Ich hab dich lieb

Wenn das Herz auf der Zunge liegt …

… steht das Plappermäulchen niemals still!

Was soll ich sagen? Meine Name ist Natalie, ich bin eine Schnatterlie. Und meine Tochter halt auch.

Das kleine Plappermaul spricht mit 22 Monaten gefühlt wirklich JEDEN Gedanken aus. Meistens ist das sehr süß. Manchmal auch ein bisschen nervig ;D

Das Bilderbuch-Mädchen kommentiert fast jede ihrer Handlungen und auch alle Handlungen ihrer Mitmenschen und die Handlungen jeglicher Tiere in der Umgebung.

Versucht sie zum Beispiel ihre Schuhe anzuziehen, klingt das in etwa so:

„Das geht nicht, Mama! Das geht nicht, Mama!! Das geht nicht, Mama!!!“ Weinerlich, jammernd, schaut sie mich dabei anklagend an, als wenn ich etwas dafür könnte. Unter lautem „Geht nicht, Mama!“-Gejammer wird weiter probiert, bis es endlich heißt: „Doch. Geht doch. Geht doch, Mama!“ Stolz steht sie dann vor mir. Meist mit verkehrt herum angezogenen Stiefeln, aber sie hat sie SELBER angezogen und darauf kommt’s ja an.

Alles was sie so gerade macht, erzählt sie uns auch: „Ich spiel mit dem Ball. Ich puzzle. Ich geh jetzt nachhause. Ich male. Ich knete.“ Ahja, wissen wir also Bescheid.

Bevor sie etwas macht – zum Beispiel „Rutschen“ – sichert sie sich immer die Aufmerksamkeit ihres Publikums:

„Jetzt pass mal auf, Papa!“, „Schau mal, Mama!“

Umarmen wir Eltern uns, dann kommt direkt von unten der Kommentar: „Mama und Papa haben sich lieb!“

Jegliche Tierart bittet sie eindringlich mit auffordernden Gesten zu sich: „Komm her, Fliege! Komm her, Katze!“ Ok, nicht nur Tiere, auch Gegenstände: „Komm her, Auto!“

Laufen Tiere vor ihr weg oder fliegen vor ihr davon – manche Tiere haben komischerweise gebührenden Respekt vor freudig kreischenden Kleinkindern – vermutete sie: „Vielleicht Angst gehabt die Taube …“

Hat man das Bilderbuch-Mädchen um sich, dann kann man sich gewiss sein, dass man häufig gelobt wird. Letztens als ich ihr ein Gute-Nacht-Lied gesungen habe, kommentierte sie anerkennend: „Super, Mama! Das machst du aber super! Klasse!“ Wenigstens einer in diesem Haus weiß meine Gesangskünste zu schätzen.

„Das war aber schön! Das war ein schöner Tag. Das war ein Spaß-Tag. Das macht Spaß, oder?“ Jaha, Spaß erkennt die kleine Maus sofort. Und das muss natürlich auch kommuniziert werden. Ich liebe es ja, wenn sie das sagt, da freut man sich doch, was richtig gemacht zu haben.

Bevor so ein Spaß aber losgehen kann, muss man natürlich erst mal ein paar Worte sagen. So, zum Beispiel als wir letztens auf einem Spaziergang eine Pfütze vorfanden:

„Das ist aber eine super Pfütze, Mama!“ (springt rein)

Im weiteren Verlauf des Spaziergangs stießen wir auf ein besonderes Highlight: „Hundekacke“. Die war so faszinierend, dass wir nachdem wir schon gut 30 Meter entfernt waren, nochmal zurück mussten um „mal zu schauen“. Nachdem das Fundstück ausgiebig betrachtet worden war, sprach das Bilderbuch-Mädchen auf einmal: „Hunde-Aa wegzaubern! Ene, mene, meck, Hunde-Aa weg. Hex Hex! Geht nicht, Mama!“ Anklagender Blick in meine Richtung. Komisch … Naja, zaubern kann halt nur der Papa:

Wir spielten abends einmal Ball im Kinderzimmer als der Papa den Ball auf einmal versteckt hat. „Ball weggezaubert!“, rief das Bilderbuch-Mädchen erstaunt.
„Ja, Papa kann zaubern,“ sage ich.
„Ok.“ Das Bilderbuch-Mädchen nickte.  Wenn Mama das sagt, dann wird das wohl so sein.

