Mama telefoniert Baby Wutausbruch

Beste Mama – beste Freundin … Beste … – In jeder Rolle perfekt?

Klappt irgendwie nicht …

Mir war natürlich immer bewusst, dass ich mich verändern würde, wenn ich Mama werde und das ich für manche Bereiche meines Lebens weniger Zeit haben werde. Aber so ganz klar, wie einschneidend diese Veränderung sein würde, war mir nicht. So wirklich detailliert habe ich nie darüber nachgedacht wie mein Leben sein würde. Wahrscheinlich fehlte mir da einfach die Vorstellungskraft.

Neuer Lebensmittelpunkt, neue Prioritäten, neue Sichtweisen und Erkenntnisse. Einfach alles neu. So ist das nämlich.

Manches bleibt bei den ganzen Neuheiten leider auf der Strecke, auch wenn man sich bemüht das es nicht so ist… Das wurde mir letztens bei einem Telefonat mit meiner besten Freundin klar. Die Tage und Stunden fliegen im Mama-Alltag an mir vorbei und manchmal merke ich gar nicht, dass ich schon wieder erst vier Tage später auf eine ihrer Whatsapp geantwortet habe. Das passiert mir oft und es tut mir so Leid. Oder ich verspreche am nächsten Tag anzurufen, während dem Mittagsschlaf des Bilderbuchmädchens, doch was passiert mir? Ich schlafe erschöpft mit ein. Ich nehme mir dann vor abends in Ruhe anzurufen, wenn das Bilderbuchmädchen schläft, doch auch das klappt nicht, denn das Bilderbuchmädchen schläft einfach nicht ein … Und schläft nicht und schläft nicht und schläft nicht … Und als es um 23:00 Uhr soweit ist, ist es längst zu spät zum telefonieren und meine Freundin ist unterwegs. Denn es ist Samstag Abend. Während sie mit den Mädels unterwegs ist, bin ich heilfroh, dass mein Baby endlich schläft und ich verschwinde auch direkt ins Bett. Dabei wollte ich eigentlich so viel erledigen an meinem „Feierabend“ … Vielleicht ist es jemanden aufgefallen, zum Bloggen bin ich auch nicht gekommen in letzter Zeit …

Aber weiter zu meinen Veränderungsgedanken. Seit dem Telefonat mit meiner besten Freundin spuken vorwurfsvolle Fragen in meinem Kopf herum …

Bin ich noch eine gute Freundin … ?

Nein, momentan wohl leider nicht. Ich bin so eingespannt im Alltag mit Kind, Job, Haushalt und Familie, dass ich kaum Zeit für mich habe, geschweige denn um Freundschaften richtig zu pflegen. Vor allem wenn die Freunde nicht um die Ecke wohnen. Selbst meine Nachbarin mit ihrer kleinen Tochter, die nur zwei Häuser weiter wohnt und mit der ich befreundet bin, treffe ich maximal alle zwei Wochen.

Es ist wirklich schwer zu akzeptieren, dass man nicht mehr so viel Zeit für seine ältesten und besten Freunde hat wie man gerne möchte. Jedes Treffen ist mit großem Organisationsaufwand verbunden, außer man trifft sich mit Kind, aber dann ist es nicht dasselbe, denn in Ruhe Quatschen fällt dann schon mal raus. Ich hoffe sehr, dass das Bilderbuchmädchen demnächst nicht mehr so oft krank ist, denn dann kann man wenigstens abends mal telefonieren oder in Ruhe whatsappen (ist das ein Wort?).

Nächste Frage:

Bin ich eine gute Mutter?

