Mama hat Kleinkind auf dem Schoß

„Mama, ich hab Angst alleine …“

Nachdem wir vor einigen Monaten den Schnulli abgeschafft haben, sehen unsere Abende ja nun ungefähr so aus wie ihr hier nachlesen könnt.

Nun gibt es wieder eine kleine Änderung. Vor drei Tagen lagen das Bilderbuch-Mädchen und ich mal wieder auf der Matratze in ihrem Zimmer zum Einschlafen, aber sie war ganz aufgewühlt und wollte partout nicht schlafen.

Da hatten wir dann ein langes Mama-Tochter-Gespräch:

„Warum willst du denn nicht einschlafen?“ fragte ich.

„Ich will einfach nicht schlafen. Das ist einfach so!“ Achselzucken. Kurze Pause. „Ich will im großen Bett einschlafen.“ (Das ist unser Bett im Schlafzimmer).

„Das geht nicht, Maus. Ich muss nachher nochmal aufstehen und einiges erledigen wenn du schläfst und dann wärst du da allein im hohen Bett und plumpst nachher da raus.“

„Dann schlaf ich bei Papa im Zimmer.“ Sie meint das Computer-Zimmer.

„Das ist doch viel zu ungemütlich … Da ist nur harter Boden,“ erwidere ich.

„Dann steh ich da solange du Wäsche machst und warte bei Papa.“ Leichte Panik macht sich in ihrer Stimme breit.

„Nein, das geht nicht. Du musst jetzt schlafen. Du bist noch klein und brauchst etwas mehr Schlaf als Mama und Papa, mach mal die Äuglein zu. Ich bin ja da,“ versuche ich es.

„Aber dann wach ich auf und dann und dann … dann bist du weg! Und ich hab so Angst!“

„Oh nein, arme Maus …! Du brauchst doch keine Angst haben. Mama und Papa sind ja in der Nähe. Du kannst uns auch ruhig rufen wenn du Angst hast oder rüber kommen zu uns.“

„Jaaaa?!?!“ Ihre Stimme klingt erstaunt und erleichtert.

„Möchtest du denn vielleicht lieber wieder in deinem Gitterbett einschlafen? Fühlst du dich da sicherer?“ frage ich.

„Nein, nein, da hatte ich immer Angst. Du solltest immer auf dem Stuhl sitzen bleiben.“

Wow, das ich auf dem Stuhl zur Einschlafbegleitung an ihrem Bettchen saß, ist echt lange her. Ich bin überrascht, dass sie sich da noch dran erinnert. Herzzerreißend wie sie mir ihre Ängste anvertraut.

„Ok, dann schlafen wir wieder hier auf der Matratze ein. Zusammen. Und wenn du aufwachst und ich bin weg, rufst du mich, dann hol ich dich. Oder du kommst einfach rüber, ok?“

„Aber im Flur und im Schlafzimmer ist es so dunkel …“

„Wir lassen dann Licht im Flur an und fürs Schlafzimmer überlege ich was.“

„Ok,“ seufzt mein kleines Mädchen erleichtert. Die Anspannung weicht und sie schläft ein. Insgesamt eine Dreiviertelstunde haben wir über alles geredet. Das war fast unwirklich für mich. Sie kann jetzt schon so toll erzählen, was sie bewegt. Wahnsinn!

Irgendwann in der Nacht kam sie dann tatsächlich zu uns rüber ins Schlafzimmer getappert und hat dann ganz glücklich bei uns geschlafen.

Am nächsten Abend beim Einschlafen passierte dann was total Süßes. Erstens war schon das Hinlegen alles kein Problem und voll entspannt. Dann legte ich mich wie immer ruhig neben sie und schloss schon mal die Augen. Da nahm sie mein Gesicht in ihre kleinen Händchen und sagte: „Mama, mach bitte die Augen auf.“

Und ich dachte noch: „Ohje was ist jetzt wieder?“

„Mama, iss hab diss so lieb!“, seufzte sie ganz innig und schaute mich verliebt an. Das war zu niedlich. Schon während sie den Satz aussprach, fielen ihr die Äuglein zu.

„Ich hab dich auch sehr lieb, mein kleiner Schatz!“

Eine Weile betrachte ich mein großes kleines Mädchen noch.