Ihre Tisch-Konversation ist übrigens auch sehr löblich. Sie fragt gern in die Runde, ob es denn auch schmeckt: „Schmeckt`s, Ur-Opa?“

Sie lobt auch gern die Köchin: „Mhm, lecker. Mama hat gut gekocht!“ (Komischerweise, verlässt sie nach diesem Satz des Öfteren den Tisch ohne einen weiteren Bissen zu essen. Und jetzt weiß ich auch nicht …)

„Papa, bist du satt? Bist du fertig?“ Ja, ok, wir brauchen ihr meist zu lange beim Essen. Ist vielleicht doch nicht der höflichen Tisch-Konversation hinzuzufügen. Etwas aufdringlich ist auch der „Wir haben Hunger, Hunger, Hunger …“-Gesang vor dem Essen, wenn es nicht schnell genug geht.

Anderes Thema: Grenzen setzen, kann sie auch schon ganz gut. Will ich ihre Haare kämmen, höre ich nicht selten: „Lass das, Mama! Das sind meine Haare!“

Gelernt hat sie auch, das man mit Kinder, mit denen man schimpft oft mit Vor- und Zunamen anredet. Gerne ermahnt sie in diesem Stil auch ihrem Cousin. Das ist einfach zu witzig. „Maximilian Hansen*, nicht da dran gehen!“

Erregt etwas ihre Aufmerksamkeit was sie nicht zuordnen kann, fragt sie: „Was passiert da? Was passiert denn da, Mama. Was ist das, Mama?“

Bei eigentlich allem, was man extra außer ihrer Reichweite deponiert hört man schnell ein höfliches: „Komm ich nicht da dran …Darf ich das haben?“ Antwortet man mit „Nein“ erschallt ein lautes: „Das haben! Das! Das haben!“ (Heulanfall). Aber ich möchte hier löblich erwähnen, dass sie sehr oft erst mal höflich um Dinge bittet, die sie gern haben möchte, wie letztens als wir vor dem Kiosk in einem Freizeitpark standen und sie sagte: „Ich hätte gern ein Eis!“ 

Wortkreationen von Kleinkindern sind ja auch immer wieder genial. Wollen sie etwas sagen, aber wissen das genaue Wort nicht, dann greifen sie halt auf Eigen-Kreationen zurück. Die neusten des Bilderbuch-Mädchens sind: „Mückenstecher“ (Mückenstich) und „Alarmi“ (Salami)

Gehen wir in den Garten kommentiert sie es mit einem freudigen: „Raus mit euch!“

Seit kurzem nutzt sie die Worte „dringend“ und „endlich“. Noch finde ich das ja unheimlich süß. Mal sehen, wie das in ein paar Monaten ist 😉

Letztens auf dem Weg in den Tierpark hatte ich dem Bilderbuch-Mädchen beim Einsteigen ins Auto versprochen, dass wir Ziegen füttern fahren. Wir machten vorher noch einen Stop bei Supermarkt, um etwas Proviant zu kaufen. Da hörte ich eine Beschwerde von der Rückbank: „Wann jetzt ENDLICH Ziegen füttern?“

Abends meinte sie letztens zu mir: „Ich muss dringend schlafen! Ich muss jetzt dringend schlafen.“ Dann legte sie sich auf den Boden. Leider war das anscheinend nur so ein Ausspruch, denn als ich sie dann ins Bett bringen wollte, war sie gaaar nicht mehr müde …

„Ich schlaf noch!“ So schallte es mir heute morgen entgegen und dann hat sich die süße Maus einfach nochmal eingekuschelt, die Augen zugekniffen und geschnarcht. Das war zu witzig.

Ich könnte ewig so weiterschreiben, ihr wisst schon mein Schnatter-Gen. Aber nun ist Schluss. Nur noch meine Lieblings-Sätze möchte ich kurz anmerken. Schon oft hat das Bilderbuch-Mädchen zu mir gesagt: „Mama lieb!“ und letztens hat sie zum Papa gesagt: „Ich hab dich auch lieb.“ Und heute, ja heute durfte ich es auch endlich von ihr hören:

„Ich hab dich lieb, Mama! Du hast mich auch lieb.“

Die schönsten Worte für mich 🙂 Da schmelzt das Mama-Herz natürlich dahin und die Welt ist schön. So, ich schwebe jetzt mal vor mich hin im siebten Himmel. Isset nich schön mit den lieben Kleinen?

Eure Nätty – Schnatterlie

*(Name geändert)

15 Gedanken zu „Wenn das Herz auf der Zunge liegt …

  1. Sari

    Wie lange haben wir sehnlichst darauf gewartet, dass das Kind anfängt zu sprechen und seine Bedürfnisse auszudrücken.
    Nun hört e nicht mehr auf. Nie wieder!
    ^^

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  2. Beatrice

    Haha, meine Jüngste plappert auch in einem fort. Allerdings verstehe selbst ich nur die Hälfte. Sie hat mehr zu sagen, als Wörter. Aber alles wird mit erhobene Zeigefinger mitgeteilt. Auch Fremden. Und sie nutzt auch gerne das Wort „natürlich“: „habbe, türlich….auch…macht!“ oder so ähnlich. Aber es ist doch herzallerliebst. Ich mag se ja, die Plappermäulchen. 😀

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  3. Dienna

    Ach, ist das süß! Meistens! Manchmal sucht man den Ausschalter. Glaub mir: Es wird schlimmer! Und es hört nie wieder auf. Oder vielleicht in der Pubertät. Mal sehen.

