichtig in sein Bettchen. Ich schaffte es grad zur Toilette, als ich es schon wieder weinen hörte… Mist … Jetzt hat das Baby Bauchschmerzen …
Ich nahm es auf den Arm, tröstete es, machte einhändig ein Dinkelkissen fertig, und versuchte damit seine Schmerzen zu lindern. Irgendwann kam die Erlösung: Die Windel war voll. Also war ich schon wieder am Wickeln.

Ich merkte, dass die Kleine super müde war. Sie war jetzt vier Stunden wach. Für Baby-Verhältnisse ist das schon lang. Leider fand sie nicht in den Schlaf, also packte ich sie in meinen Tragerucksack. Da sie sehr aufgedreht war, musste ungefähr 30 Minuten mit ihr rumtanzen bis sie eingeschlafen ist.

Vielleicht fragt ihr euch, warum packt die doofe Mama die Kleine nicht einfach in den Kinderwagen und fährt sie durch die Gegend bis sie eingeschlafen ist?
Weil manche Babys Kinderwagen hassen. Meins zum Beispiel … Meine Kleene bekam anfangs darin regelrechte Panikattacken. Zu weit weg von Mama und so …

Endlich merkte ich, dass sie im Rucksack eingeschlafen war und stürzte in die Küche. Leise und mit vorsichtigen Bewegungen verdrückte ich zwei Müsli-Riegel und trank einen halben Liter Malzbier. Ich überlegte kurz, ob ich es wagen sollte, die Kleine in ihr Bett zu legen, um auf die Toilette zu können, aber ich hatte Angst, dass sie aufwachen würde und meine Ohren erfreuten sich grad an der seltenen Stille. Also ging ich mit Tragerucksack und Baby aufs Klo. Umständlich, aber irgendwann bekommt man fast alles mit Tragerucksack hin. Außer Duschen vielleicht. Apropo. Es war mittlerweile 16:00 Uhr und ich hatte mich weder angezogen, noch war ich geduscht oder hatte irgendetwas im Haushalt gemacht.

Aber immerhin das änderte ich jetzt. Mit umgeschnalltem Baby, räumte ich die Spülmaschine aus und ein und hängte die Wäsche auf. Bei allem ging ich vorsichtig in die Hocke und kam immer nur langsam wieder hoch. Ich sag euch, dieses Baby war ein perfekter Personal-Trainer. Dem man nur leider nie absagen konnte …

Nun war es schon 17:30 Uhr. Baby wachte auf und hatte – wer hätte das gedacht – Hunger. Wir stillten also schon wieder. Gegen 18:00 Uhr kam der Papa heim. Ich hätte heulen können vor Erleichterung (hab ich auch manchmal …)
Juchhu, er bringt Nachschub an Müsli-Riegeln und Malzbier mit!

Ab 19:00 Uhr begann dann immer die unruhige Phase unserer Maus. Teilweise hat sie ab da bis ca. 1:00 Uhr nachts durchgeschrien. Also wechselten wir uns ab mit der Betreuung. Papa wechselte die Windeln. In der Zeit trank und aß ich etwas. Dann hab ich sie geschuckelt und singend durch die Wohnung getragen bis ich nicht mehr konnte, dann der Papa.

Irgendwann nachts lagen wir alle vollkommen fertig in unserem Bett. Das i-pad spielte „White-Noise“ auf Dauerschleife, das Nachtlicht im Schlafzimmer war fast taghell und Baby war halb unter mir endlich eingeschlafen. Beim Stillen. Was für ein Tag …

Meine letzten Gedanken vorm Einschlafen waren: Juchhu, wenn wir Glück haben dürfen wir jetzt 3 Stunden am Stück schlafen. Und dann geht alles von vorne los 🙂

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