Wenn ich das vor dem ersten Kind gewusst hätte… (Blogparade)

Auf der Seite von Rubbelmama ist derzeit eine Blogparade am Start, in der sie fragt, was wir denn so anders gemacht hätten, hätten wir gewusst, wie es ist Kinder zu haben. Da ging bei mir gleich das Gedankenkarussell los. Hier könnt ihr daran teilhaben:

Ich hätte vorgekocht. Wie oft hatte ich Hunger in der ersten Zeit mit Baby. Wie gern hätte ich mal was Gesundes, Warmes gegessen? Ich dachte immer, ich könnte kochen und essen wenn das Baby schläft … (Blöd nur, wenn das Baby nur an einem dran im Tragetuch schläft, nie besonders lang und sofort aufwacht, wenn man sich nicht genug bewegt … Und man dazu noch irre müde ist, weil man ewig nicht mehr als zwei Stunden am Stück geschlafen hat).

Ich hätte mich mehr informiert über das Stillen. Das stellte ich mir im Nachhinein betrachtet nämlich viel zu einfach vor …

Auch mit Tragemöglichkeiten hatte ich mich gar nicht beschäftigt, denn es kam mir nicht einmal in den Sinn, dass ein Baby nicht gern im Kinderwagen liegen könnte …

In meiner Freizeit hätte ich weniger gegammelt und wäre mehr meinen Hobbys nachgegangen, wie z. B. Zeichnen. Was habe ich viel Zeit für Hobbys einfach mit fernsehen oder unnötigem Haushaltskram gefüllt …

Kinobesuche hätte ich mehr genossen!

Ich hätte weniger über Mütter gelästert, die irgendwie nichts im Haushalt gebacken bekommen, obwohl sie den ganzen Tag zuhause sind.

Weniger über Mütter gelästert, bei denen die Haare ungmacht sind und die an 2 Tagen hintereinander die gleichen Klamotten anhaben …

Ich hätte nicht die Stirn über die Erzählung einer Mutter gerunzelt, die meinte, an manchen Tagen käme sie nicht mal zum duschen. Lächerlich, oder?!?

Ich hätte nicht abwertend über eine Neu-Mami gedacht, die ihrem Mann abends nach dem harten Arbeitstag das Baby in die Hand drückte, und der dann auch noch an seinem Geburtstag die Gäste selber bedienen musste, weil sie zu fertig war. Und ich mich fragte, wovon denn bloß? Die war doch den ganzen Tag nur mit einem Baby zuhause. Das Baby war grad 3 Monate alt und für diese Gedanken dürfen mich Neu-Mamas gerne hauen, wenn sie mich treffen …

Für diese Lästereien leide ich nun unter der fehlenden Anerkennung, die Mütter für ihre Arbeit von unserer Gesellschaft bekommen. Was habe ich damals über den Begriff „Familienmanagerin“ geschmunzelt. Hach, wie süß, die Muttis dürfen nun auch so tun, als hätten sie einen richtigen Job … Ihr seht, ich war eine richtige Bratsche …

Hust, als gerechte Strafe saß ich häufig mit meinem pflegeintensiven Baby, ungeduscht, unausgeschlafen, ungestylt, hungrig und vollkommen perplex über das anstrengende Leben einer Mama in meinem absolut chaotischen Wohnzimmer. Am Rande des Nervenzusammenbruchs …

Wie schon häufiger erwähnt, war ich auf das, was Eltern erwartet, einfach nicht vorbereitet. Ich frage mich heute, wie ich es nie hatte sehen können …?
Da fällt mir auch ein, was ich vor dem Kinder bekommen noch gemacht hätte: Elternblogs lesen!!! Denn da erfährt man die ganze Wahrheit.

Naja, aber egal wie überrumpelt ich war, für mich war es die richtige Entscheidung ein Kind zu bekommen. Für mich ist das Leben reicher geworden durch mein kleines Wunder. Dazu lest vielleicht hier: Familienmoment 1. Aber das muss nicht zwangsläufig für jeden das Richtige sein.