Ich geb mein Bestes und ich denke ja! Das Bilderbuchmädchen hat Prio 1. Natürlich. Ich liebe sie, sie braucht mich und ich bin für sie da. Klar läuft nicht immer alles perfekt, aber bei wem ist das schon so? Momentan renne ich von Arzttermin zu Arzttermin mit ihr. Mal Lungenentzündung, mal Mittelohrentzündung, mal Ausschlag und Verstopfung wegen Antibiotika-Unverträglichkeit. Ach irgendwas ist eigentlich immer … Einen Normalzustand gibt es seit langer Zeit nicht mehr. Dazu kommt grad eine schlimme Phase, was das Einschlafen angeht. Vor der letzten Krankheitsphase lief es super. Ich konnte sie in ihr Bett legen, hab eine zeitlang Händchen gehalten und sie schlief ein. Aber derzeit ist das Einschlafen ein großes Drama, was gern mal in Tränen bei Mutter und Tochter endet. Und teilweise 2,5 Stunden dauert (Feierabend ade …) Wir suchen grad nach einer Lösung und heute lief es schon mal wieder etwas besser. Mehr dazu demnächst.

Weiter geht’s mit der Fragestunde:

Bin ich eine gute Hausfrau?

Nein. Das ist eine Frage, die ich definitiv beantworten kann. Meine Fenster sind schmutzig, es gibt Staub(-berge) und Spinnweben im Haus und manchmal bzw. oft türmt sich hier die Wäsche und der Boden klebt nicht selten von Marmeladen-Resten …

Bin ich eine gute Ehefrau?

Ich hoffe es. Aber auch da ist es im Alltag manchmal schwierig sich die Zeit zu nehmen auch mal nur ein Paar zu sein und nicht Eltern. Abends wenn mein Mann nachhause kommt essen wir zusammen. Aber es geht natürlich viel darum, was die Kleine alles erlebt hat, Neues kann etc. Ich genieße die Augenblicke, die wir in der Familie zusammen haben. Ich sehe gern wie mein Mann und die Kleine zusammen Quatsch machen. Es macht mich glücklich die beiden glücklich zusammen zu sehen. Aber das ist alles doch eher wieder die Mama-Rolle … Und am Wochenende? Da ist muss ja irgendwie immer alles erledigt werden, was man unter der Woche nicht schafft. Der Garten soll schön werden, die Autos müssen in die Werkstatt, im Keller müsste mal ausgemistet werden … Auch hier gilt: Irgendwas ist ja immer. Außerdem ist es da auch gerade schön, Zeit als Familie verbringen zu können. Denn wann kann der Papa sonst mal eine längere Zeit am Stück mit dem Bilderbuchmädchen verbringen? Also machen wir eher was zu dritt als zu zweit. Was natürlich auch sehr schön ist 🙂 Die Zeiten, in denen die Kleine keine Lust mehr hat, etwas mit uns zu unternehmen kommt bestimmt schnell genug.

Bin ich eine gute Tochter, Enkelin, Schwester?

Ich weiß es nicht. Ich versuche meine Familie regelmäßig zu besuchen, aber ich schaffe es einfach nicht immer. Manchmal bin ich auch wenn ich Zeit habe, so ausgelaugt, dass ich nicht die Muße finde das Bilderbuchmädchen ins Auto zu packen und loszufahren. Ich bin dann nach der Arbeit froh zuhause zu sein und das Nötigste im Haushalt erledigen zu können oder wirklich mal mit der Nachbarin und deren Tochter spazieren zu gehen.

Bin ich eine gute Kollegin?

Auch das wahrscheinlich grad eher nicht. Erste Priorität hat meine Tochter. Wenn es ihr gesundheitlich nicht gutgeht bleibe ich zuhause. Und das war dieses Jahr sehr oft. Das heißt für meine Kollegen, dass sie meine Arbeit abfangen müssen. Das ist natürlich nervig, wer beendet schon gern ständig fremde Projekte …

Dass ich diesen vielen Rollen nicht gerecht werden kann, nervt mich sehr.

Aber noch mehr nervt mich, dass ich mich davon so stressen lasse … Wenn ich das lese, ist mir klar, dass man bei so vielen Rollen in keiner perfekt sein kann. Warum verlange ich das von mir? Warum kann ich schlecht entspannen, wenn der Boden mal wieder von Marmelade klebt oder das Geschirr sich in der Küche stapelt?

