„Schläft sie denn jetzt im eigenen Bett?“

oder: Gedanken zum Thema „Baby’s Schlaf“

Vorgestern war es soweit. Unsere kleine Maus ist in ihr eigenes Bett im eigenen Zimmer umgezogen. Dass sie ihren Mittagsschlaf im eigenen Bett macht und wie wir das ganz ohne „Schreien lassen“ geschafft haben, habe ich ja bereits im Projetk „Mittagsschlaf“ beschrieben.

Nun also zum Thema „Nachtschlaf“:
Seit ihrer Geburt seit sie nachts schläft, schlief sie bei uns im Familienbett. Bevor ich Mama wurde, habe ich immer gesagt: „Nein! Das mach ich auf keinen Fall! Das Baby hat im eigenen Bett zu schlafen!“ Ganz schön herzlos … im Nachhinein betrachtet …

Dann war die Kleine da und das einzige was mich davon abhielt, sie sofort in unserem Bett schlafen zu lassen, war meine Angst sie im Schlaf zu überrollen. Wir versuchten sie also immer in ihrem Beistell-Bettchen zum Schlafen zu bekommen.

Es stellte sich aber heraus, dass unsere Kleine gaaaanz viel Nähe brauchte, jedes Ablegen, war ein Grund für einen heftigen Weinkrampf. Irgendwann war ich einfach nur froh, wenn sie überhaupt irgendwo geschlafen hat, denn das war auch alles was ich wollte: Schlafen.

Ich habe bestimmt drei Schlaf-Ratgeber gekauft in der Zeit, weil ich dachte, mit dem Schlaf meines Babys stimmt doch was nicht … (Wer Geld verdienen will, sollte dringend einen schreiben, verzweifelte Eltern kaufen vieles 😉  …) Es wird einem von außen ja auch immer suggeriert, dass es ganz normal ist, dass Babys im eigenen Bett schlafen. Da kann man als Erstlings-Mama schon mal an sich zweifeln, wenn das kleine, rosige Bündelchen sein Bett einfach verweigert und ganz panisch reagiert, wenn es dort hineingelegt wird.

Es wurde also stundenlang geschuckelt, gepuckt, „Sch“-Laute gemacht, in den Schlaf gestillt und  „White-Noise“ lief sowieso auf Dauerschleife, um unsere Kleine ins Land der Träume zu begleiten.
Irgendwann hat es sich dann so eingependelt, dass wir das ganze Gedöns nicht mehr brauchten. Es reichte unsere Nähe während des Einschlafens und das Schlafen im Familienbett.
Und das war richtig schön! Ich denke, wenn alle Parteien damit am gut klar kommen, was spricht denn dagegen? Ich habe das Gefühl, in den westlichen Ländern ist das aber einfach verpönt. Warum auch immer …

Dabei ist es doch eher widernatürlich seinen Säugling nicht bei sich schlafen zu lassen. Aber das wurde mir auch erst klar, als unsere Kleine da war. Zu tief saß die Erziehung, dass Babys so früh wie möglich alleine schlafen lernen müssten. Ja, wo kämen wir da nur hin, wenn wir alle unsere Babys im Familienbett schlafen ließen … Wie die Hippies …
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass eine Hawaiianerin eine deutsche Touristin gefragt hat, ob es denn wahr sei, dass in Deutschland, die Säuglinge nachts in Käfige gesperrt werden. Hm, irgendwie schon … Eigentlich traurig.

Die Lieblingsfrage aller Bekannten war ja anfangs immer: „Schläft sie denn schon durch?“
Das haben wir relativ früh mit „Ja.“ beantworten können. (Es dauerte zwar stundenlang bis die Kleine schlief, aber wenn sie dann mal eingeschlafen war, hatten wir Glück und sie schlief direkt ein paar Stunden am Stück.)

Dann kam direkt die nächste Frage: „Und schläft sie denn jetzt im eigenen Bett?“
Was wurden wir das oft gefragt …
Auf unser „Nein.“ hin, ernteten wir immer diese: „Ohje …“-Blicke.

Wir hörten daraufhin die alte Leier vom Verwöhnen (ich weiß gar nicht woher diese Angst vor dem Verwöhnen kommt, aber es müssen schlimme Dinge passieren, wenn man nicht aufpasst und sein Baby verwöhnt …). Wir bekamen Tipps von „Einfach mal Schreien lassen“ bis „Vor dem Schlafen gut mit Brei abfüllen.“

Und dann der unvermeidbare Spezialisten-Kommentar:
„Die kriegt ihr aber nie wieder aus eurem Bett raus!“
Jeder kannte irgendwen, der jemanden kannte, bei dem die Kinder mit 6 Jahren immer noch nicht im eigenen Bett schliefen. So! Und jetzt waren wir dran.

