Kleinkind hat Trotzanfall beim Schuhe kaufen

Schuhe kaufen mit Kleinkind

Mittwoch.

„Jetzt noch Schuhe anziehen, dann können wir los,“ murmle ich zufrieden nachdem sich das Bilderbuch-Mädchen vorbildlich Jacke, Schal und Mütze hat anziehen lassen.

„Neeeeheihein! Ich will die Schuhe nicht anziehen!“

Es wundert mich ein bisschen, denn die besagten Schuhe mochte sie immer gern. Und ich auch, denn sie hatte so tollen Halt darin und sie waren einfach anzuziehen. Tja, nun. Was war los? Die erfahreneren Mütter hätten es sicher schon längst gemerkt, ich jedoch nicht … Die Schuhe waren zu eng. Nach nicht mal zwei Monaten … Ein Graus. Und in unserem Dorf gibt es nur einen Schuh-Laden …

Wenig hoffnungsvoll sind wir vom Kindergarten direkt in eben diesen gefahren. Ich mit Schuhen an den Füßen, das Bilderbuch-Mädchen ohne. Barfuß tapert sie zum Kinderschuh-Regal und ich hinterher. Wir finden nüscht … Also ich finde nichts, was dem Wetter angemessen wäre. Sneakers gibt es ein paar in ihrer Größe, aber teilweise ganz schön teuer. Dafür, dass es eigentlich nur Notfall-Schuhe wären. Das Geld würde ich dann doch lieber in die „ordentlichen“ Schuhe stecken, die ich im Sinn hab.

Notgedrungen kaufe ich dennoch ein paar Sneaker. Immerhin runtergesetzt. Pink, mit einer Schlappe in Tierform. Eigentlich finde ich sowas ja kitschig, aber irgendwie sehen sie an der kleinen Maus soooo süüüüß aus. Hachja. Und das Bilderbuch-Mädchen liebt sie. Perfekt also.

Sache erst mal erledigt. Doch dann: Es ist Donnerstag und es wird ein Schnee-Chaos angekündigt für Freitag … SCHNEE-CHAOS!!! Ne, da gehen Sneaker gar nicht. Sagt übrigens auch die Erzieherin am Nachmittag als ich das Bilderbuch-Mädchen nach der Arbeit aus dem Kindergarten abhole. Ich solle morgen das Kind bitte mit geeignetem Schuhwerk abliefern.

Iiirghs. Dann muss ich wohl ins Nachbar-Städtchen fahren, was? Also düsen das Bilderbuch-Mädchen und ich los. Ich erwähne das wir Schuhe kaufen gehen. Großer Fehler.

„Nein, Mama. Ich hab schon Schuhe!!!“

„Aber du brauchst winterfeste Schuhe!“

„Neiiihn! Ich hab Schuhe!“

„Ja, und die darfst du ja auch behalten,“ versichere ich in beruhigendem Ton. Der Rest der Fahrt ist unentspannt, aber glücklicherweise endet sie in einem Parkhaus. Parkhäuser sind spannend. Da kann man auch mal als Bilderbuch-Mädchen kurz den Mecker-Modus abstellen. Mit einer Rolltreppe geht es in Richtung Schuh-Laden. Begeisterungsstürme auf seiten des Kleinkinds!

Wir kommen an einem Münz-Auto vorbei.

„Mama, ich will mit dem Auto fahren.“

„Nein, jetzt nicht. Erst mal Schuhe gucken gehen. Da hinten siehst du den Laden schon?“

„Oh, eine Treppe! Mama, ich will die Treppe runter laufen!“

„Erst zum Schuh-Laden!“

Wir kommen dem Schuhladen zwei Schritte näher, doch gegenüber ist ein Schnell-Restaurant.

„Mama, ich will ein Eis!“

„Da gibt es kein Eis. Das ist ein Chinese. Dort gibt es zum Beispiel Nudeln.“

„Ich will Nudeln!“

„Du hast schon Mittag gegessen. Wir gehen erst mal zum Schuh-Laden.“

„Ich will aber …“

„Schuhladen. Jetzt!“

Wir erreichen das Regal mit den Kinderschuhen. Halleluja!