Zwei Jahre und acht Monate ist sie nun schon und doch auch wieder erst … Großes kleines Mädchen trifft es genau. Der Anblick wie sie da so zufrieden und geborgen neben mir schläft macht mich sehr glücklich. Ich möchte immer für sie da sein, ihre Sorgen Ernst nehmen, ihr zuhören und ihr helfen zu einem selbstbewussten, mit sich selbst zufriedenem Menschen zu werden. Und ich denke mein Mann und ich sind da auf einem guten Weg.

Leise schleiche ich mich aus dem Zimmer, ich erledige noch dies und das und gehe dann auch ins Bett. Gegen 0:00 Uhr kommt das Bilderbuch-Mädchen wieder ins Schlafzimmer und kriecht in unser Bett.

Das Schöne am Familienbett sind ja die Kuscheleinheiten am Morgen. Und irgendwie hab ich auch grad das Gefühl, dass das Bilderbuch-Mädchen morgens viel ausgeglichener ist, wenn sie nachts bei uns schläft. Ob das Zufall ist? Wir werden sehen 😉

Alles Liebe,

Eure Nätty

7 Gedanken zu „„Mama, ich hab Angst alleine …“

  1. Sari

    Gott,wie süß. Und ja, auch unser hat manchmal Ängste und braucht eine Zeit, bis er es wagt sie laut auszusprechen, als ob es nicht möglich wäre, dass wir sie ihm nehmen könnte. Doch bisher haben wir immer gemeinsam eine Lösung finden können.

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    1. Nätty Beitragsautor

      Es ist auch so befreiend, dass es nun soweit ist, dass sie ziemlich genau sagen kann, was sie bedrückt. Ich freue mich so darüber, dass wir richtig miteinander sprechen können 🙂

      Ich finde es toll, wenn man mit seinen Kindern zusammen Lösungen finden kann <3
      Liebe Grüße!

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  2. beatriceconfuss

    Ach toll! Ich war auch froh, als auch die letzte hier sagen konnte was sie bewegt.
    Angst vorm allein sein hatten meine drei ja nicht, weil sie zu dritt sind. Aber die nächtliche Völkerwanderung gab es hier auch. Ich schlafe seit dem im Kinderzimmer und hab uns da ein gemütliches großes Matrazenlager gemacht. Ich denke ich könnte mittlerweile wieder ins Schlafzimmer ziehen, aber ICH finde es so gemütlich. Vor allem weil ich immer so friere und so rundherum kleine Heizkissen um mich herum liegen habe. Ich versuche mich mal im Sommer zu entwöhnen. 😀 Und genieß bis dahin das Gekuschel noch ein bisschen. 😀

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ich hab auf deinem Blog schon ein Foto von eurem Lager gesehen. Und das sah sehr gemütlich aus! <3 Man muss diese Zeit der Nähe auf jeden Fall genießen! Die werden viel zu schnell groß und dann sind Mama und Papa erst mal abgeschrieben. Also genieße ich was geht 🙂 Vor allem, da das Bilderbuch-Mädchen ja anfangs gar kein großer Kuschelfan war. Dafür jetzt umso mehr.
      Stimmt, deine drei hatten es da gut. Zu dritt ist man nie allein. Vor allem da der Altersabstand ja so schön gering ist. Dann genieß du auch mal schön deine Kuschelzeit.
      Liebe Grüße!

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  3. Dirk

    So eine Motte hatten wir hier auch. Häufig fehlten der Großen auch einfach die Worte und sie konnte ihre Ängste nicht richtig ausdrücken.
    Bei uns im Bett war sie dann total ausgeglichen und eigentlich haben alle besser geschlafen.
    Als dann Mini Nr.2 auf dem Weg war, haben wir uns für den Eigenbau einen 2.7m Familienbetts entschieden. Ins Bett gehen die zwei Mädels jetzt zusammen und haben auch kein Problem damit, wenn wir erst später dazu kommen. Und ein eigenes Bett ohne die uncoolen Eltern wollen die Kinder schon früh genug 😉

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    1. Nätty Beitragsautor

      So ein Eigenbau als Familienbett ist natürlich eine tolle Sache! Denn Kleiner werden die Krümel ja nicht 😉 Wir sind zwar nur zu Dritt, aber ein zwei Meter Bett kriegt die Kleene locker ausgefüllt und irgendwer hat immer einen Fuß im Gesicht.
      Ich denke auch, die Zeit regelt das schon und alle wollen lieber im eigenen Bett schlafen und ich wette dann vermisst man die Familienbett-Zeiten ab und zu.
      Liebe Grüße!
      Nätty

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