Als unsere Kleine acht Monate alt war, machten wir einmal einen Versuch sie in ihr eigenes Zimmer umzuziehen. Sie hat so panisch geschrien, bis sie kaum noch Luft bekommen hat. Es war so schlimm, wie in den ersten Monaten.

Die „Ihr-kriegt-sie-nie-wieder-aus-eurem-Bett-raus“-Fraktion fühlte sich bestätigt. „Da, seht her, sie tanzt euch auf der Nase herum! Das müsst ihr sofort unterbinden!“ Ähm, Leute … Unsere Kleine ist ein unschuldiges Baby, kennt diese Welt gerade mal 8 Monate und hat Angst. Angst allein zu sein. Angst verlassen zu werden. Wir müssen ihr zeigen, dass es dazu keinen Grund gibt. Wenn das Vertrauen da ist, wird sie auch alleine Schlafen.

Der Versuch damals hat uns also gezeigt, dass sie noch nicht bereit war. Jedes Baby ist nun mal anders. Manche schlafen mit 2 Monaten schon auf dem Boden mitten beim „Mami-Cafe“ zwischen lauter anderen Babys und fremden Müttern ein, andere müssen auch mit zwei Jahren oder länger noch in den Schlaf begleitet werden.

Kinder sind halt keine Roboter, die sich einfach so auf Knopfdruck von jetzt auf gleich programmieren lassen, wie es uns passt. Und wenn doch, dann nur mit „Schreienlassen“. Alles andere erfordert nun mal Geduld, Durchhaltevermögen und Liebe. Und das hat nichts mit Verwöhnen zu tun!

Und nun ist es tatsächlich soweit, unsere Kleine schläft in ihrem eigenen Bett. Für mich ist das fast etwas unwirklich. Vorgestern lag ich zum ersten Mal seit ca. 13 Monaten alleine in unserem Bett (Mein Mann geht meist später als ich schlafen). Ich habe die Kleine schon etwas vermisst, aber ich bin auch stolz darauf, dass wir ihr nun das Vertrauen vermitteln konnten, dass sie in ihrem Bettchen sicher ist. Dass wir immer für sie da sind, auch wenn wir nicht in Sichtweite sind.

Sie ist jetzt 13,5 Monate alt. Das Einschlafen im eigenen Bett begleite ich noch und es dauert auch bedeutend länger als im Familienbett, aber es ein meilenweiter Unterschied zu unserem Versuch damals mit 8 Monaten. Und das bestätigt mich darin, dass man merkt, ob sein Kind bereit dafür ist. Wenn man noch sogenannte Einschlaf-Programme benötigt, schlimmstenfalls welche, die die „Schreien lassen“-Methode beinhalten, dann ist das wohl eher nicht der Fall.

Gerade beim ersten Kind lässt man sich ja schnell verunsichern, wenn einem nur oft genug gesagt wird:

„Das geht aber so nicht …“,
„Wir haben das aber anders gemacht …“,
„Ihr müsst dabei konsequent sein!“.

Ja, wir sind konsequent. Konsequent liebevoll 🙂

Jeder muss beim Schlafen den Weg gehen, der ihm als der Richtige erscheint. Es geht nicht darum, wer sein Baby als erstes ausquartiert oder wer es am längsten bei sich behält, sondern nur darum, auf das eigene Gefühl zu vertrauen und sich von niemandem reinreden zu lassen.

Eure Nätty

2 Gedanken zu „„Schläft sie denn jetzt im eigenen Bett?“

  1. Kiwimama

    Sehr schöner Post! Diese ganzen Sprüche von wegen „verwöhnen“ und „schreien lassen“ gehen echt gar nicht. Solange das Familienbett Eltern und Kind gefällt ist doch alles in Ordnung! Ich bin auch von meinem Denken in der Schwangerschaft „Nach drei Monaten schläft sie in ihrem eigenen Zimmer!“ abgewichen. Kiwi schläft in ihrem eigenem Bett direkt neben mir und ich will auch gar nicht, dass sie geht 😀 . Mein Mann will das glücklicherweise genau so wenig. Man darf sich echt nicht zu viel reinreden lassen, auch, wenn das manchmal echt verdammt schwer fällt!

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  2. Nätty Beitragsautor

    Da hab ich heute auch noch mit einer Mami drüber gesprochen, wie sich so die Ansichten verändern, sobald die Kinder da sind 🙂 Sie war auch, wie wir, vor der Geburt der Meinung, das Kind kommt mir sobald wie möglich ins eigene Zimmer. Und dann war es da und sie konnte sich auch nicht mehr vorstellen, warum sie sich das vorgenommen hatte ;D
    Allerdings hat sie 2 Kinder und die schlafen beide bis heute nicht durch. Das ältere ist jetzt 5 Jahre. Seit 5 Jahren hat sie keine Nacht mehr durchgeschlafen. Die Arme. Und ich sag dir, sie sieht topfit aus. Wie machen manche Mütter das nur? Ich sehe schon nach einer schlechten Nacht vollkommen gerädert aus… 😉

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