Ich werfe einen schnellen Blick auf das Regal und achte im Augenwinkel auf das Bilderbuch-Mädchen, das diverse Herren-Schuhe aus einem Regal fischt und ein Paar direkt anprobiert.

Die Auswahl an wintertauglichen Kinderschuhen ist spärlich. Dafür ist alles was da ist reduziert. Yey, mein Schnäppchen-Jagd-Trieb ist geweckt. Geilo, ein Paar Super-Fit in der vermutlich richtigen Größe reduziert. Die schnapp ich mir und will sie der kleinen Maus zum Anprobieren geben, doch die …

„Neiheihein! Ich will die Schuhe!!“ Sie zeigt vehement auf die Herren-Schuhe an ihren Füßen.

„Nein, die sind viel zu groß.“

Frustriert zieht die kleine Maus rote Marienkäfer-Pantoffeln aus dem Regal. „Die!“

„Nein, die sind zu klein und es sind keine Winterschuhe …!“

„Die!“ Ihre nächste Wahl fällt auf rote Stiefel, extremst günstig und einigermaßen winterfest. Zumindest vlt. Für ein paar Tage. Mit denen könnte ich leben. Wir probieren sie an. Sie passen und das Bilderbuch-Mädchen ist verliebt.

Sie will gar keine anderen mehr anziehen. Nach viel diskutieren (heulend auf den Boden schmeißen) zieht sie meine auserwählten Stiefel auch noch an, doch die sitzen tatsächlich nicht. Aaargh. Richtig glücklich bin ich mit den roten Stiefeln nicht, aber sie wären eine akzeptable Notlösung. Das Bilderbuch-Mädchen bringt ihre Beute zur Kasse. Dort stelle ich fest, dass ich das Portemonnaie im Auto vergessen hab. Aaarghh! Was man nicht im Kopf hat …

Das Bilderbuch-Mädchen will ihre alten Schuhe partout nicht mehr anziehen, da sie die nur noch die neuen will. Also, alte Schuhe in meine Tasche, Bilderbuch-Mädchen unter Protest unter den Arm, Rolltreppe runter ins Parkhaus zum Auto und wieder zurück.

Münz-Auto.

„Mama, darf ich das Auto mal fahren?“

„Nein, wir müssen zurück zum Schuhgeschäft.“

Schnell-Restaurant.

„Eis?“

„Nein, und da gibt es auch gar kein Eis … Da …“

„Nudeln?“

Irgendwann haben wir es geschafft. Notfall-Schuhe im Sack, Bilderbuch-Mädchen hat Schuhe an und wir sind im zweiten Schuh-Laden angekommen. Dort gibt es noch weniger Auswahl. Die Verkäuferin erwähnt, dass man Winterschuhe doch im September kaufen müsse. Ansonsten muss man mit den Restposten vorlieb nehmen. Und da haben sie in unsere Größe nichts mehr übrig. Sorry und so, aber selber Schuld. Wer spät kommt …

Ich hab im November Schuhe gekauft und die waren top! Aber so Kinderfüße wachsen ja vollkommen unkontrolliert. Was soll ich da machen? Im September gleich zwei Paar teure Winterschuhe kaufen, falls das Kind rauswächst aus einer Größe. Grrr …

Wir machen uns auf den Weg zum dritten Schuh-Laden.

„Ich will nich zum Schuh-Laden!“ Heul-Attacke des Bilderbuch-Mädchens.

„Das ist der letzte Laden, versprochen!“

„Ich hab Huuunger!“

„Nach dem Laden gehen wir dann zum Bäcker und du bekommst ein Brötchen.“

„Ich will zum Bäcker.“

„Nach dem letzten Schuh-Laden.“

„Neihein, jetzt!“

Dritter Schuh-Laden. Wir haben es geschafft. Dasselbe Bild wie immer: Miese Auswahl.