Denn die Leute, die denken, man kann sein Leben weiterleben wie zuvor, werden größtenteils enttäuscht werden. Dazu müssten sie schon ein sehr, pflegeleichtes, wenig krankheitsanfälliges Anfängerbaby bekommen, das gern aus der Flasche trinkt, sich ablegen lässt ohne zu schreien (ja, das ist nicht selbstverständlich …) keine Koliken hat, nicht fremdelt und zusätzlich müsste man mit Großeltern oder anderen tollen Babysittern gesegnet sein, die ständig abrufbereit sind und vom Kind akzeptiert werden (es sei denn das ist einem egal…). Dazu kommt noch das man sich auch selber verändert. Der Lebensabschnitt ohne Kinder ist einfach vorbei, wenn sie einmal da sind.

Außerdem sollte man gerne planen. Denn jedes mal wenn man zu zweit weg will, muss man zwangsweise vorab den Termin sehr genau planen. Außer vielleicht die Großeltern oder anderweitige Babysitter wohnen direkt im selben Haus, wissen genau, was zu tun ist und sind sofort verfügbar, weil sie schon in Rente sind, dennoch natürlich total fit sind und auch sehr gern bereit sind, ihre Freizeit mit einem schreienden zu Babys verbringen 😉

Und selbst dann, wenn alle äußeren Umstände optimal passen, kann es jedes Mal sein, dass es doch nicht klappt mit dem Weggehen, weil das Kind Zähne bekommt, Fieber hat oder sich nur durch die Mutter zum Einschlafen bringen lässt (was nicht heißt, dass es nach dem ersten Einschlafen nicht noch 4 – 400 Mal in der Nacht aufwacht …). Was ja auch irgendwie meine Vor-Eltern-Vorstellung kaputtmachte, dass man das Baby ins Bett bringt und dann einfach der Babysitter im Wohnzimmer fernsieht, bis man als Eltern aus dem Kino zurückkommt oder so …

Meine naive Vorstellung wieder auf ein Festival zu fahren für ein verlängertes Wochenende, wenn das Baby so 5 Monate alt ist, hat sich auf jeden Fall nicht erfüllen lassen. Aber ehrlich gesagt, hätte ich auch gar nicht fahren können, da ich mein Baby viel zu sehr vermisst hätte. Was noch so ein Punkt ist, den ich vor dem Elternwerden nicht bedacht hatte: Man liebt sein Kind sooo abgöttisch, dass man manche Dinge, die man sich so vorgenommen hat, einfach nicht durchziehen kann oder gar nicht mehr möchte. Auch wenn man sie gleichzeitig trotzdem ein wenig vermisst. Ganz schön schwierig zu beschreiben.

Zurück zum Thema: Ich wusste vor dem Elternsein nicht, wie viel Luxus Zeit ist, über die man komplett selbst bestimmen kann. Ich hätte meine Zeit sicherlich öfter dazu genutzt, etwas mit Freunden zu machen, die nicht um die Ecke wohnen. Oft wollte ich aber in meiner Freizeit lieber ausruhen und war zu müde für lange Ausflüge. Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich gar keine Vorstellung davon hatte, was es bedeutet wirklich müde zu sein … Vielleicht hätte ich meinen inneren Schweinehund öfter mal überwunden und weniger Zeit auf der Couch verbracht.

Aber egal was ich hier schreibe, es werden nur Eltern nachvollziehen können. Hätte ich den Text als Nicht-Mama gelesen, hätte ich mir wahrscheinlich gedacht: „Die Mutti stellt sich an, die hat ihr Baby nicht richtig erzogen, bei mir wird das ganz anders laufen …“ Manche Dinge versteht man erst, wenn man sie selbst erlebt und selbst dann empfindet natürlich jeder bestimmte Situationen anders. So ist das einfach 🙂

Mehr Berichte zum Thema findet ihr bei Rubbelmama.

