Baby schmollt

Wickeln in der Trotzphase … kann ganz einfach sein.

Gestern Abend ist es passiert. Ich dachte: „Bin ich im falschen Film? Was passiert hier grad?!“

Mein Mann und ich erlebten den bisher schlimmsten Wutausbruch unserer Kleinen. Sie schrie und schrie und schrie. Sie hat sich gar nicht mehr einbekommen vor Wut und wir standen dabei und wussten nicht wie uns geschah …

Alles fing damit an, dass ihre Windel ausgelaufen war. Scheinbar hatte ich beim letzten Wickeln die Flügel nicht ausgeklappt. Wenn sie auch immer so rumhampelt …
Ich schnappte mir also mein Mädchen und legte sie auf den Wickeltisch. Das passte Madame so gar nicht. Sie wütete und wand sich wie ein Aal. Ununterbrochen machte sie Anstalten sich vom Wickeltisch zu stürzen – mit einem Hechtsprung natürlich …

Ich wurde ungeduldig, denn ich mochte ja nur schnell das Wickeln hinter uns bringen. Ich wollte ihr doch nichts Böses und das sagte ich auch, aber davon kam nichts mehr bei ihr an. Sie schrie wie am Spieß. Als letzten Ausweg dachte ich mir: „Ok, Augen zu und durch, dann halte ich sie jetzt kurz fest, es muss ja sein und je schneller wir es hinter uns haben, desto schneller kann sie sich nachher beruhigen. Oder ich sie.“

Aber weit gefehlt. Sie wehrte sich so heftig gegen das Wickeln, dass ich sie mit aller Gewalt hätte auf den Wickeltisch pressen müssen, um sie irgendwie darauf zu halten. Das wollte ich natürlich nicht. Innerlich war ich geladen. Warum stellte sie sich so an? Ich wollte ihr doch nur eine frische Windeln und Klamotten anziehen. Schließlich gab ich auf. Ich setzte sie ab, in der Hoffnung, sie würde sich dann von selbst wieder beruhigen.

Mittlerweile stand auch mein Mann im Zimmer. Seine Vermutung war, dass die Kleine Schmerzen hatte, denn so ein Geschrei macht man ja nicht einfach so, oder?
Anfangs war ich mir noch sicher: „Doch, doch, so benimmt sie sich schon mal, wenn ihr etwas nicht passt …“
Zunehmend wurde ich jedoch unsicherer, es schien keinerlei Beruhigung in Sicht. Die Kleine hockte in unnatürlicher Haltung im Raum, schien nicht mehr zu wissen wohin mit sich, hatte Schnapp-Atmung und schrie. Mein Instinkt sagte mir, du musst sie tröstend in den Arm nehmen. Das tat ich auch, aber sie wollte zwar Trost, aber keine Nähe. Auf den Arm nehmen ließ sie sich, aber beruhigend über den Rücken streicheln, wurde mit Zusammenzucken und bitterem Aufheulem quittiert.

„Nun, lass das doch mal. Das scheint ihr weh zu tun! Das kann doch nicht normal sein“ bemerkte mein Mann.
Unsicher überlegte ich: Hat sie etwa doch schlimme Schmerzen? War es nicht „nur“ Trotz?
Ich wusste es nicht. Woher auch?
„Was soll ich denn deiner Meinung nach machen? Was meinst du denn, was sie hat?“ fragte ich ungehalten.
„Das weiß ich auch nicht …“

Da standen wir nun, gestresst von der Situation, in der keiner wusste was los war, und raunzten uns gegenseitig an. Das half der Kleinen auch nicht  gerade dabei sich zu beruhigen, denn solche Spannungen spürt sie ja.

Ich machte dann das einzige was mir einfiel. Ich arrangierte mich damit, dass ich grad nicht viel tun konnte und hielt die Kleine im Arm, mit dem Abstand, den sie gern wollte und redete monoton beruhigend auf sie ein: „Wir haben dich doch lieb, alles wird gut, alles wird gut. Lass einfach alles raus …“
Es dauerte eine Weile, aber sie wurde ruhiger und am Ende konnte sie mein tröstendes in den Arm nehmen zulassen. Sie atmete endlich wieder entspannter und schlief später schnell und friedlich in ihrem Bettchen mit Händchenhalten ein.