Das Bilderbuch-Mädchen hopst durch den Laden und zieht diverse Schuhe aus den Regalen. Ich finde absolut nichts Passendes. Zu groß, zu klein, zu wenig wasserdicht, zu teuer, dafür dass es nicht 100% passt. In Ermangelung an Auswahl überlege ich gefütterte Gummistiefel zu kaufen. Ich bringe sie dem Bilderbuch-Mädchen zum Anprobieren. „Die will ich nis!!!“

„Probier wenigstens mal an.“

„Neihein!“

Mein Blick fällt auf eine Mutter und ihre Tochter, die auch verzweifelt nach winterfesten Schuhen suchen. Zufällig ist das Mädchen Sabia aus der gleichen Kindergarten-Gruppe. Als das Bilderbuch-Mädchen Sabia aus ihrer Gruppe entdeckt läuft sie direkt hin. Die beiden Mädels verstehen sich gut und ich kann nochmal in Ruhe die Auswahl durchschauen. Bis das Bilderbuch-Mädchen die Winterschuhe angezogen hat, die das andere Mädchen sich ausgesucht hat. Und diese Schuhe nicht mehr ausziehen will. Dabei sind die drei Nummern zu groß … Mit Hilfe von Sabias Mama schaffe ich es Schuhe und Kind zu trennen. Und da fällt mein Blick auf die Rettung. Hinter den zankenden Mädels steht ein einsames Paar Elefanten-Schuhe in der richtigen Größe, in schönen Farben, ohne Disney-Figuren, winterfest uuuund – Schnäppchen-Herz freut sich: Heruntergesetzt um die Hälfte. Natürlich will das Bilderbuch-Mädchen die Schuhe nicht anziehen. Erst als die andere Mutter erwähnt, dass das ja sehr schöne Schuhe seien. Und meinem Aschenbrödel passt der Schuh! Jawohl, der Tag ist gerettet. Wir bezahlen schnell, dafür müssen die Schuhe leider wieder ausgezogen werden und es gibt ein mittleres Drama, aber dann ist es geschafft. Noch schnell zum Bäcker und dann im Regen zurück zum Auto. Gnädigerweise darf ich Madame tragen und so komme ich zu meiner Sporteinheit und wir dafür zügig voran. Da ist auch schon der Eingang zum Einkaufs-Center in dessen Parkhaus wir geparkt haben.

Münz-Auto.

„Mama, darf ich jetzt das Auto?“

„Ja, ok,“ lass ich mich breitschlagen. Das Schnäppchen hat mich milde gestimmt. Ich verpulver einen Euro für gefühlte 15 Sekunden Autogeschuckel und danach kommt das Bilderbuch-Mädchen zufrieden mit mir bis zu unserem Auto.

Fazit der letzten zwei Tage: Drei Paar Schuhe gekauft zum Preis von einem. Schnee-Chaos, das den nervösen Schuhkauf eingeleitet hat, ausgeblieben. Aber dafür schneits sicher zu Ostern. Und bis dahin hat das Bilderbuch-Mädchen bestimmt wieder eine Nummer größer und der Schuhkauf-Wahnsinn geht von vorne los. Habt ihr Tipps für entspannteres Schuhe kaufen mit Kleinkind? Also ich werd in Zukunft auf jeden Fall früher darauf achten, ob die Schuhe noch richtig passen. Dann hab ich vielleicht mehr als einen Tag dafür Zeit 😉

Alles Liebe,

Eure Nätty

13 Gedanken zu „Schuhe kaufen mit Kleinkind

  1. Katharina

    Nett von der Verkäuferin darauf hinzuweisen, dass man das ruhig mal hätte früher kaufen können. Ähm ja klar, man hat ja Einfluss auf das Wachstum der Kinderfüsse *augenverdreh*
    Ich glaub ich geh mal schnell gucken ob unsere noch passen und stöber dann mal im internet

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ich fand den Kommentar auch sehr hilfreich 😉
      Beim nächsten mal schau ich auch früher und bestell dann im Internet. Dann kann meine Kleine auch nicht das ganze Schuhgeschäft auf den Kopf stellen 😀
      Liebe Grüße!!!