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    1. Nätty Beitragsautor

      Aaahh, vor der Pubertät hab ich Angst. Bestimmt werden sie da gemein 😉 Aber voraussichtlich werden wir viel Zeit für uns haben. Wir können uns ja für in 11 Jahren oder so schon mal für viele Wellness-Wochenenden verabreden.

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  4. alexakimo

    Ja, das finde ich auch. Die letzten niedlichen Beiträge meiner Kleinen waren: nachts, nach einem Rums: „Ich bin aus dem Bett gekullert!“ und abends auf die Frage „Was essen wir denn nächste Woche?“ – „Weniger!“ 🙂
    Zu dem Thema hatte ich auch schon mal was gebloggt, falls es jemand lesen möchte: https://alexakindermoden.wordpress.com/2016/02/11/heldentaten/
    Und paßt bloß auf, wenn die Papgeienphase losgeht: https://alexakindermoden.wordpress.com/2016/02/11/papageienphase/

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    1. Nätty Beitragsautor

      Das mit dem Aufschreiben der „Heldentaten“ ist echt eine süße Sache 🙂 Du hast Recht in deinem Artikel. Man vergisst das alles sonst so schnell.
      „Weniger!“ ist eine echt gute Antwort auf die Frage „Was essen wir nächste Wochen.“ Haha. Bei Kindern weiß man echt nie, wann die den nächsten Kracher raushauen ;D

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  5. Katja (Mamatized.com)

    Liebe Nätty, ich bin durch #addicted2blogs auf dich gestoßen und finde dein kleines Plappermaul ganz herzig! Wir haben auch eine Quasselstrippe zu Hause und ich befürchte, dass No 2 auch so wird, denn die dadadas und papapapas häufen sich immer mehr!
    Deine Zeichnungen sind wunderschön (ich bin ein wenig neidisch, dass ich es nicht kann) und ich freu mich riesig, dass ich dich so gefunden habe!
    Liebste Grüße
    Katja

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  6. Nätty Beitragsautor

    Hallo Katja,
    vielen Dank für das Kompliment. Ich zeichne wirklich super gern und durch das Bloggen, bin ich endlich wieder motiviert öfter zum Stift zu greifen 🙂
    Hach, Plappermäulchen sind doch was Feines. Noch kann ich nicht genug davon bekommen :)))
    Ganz liebe Grüße zurück,
    Nätty

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  7. Ruhrmama

    Hallo „Schnatterlie“ :-), Plappermäulchen sind wirklich total toll und so witzig, wenn sie einem den Spiegel dessen vorhalten, was man selber so oft sagt. Das Neueste bei uns: Habe mir gestern eine neue Hose gekauft, sie zuhause angezogen und prompt zu hören bekommen „Mama, sieht chic aus!“ Fantastisch, musste so lachen… Viel Freude euch weiterhin und LG von Nicole

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    1. Nätty Beitragsautor

      Hi Nicole,
      das ist ja wirklich auch sehr süß („Mama sieht chic aus!“) Sehr aufmerksam. Da freut man sich doch richtig als Mama.
      Wünsche dir auch weiterhin viel Freude :))) Kinder sind schon das Größte, was? LG zurück!!!

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  8. Sabine

    Wirklich süß, das Plappermäulchen. Ich hab auch so eines mit inzwischen 4 1/2 Jahren. Das kann ganz schön anstrengend sein (Fragen, Fragen, Fragen…).
    Meine Kleine mit 2 Jahren schnattert schon kräftig mit. Häufig streiten die beiden drum, wer jetzt reden darf und reden gleichzeitig weiter . Ich selbst bin nicht so der Vielredner. Das müssen die Zwei von der Oma haben

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    1. Nätty

      Haha ;D Ohje, du Arme. Zwei so Plappermäulchen labern einem wahrscheinlich so richtig ein Schnitzel ans Ohr, was? Ich bin auch schon sehr gespannt wie es hier erst wird, wenn die Kleine älter wird. Wahrscheinlich können der Herr Papa und ich dann gar nicht mehr miteinander reden, weil wir nicht mehr zu Wort kommen. Vor der Fragen-Phase habe ich auch echt Respekt … 😉 Ganz liebe Grüße, Nätty

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