Puh, wir haben schon einige Wutanfälle bei ihr erlebt, obwohl sie erst 16 Monate alt ist, aber das gestern übertraf alles.

Im Nachhinein würde ich sagen, dass die Situation aus verschiedenen Gründen aus dem Ruder lief:

  1. Die Kleine war übermüdet. Sie hatte mittags nur eine halbe Stunde geschlafen.
  2. Es war die erste Woche nach dem Urlaub, in der sie vormittags wieder bei der Tagesmutter war. Zusätzlich hatten wir mittags noch viel Programm. Daher kam eine allgemeine Überreizung dazu.
  3. Meine Genrvtheit beim Wickeln.
  4. Unsicherheit / Gespannte Atmosphäre bei uns Eltern

Nach dem Abend hab ich erst mal viel über die Trotzphase, (natürlich ist es eigentlich die Autonomiephase) von Kindern gelesen. Das war gut, um mein kleines Schätzchen besser zu verstehen. Geholfen haben mir u. a. diese Blog-Artikel bei „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten“:  TROTZPHASE – UMGANG MIT WUTANFÄLLEN IN DER AUTONOMIEPHASE und bei „Geborgen Wachsen“: KEINE „WICKELKÄMPFE“ – ANLEITUNG ZUR ACHTSAMEN KÖRPERPFLEGE IM ALLTAG 

Ich danke den Autorinnen, denn sie haben mir wirklich geholfen. Folgende Tipps speziell fürs Wickeln habe ich für mich heute schon umgesetzt:

  1. Ich reiße, die Kleine nicht mehr unangekündigt aus ihrer Spielsituation, sondern kündige an, dass ich sie wickeln möchte. (Meistens sagt sie dann: „Ne!“) Früher hätte ich sie daraufhin einfach gepackt und angefangen. Denn was muss, dass muss, nicht wahr? Nun, aber habe ich dank den Tipps aus dem Artikel bessere Möglichkeiten gefunden.
  2. Ich reiche ihr z. B. eine Windel und bitte sie, sich hinzulegen und die Pampers schon mal auseinanderzufalten. Das hat sie heute tatsächlich gemacht. Auf dem Boden gewickelt werden, gefällt ihr übrigens besser als auf dem Wickeltisch. Vermutlich, weil man da schneller wegrennen kann, wenn man keine Lust mehr hat 😉
  3. Während ich sie sauber mache, bekommt sie auch ein Tuch und darf mitmachen. Das wurde begeistert aufgenommen.
  4. Ich habe eine sehr feine Nase … In diesem Falle leider. Ohne verletzen zu wollen, habe ich beim Windeln wechseln oft die Nase gerümpft und bestimmt auch angeekelt geguckt. Oder scherzeshalber zu meinem Mann gesagt: „Das nächste mal bist du aber dran …“ Bevor ich den genannten Artikel las, habe ich mir gar nichts dabei gedacht. Aber wie toll soll ein Baby die Wickelsituation schon finden, wenn Mama die scheinbar auch furchtbar findet? Daher wird sich ab jetzt zusammengerissen. Keine Gesicht verziehen, keine blöden Bemerkungen mehr! Versprochen, kleine Maus! (Dieser Punkt erklärt auch, warum sie bei Papa beim Wickeln nicht so viel Theater macht, denn der stellt sich bei Gerüchen nicht so an wie ich 😉
  5. Alles was geht, machen wir im Stehen. Also vor allem das Anziehen danach. Und wenn’s sein muss, auch die frische Pampers festmachen. Übung macht den Meister!

Was habe ich aus gestern gelernt? Die Kleinen bekommen viel mehr mit, als ich eh schon dachte. Und sie wollen ernstgenommen werden. Ihnen passt die Fremdbestimmung langsam nicht mehr und solange, es sie nicht gefährdet oder es gerade wegen wichtigen Terminen nicht möglich ist, sollte man ihnen ein Mitspracherecht zugestehen.