Alles Liebe,

Nätty

13 Gedanken zu „Wenn ich das vor dem ersten Kind gewusst hätte… (Blogparade)

  1. Kiwimama

    Vielen, vielen Dank für diesen Post! Ich musste soooo lachen und kann mich jedem einzelnen Punkt nur anschließen! Was man vor dieser Erfahrung nur für Gedanken hatte… 😉
    Insbesondere die Sache mit dem Müdesein find ich auch echt krass. Was hab ich mich nach der Arbeit früher auf dem Sofa ausgeruht, weil ich ja „so müde“ sei. Ha… ha… ha… Energiegeladen würde ich das jetzt nennen! 😉

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    1. Nätty Beitragsautor

      Freut mich voll, dass ich dich zum Lachen bringen konnte 🙂 Jaja, die Müdigkeit ist nun ein ständiger Begleiter. Aber eine gute Seite hat dieses Eingespanntsein ja: Man weiß seine freien Zeiten viel mehr zu schätzen 😉

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  2. Rubbelmama

    Liebe Nätty,

    vielen Dank für diesen humorvollen und klar formulierten Beitrag. Mir hätte es glaube ich geholfen, das vor / in der Schwangerschaft zu lesen!

    Liebe Grüße,
    Hanna

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  3. Kathrin

    „Für diese Lästereien leide ich nun unter der fehlenden Anerkennung, die Mütter für ihre Arbeit von unserer Gesellschaft bekommen.“
    Darunter habe ich auch oft zu leiden. Bzw. darunter, dass es irgendwie gesellschaftlich als so selbstverständlich angenommen wird, was eine Mutter den ganzen Tag so leistet.
    Eine gute Freundin von mir hat mal zu mir gesagt, dass ihr Mann froh sein könne, dass er sie (mit 3 Kindern) nicht für das bezahlen müsse, was sie den ganzen Tag zuhause tut. Da hab ich wirklich Tränen gelacht und mich gefreut, dass es nicht nur mir so geht 😉

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  4. Nätty Beitragsautor

    Ja, und das krasse ist, ich selbst war auch einer von diesen Menschen/dieser Gesellschaft, die nie wusste, wieviel Mütter und Väter für ihre Kinder leisten. Auch ich hab immer gedacht, das ist alles selbstverständlich und so anstrengend kann’s nicht sein. Das finde ich schade. Ich weiß aber auch nicht genau, wie man das hätte ändern können? Wie könnte man der Gesellschaft vermitteln, dass eine liebevolle Erziehung von Kindern wichtig und wertvoll ist? Wertvoller als in einer Bank im Vorstand zu sitzen? In einer kapitalistischen Gesellschaft zählt leider nur, wer mehr Geld verdient, nicht, wer die glücklicheren Kinder hat. Aber egal, ich weiß jetzt, wie wichtig unsere Arbeit ist und immerhin gibt es andere Eltern, die das wertschätzen 😉

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  6. Mama geht online

    Hallo liebe Nätty
    Schöner Bericht. Und da steckt so viel Wahres drin. Jede Mama, die das liest, wird nickend vor dem Computer sitzen. Ich auch!
    Ich gehöre auch zu den Mamas, die (manchmal) zweimal dasselbe anhaben, die Haare ungekämmt und die Wohnung aussieht wie nach einem Bombeneinschlag.

    Lg Anke

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  7. Pingback: Liebster-Award, die zweite :) | BilderbuchBaby

  8. Janin

    Du meine güte…Warum lese ich diesen Artikel erst jetzt… ich musste so herzlich lachen und kann wirklich überall zustimmen…! Mit erhobener Hand habe ich gegen das Familienbett gepredigt und dass die Eltern ja sicher keinen Sex hätten..Ich würde das ja so nie machen….hahahaha….Mein Sohn schläft zwischen uns und ich LIEBE es!!! Und die Müdigkeit….Gott diese Müdigkeit…Erst heute morgen habe ich komplett aufs schminken und duschen verzichtet nur um eine halbe Std länger liegen bleiben zu können…gab’s eben ne Mütze und extra Portion deo herrlich dein Artikel!!

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    1. Nätty Beitragsautor

      Oh, das freut mich sooo, dass der Artikel dich zum Lachen bringen konnte!

      Immer wenn ich das wieder lese, denke ich: stimmt ja, so bescheuerte Dinge hast du mal gedacht …
      Jaha, das Familienbett, stand auch auf meiner Liste des Anstoßes. Hihi, natürlich hat unsere Kleine auch lange im Familienbett geschlafen. Früher wäre ich auch nie ungeschminkt ins Büro gefahren. Heute mach ich es immer noch nicht gern, aber wenn ich dafür ne Mütze mehr Schlaf abbekomme, dann nehme ich – genau wie du – den Schlaf ;)))

      Alles Liebe,
      Nätty

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