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  2. Sabrina

    Manche Verkäufer sind da offenbar wirklich lustig…
    Wir waren am Samstag im Schuhladen. Da gab es nicht mehr die Megaauswahl wie im Herbst, aber doch noch in allen Größen einiges und zwar um 25% reduziert.
    Meine Tochter findet Schuhe kaufen spannend (es gibt ja auch ein Karussell dort), nur, daß sie nicht jedes Mal Schuhe bekommt, wenn wir dort vorbeikommen, macht sie nicht glücklich. Daher gehen wir öfter mal nachmessen lassen (Kind hat schon mal 2 Größen übersprungen und nix gesagt). Die Damen können ruhig was tun für ihre teuren Schuhe und Johanna freut sich den Laden aufzumischen 😉

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    1. Nätty Beitragsautor

      Cool, ein Karussell? Das ist ja genial. Aber auch, dass es noch in allen Größen Kinder-Winterschuhe gab. Da können sich die Läden hier mal ne Scheibe von abschneiden 😉
      Witzig, dass deine Tochter so gern Schuhe kauft. Mal sehen, ob die Phase bei uns auch mal kommt. Naja spätestens in im Teenie-Alter bestimmt ;D
      Liebe Grüße!

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  3. Sari

    Drei Kreuze dafür, dass unser Großer eigentlich sogar sehr gerne shoppen geht, wenn es um Schuhe geht. Störend sind da eher die Fernseher in der Kiinderabteilung, wodurch er nie ganz bei der Sache ist.

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    1. Nätty Beitragsautor

      Die Fernseher sind hier immer nur von kurzem Interesse. Da hat das Bilderbuch-Mädchen im Schuladen eher andere Flausen im Kopf. Schuh-Regale ausräumen, zu meinem Leidwesen ;D
      Aber cool, dass dein Großer es so gut mitmacht 🙂
      Liebe Grüße!

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  4. verflixteralltag

    Na zumindest ich wurde gut unterhalten 😉 Und es ist ja zum Glück alles gut ausgegangen, inklusive Schnäppchen! Aber im Ernst: im Oktober kaufe ich auch noch keine Schuhe für Januar…
    Lieben Gruß, Wiebke

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    1. Nätty Beitragsautor

      Hihi, das freut mich sehr!
      Wär ja auch langweilig wenn immer alles ohne Umwege glatt gehen würde. Im Nachhinein kann man ja zum Glück über Vieles lachen 🙂
      Liebste Grüße!!!

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  5. souverän erziehen und begleiten

    Schuhe kaufen mit Kindern…. Ich bin schon immer überzeugt, dass es nichts Schlimmeres geben kann. Ich finde es auch jedes Mal den absoluten Horror und….. meine Tochter ist schon 10! Es sind bei uns nicht mehr die gleichen nervtötenden Dinge, die du beschrieben hast, aber wir haben trotzdem „Spaß“ 😉

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    1. Nätty Beitragsautor

      Mist, und ich dachte, das wird irgendwann besser 😉 Na, dann freu ich mich schon mal auf zukünftige andere Widrigkeiten beim Schuhe kaufen :)))

      Ganz liebe Grüße!

      Nätty

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  6. alexakimo

    Wenn meine Kinder im Schuhladen einen Fernseher sehen, sinken sie möglichst nah davor auf eine Sitzgelegenheit oder im Zweifelsfall den Boden und mutieren sogleich zu Fernsehzombies. Ich muß sie dann immer anstupsen, damit sie Schuhe anprobieren oder zumindest mal gucken, ob ihnen gefällt, was sie da auf einmal am Fuß haben! 😉

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