Bei Dingen, die einem wichtig sind, konsequent sein, aber bei Dingen die nicht zwingend so geschehen müssen, wie die Eltern es wollen, darf man sich auch mal vom Mini-Menschen umstimmen lassen. So würde ich es gern in Zukunft handhaben. Die Kleine soll lernen, dass ihre Meinung wichtig ist. Wir möchten kein Kind, dass Dinge nur macht, um uns zu gefallen, sondern ein starkes Kind, das weiß, dass es ein respektvolles Miteinander von uns erwarten kann. Das ist manchmal im Alltag gar nicht so einfach umzusetzen. Aber wir werden uns bemühen.

PS:
Heute Mittag als die Windel voll war, fragte ich also: „Wie machen wir das jetzt mit dem Wickeln? Lieber auf dem Wickeltisch oder auf dem Boden?“
„Papa!“
„Soll der Papa dich wickeln?“
„Ja!“
Tja, was soll man da machen 😉
Vor ihr werde ich es sicher nicht mehr zeigen, aber innerlich darf ich mich doch ein wenig freuen, wenn sie sich wünscht, dass der Papa das macht, oder? Der macht das schließlich auch sehr gut 🙂

5 Gedanken zu „Wickeln in der Trotzphase … kann ganz einfach sein.

  1. Jessi

    Achja, die gute Autonomiephase … wo man als Eltern schon denkt, mitten im Trotzen zu stecken. Das kenne ich ganz genauso auch 😀
    Wir wickeln schon seit dem 13. Monat nicht mehr auf dem Wickeltisch, sondern auf dem Boden (nach dem Umzug haben wir keine Wickelkommode mehr aufgebaut) und seitdem hat sich die Wickelsituation merklich entspannt. Schon alleine weil die Panik, dass das Kind sich dreht und runterstürzt, entfällt. Im schlimmsten Falle flitzt es halt mit Nacktpopo durch die Gegend 😀
    Und das selbstbestimmte Wickeln macht auch ihr viel mehr Spaß. Mittlerweile ruft sie bei nasser Windel „IIIIIeh!“ und legt sich an Ort und Stelle hin um gewickelt zu werden 😉

    Alles Gute euch 🙂
    Jessi

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    1. Nätty Beitragsautor

      Wow, das ist ja toll 🙂 So weit sind wir noch nicht. Hihi, ich hoffe das kommt noch, aber unsere Kleine scheint eine große Schmerzgrenze zu haben, was volle Windeln angeht. Pipi-Windeln sind ihr vollkommen schnuppe. Aber vielleicht kommt das ja noch.
      Das auf dem Boden wickeln ist echt eine gute Lösung. Ich bin auch viel entspannter, aus denselben Gründen wie du, keine Gefahr, dass die Kleinen einen Sturzflug machen. Im schlimmsten Fall muss man mal ne Pfütze wegmachen 😉
      Liebe Grüße,
      Nätty

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  2. Kiwimama

    Ich bin ja immer froh über deine Beiträge, denn dann kann ich schon ein wenig in die Zukunft schauen und weiß, was auf mich zukommen wird 😉
    Ich kann mir aber vorstellen, dass es ganz schön nervig ist, wenn so ein kleiner sich windenden Aal vor einem liegt. Das hält sich bei Kiwi noch in Grenzen. Sie dreht sich viel hin und her, aber, um mich richtig ins Schwitzen zu bringen, fehlen ihr noch die nötigen „Skills“ 😉
    Aber toll, dass du dich informiert hast und die guten Infos an uns weitergibst! Das werd ich mir auf jeden Fall merken! 🙂

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ja, bei deinem Blog geht es mir immer andersherum. Ich lese so gern deine Monatsberichte über die Entwicklung der Kleinen, weil ich mich dann immer zurückversetzt fühle. Dann schwelge ich in Erinnerung und bin immer total überrascht, wenn ich darüber nachdenke, dass das bei uns ja auch noch gar nicht sooo lange her ist. Dann merkt man erst mal wieder wie rasant sich die Kleinen in den ersten 2 Jahren entwickeln. Von hilflosen Bündelchen zu kleinen energiegeladenen Tornados 😉
      Hihi, bin schon sehr gespannt, was für ein Temperament Kiwi so entwickeln wird. Ist ja schon witzig, obwohl ich dir und ihr noch nie begegnet bin, fühle ich mich als würde ich euch schon gut kennen 🙂 Ich finde das schön, vor allem, weil ich bei euch immer so viele Gemeinsamkeiten zu unserem Leben entdecke 🙂 LG

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