Muss ich mehr Grenzen ziehen? Unwichtiges aus meinem Leben schmeißen? Aber was ist hier unwichtig? Viele werden sagen: Es kann doch auch mal dreckig sein. Lass doch den Haushalt öfter mal liegen. Glaubt mir, den lasse ich öfter liegen als mir lieb ist und es bringt nichts! Außer dass ich nicht entspannen kann, weil ich in jedem Teil des Hauses Arbeit sehe … Vielleicht mehr Freiräume schaffen für Treffen mit Freunden? Werde ich auf jeden Fall versuchen, aber kranke Bilderbuchmädchen lassen einem wirklich wenig Freiraum. Natürlich hoffe ich, dass unsere Krankheitsphase jetzt langsam mal ausgestanden ist und wir einfach einen normalen Alltag haben können. Aber ganz ehrlich? Das hoffe ich quasi schon seit letzten August und jetzt ist März. Mir schwant, es gibt keinen normalen, verlässlichen Alltag mit Kind …

Die Lösung für mich

Ich denke die Lösung ist, ich muss einfach lernen, mich nicht als eine Anhäufung verschiedener, unperfekter Rollen zu sehen. Ich bin doch keine Schauspielerin, die jeden Tag eine andere Person verkörpert. Ich bin ich. Ich bin ein Mensch mit verschiedenen Facetten und Lebensbereichen und je nach Lebenssituation gibt es nun mal unterschiedliche Prioritäten.

Anstatt über die Defizite in den verschiedenen Bereichen nachzudenken, sollte ich lieber das Positive sehen.

In manchen Bereichen bin ich heute besser als früher, ich kann besser kochen als damals mit Anfang 20 in meiner ersten Wohnung. Mir ist nicht mehr so wichtig was die Leute von mir denken. Ich sage auch mal „Nein“ wenn ich für etwas eigentlich keine Zeit habe oder keine Lust darauf habe. Und das ohne danach lange darüber nachzudenken, ob ich damit jemanden vor den Kopf gestoßen haben könnte. Ich fühle mich wohl in meiner Haut, wiege weniger als vor der Schwangerschaft und das ganz ohne Sport. Ja, so ein anstrengendes Mama-Leben hat auch Vorteile 😉

Auch als Mama kann ich eine Freundin sein, eine Ehefrau, eine Hausfrau, eine Schwester, Kollegin, Bloggerin. Ich kann das alles sehr wohl sein. Nur halt nicht mehr so ausschließlich wie früher. Dafür erlebe ich dann die Momente, in denen ich es sein kann, viel bewusster. Eine Fahrt mit dem Cabrio Deichkind-hörend nur mit meinem Mann? Pure Glücksgefühle!

Die Vorfreude auf das Osterfrühstück mit meinen Freundinnen aus der Schule? Riesig!

Familie endlich mal wieder treffen? Toll! Denn je länger man sich nicht gesehen hat, desto mehr Neues gibt es zu berichten.

Mit einer Freundin ins Kino? Wahnsinn!

Also, keine schlechten Gefühle mehr, sondern nur noch genießen was eben gerade geht. Punkt!

In diesem Sinne:

I’m a bitch
I’m a lover
I’m a child
I’m a mother
I’m a sinner
I’m a saint …

Lalala ..

Eure Nätty

8 Gedanken zu „Beste Mama – beste Freundin … Beste … – In jeder Rolle perfekt?

  1. Sari

    Puuuh, schweres Thema und so bekannt, ich glaube wir alle mussten uns schon damit auseinander setzen *seufz*. Man merkt ja auch, wie sich das Leben argh verändert hat mit Kind. Man hat anders Zeit, anders Geduld und ganz einfach andere Prioritäten, kommt früher, geht früher…die Kinder, sie wissen?!
    Ich finde, man sollte sich nicht diese Last auferlegen jeder Rolle gerecht werden zu können, sondern es einfach so gut machen, wie man es eben kann ohne sich dabei selber zu verlieren.

    Leichter gesagt, als getan, ich weiß ^^

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    1. Nätty Beitragsautor

      Danke für deine lieben Worte! 🙂 Genau das werde ich ab jetzt bewusster versuchen. Ich mach alles so gut ich es kann und versuche nicht mehr so streng mit mir selbst zu sein. Ganz liebe Grüße an dich und deine kleine Familie!!!

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  2. kiwimamasblog

    Oh ja, das kenne ich auch. Man fühlt sich irgendwie ziemlich zerrissen manchmal und hat so vielen Menschen ein schlechtes Gewissen gegenüber. Aber dein Vorsatz, einfach mehr das Positive in Betracht zu ziehen, ist genau richtig 🙂

    PS: Ja, ich habe gemerkt, dass lange kein Post mehr kam. Umso mehr hab ich mich gefreut, als ich den Artikel gesehen habe 🙂
    PPS: Supertolles Bild!

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  3. Nätty

    Ja, diese Zerissenheit nervt manchmal echt … Aber ich werde versuchen mich davon nicht mehr so stressen zu lassen. Bringt ja nichts. Außer schlechte Laune;)
    Schön, dass du bemerkt hast, dass es hier still war in letzter Zeit. Das witzige ist, dass meine Facebook-Seite in der Woche der Funkstille fünf neue likes bekommen hat. Vielleicht sollte ich öfter mal die Klappe halten ;)))

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  4. schnuppismama

    Du sprichst mir aus der Seele. Zu viele Rollen, die rau heute ausfüllen muss – und auch hier wartet in jeder Ecke des Hauses unerledigte Arbeit… Es schafft mich! Ich setze jetzt auf die Kur!!

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ja, es ist manchmal nicht zu fassen, was man alles von sich erwartet. Kein Wunder wenn man irgendwann ausgebrannt ist. Freue mich, dass du deine Leser an deiner Erfahrung teilhaben lässt und bin gespannt, wie die Kur für dich und deine Kinder ist. Ich wünsche dir, dass du dich richtig gut erholen kannst und hoffe auf gute Tipps für den Alltag 😉 Liebe Grüße!!

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  5. neverlookedsobeautiful

    Ich empfinde es genauso wie Du! Ich vernachlässige oft Freunde und andere Dinge, weil ich sehr eingespannt bin und wenn ich dann mal eine freie Minute habe, es vor Müdigkeit vergesse oder es wieder aufschiebe. Allerdings haben die echten Freundschaften nie wirklich drunter gelitten. Daran glaube ich, erkennt man auch wahre Freunde: Selbst wenn man sich nach langer Zeit erst wieder sieht, kann man problemlos an dem Punkt anknüpfen an dem man aufgehört hat. Die meisten Freundinnen sind übrigens ja auch Mütter, sie verstehen das also und kennen die Situation aus eigener Erfahrung. Du sprichst etwas sehr wichtiges aus: Unsere Anfoderungen an uns selbst sind einfach viel zu hoch. Wenn wir diese ein wenig runterschrauben, haben wir es auch leichter im Alltag. Unsere Rolle ist ganz individuell, nämlich die die unser ICH verkörpert. Das ist dann bei jedem anders ausgeprägt. Finde ich gut. Wäre die Welt sonst nicht mega langweilig, wenn wir alle im gleichen Takt schlagen würden? An einem Tag ist meine Rolle nur 50 % Partnerin, an einem anderen 100%. Je nach Stimmung, je nach Situation. Das habe ich zwar begriffen, aber noch nicht wirklich verinnerlicht, denn ich renne auch immer allem hinterher und habe das Gefühl vielem nicht gerecht zu werden. Wir sollten uns einfach öfter selbst auf die Schulter klopfen und und beglückwünschen, dass wir doch immer alles irgendwie schaffen :-).Eigentlich sind wir kleine (oder doch große?) Organisationstalente!
    Alles Liebe Anna

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    1. Nätty Beitragsautor

      Auf jeden Fall große Organisationstalente! Und wenn wir das mal nicht sind, dann sind wir große Improvisationstalente, nicht wahr? 😉
      Ja du hast Recht, eigentlich weiß man, dass man nicht jede Rolle an jedem Tag zu 100 Prozent ausfüllen kann bzw. muss, aber das zu verinnerlichen, das ist auch meine Herausforderung. Immer gut zu wissen, dass man mit seinen Ansichten nicht alleine ist.
      Ganz liebe Grüße auch an dich 🙂 Nätty

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