Stoff-Enten

Ich oute mich als Klammer-Mama …

Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber ich bin eine Klammer-Mama …

Auch wenn ich sehr oft darüber jammere, dass ich so wenig Zeit für mich habe, das ändert nichts daran, dass mir die Trennung von meiner Kleinen immer sehr sehr schwer fällt.

Ich musste das von Anfang an in kleinen Mini-Schritten lernen.

Schritt 1: Zahnarzttermin
Das allererste Mal, dass wir getrennt waren, war einige Wochen nach der Geburt. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie lange danach. Ich hatte einen Zahnarzttermin und mein Mann kümmerte sich um die Kleine.
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber als ich aus dem Haus ging, war es ein Gefühl, als würde etwas fehlen. Als wäre ein Teil von mir, der nun einfach zu mir gehörte, nicht dabei. Das war richtig heftig für mich. Denn ich muss dazu sagen, ich hatte mich tatsächlich auf diesen Abstand gefreut. Als Neu-Mama war ich nämlich nicht auf die krasse Lebensumstellung vorbereitet gewesen. Darauf, dass man für eine gewisse Zeit gefühlt kein Individuum mehr ist, sondern auf eine Art nur noch für dieses neue, kleine Menschlein lebte. Mir zumindest kam es vor, als wären wir eine Person … Und ich brauchte eine Auszeit! Einfach nur Ich-sein. Und wenn das nur bedeutete, dass ich allein zum Zahnarzt ging. Freiheit! Das zumindest hatte ich gedacht, aber als ich dann unterwegs war, vermisste ich mein kleines Herz so schmerzlich, wie ich es mir nie hätte vorstellen können … Dabei war ich nur eine Stunde unterwegs und mein Mann hat sich natürlich super um unsere Kleine gekümmert.
Naja, was soll ich sagen: es folgten weitere Zahnarzttermine und ich hab die Trennungen alle überlebt 😉

Schritt 2: Ein Essen mit Kolleginnen
Ich war wie in Trance, als ich das Haus verließ. Auch dieses mal hatte ich sehr darauf hingefiebert, dass ich endlich mal wieder etwas alleine unternehmen konnte. Doch auch dieses mal konnte ich es nicht wirklich genießen. Ich kam mir vor, als gehöre ich gar nicht in die normale Welt, sondern käme aus einer Parallel-Welt, in der es nur um Stillen, Wickeln und „Baby-zum-Schlafen-zubekommen“ ging. Durch den Schlafmangel war ich eh in den ersten Monaten leicht durch den Wind, dazu ein Beispiel: Ich kochte Erbsen, vergaß aber Wasser in den Topf zu füllen. Ich sag nur, jetzt haben wir einen Topf weniger ;))

Etwas konfus kam ich also im Restaurant an und war froh, dass ich keine Milchflecken auf der Kleidung hatte. Viel mehr Style konnte man von mir grad nicht erwarten. Ich freute mich riesig meine Kolleginnen zu sehen, aber so richtig konnte ich mich nicht auf die Gespräche konzentrieren. Ständig dachte ich, was wenn die Kleine Hunger bekommt und das Fläschchen nicht nimmt? Was, wenn sie nur schreit … ? Was …? Und dann, oh Schreck, fiel mir auf, ich hatte keinen Handy-Empfang im Restaurant. Sofort stürmte ich nach draußen, schrieb meinem Mann, die Nummer des Restaurants und war ab da noch unruhiger. Ich scharrte regelrecht mit den Hufen. Bezahlte so schnell es ging, verabschiedete mich kurz bei meinen Freundinnen aus der anderen Welt und rannte zurück nachhause. Ähm ja, ihr habt richtig gelesen … Rannte …

Schritt 3: Spaziergang mit den Schwiegereltern
Auch hier kann ich nicht mehr genau sagen, wie alt unsere Kleine da war, vielleicht sechs Monate? Irgendwie war es von vorneherein zum Scheitern verurteilt, denn sie hasste Kinderwagen (wollte ja irgendwie keiner so richtig glauben „Alle Babys fahren doch gern im Kinderwagen/Auto …“ Nun ja, unseres halt nicht, zumindest in den ersten Monaten …). Was soll ich sagen? Nach zehn Minuten waren Schwiegereltern schweißgebadet mit schreiendem Baby zurück und ich war sooo froh meine Kleine wieder zu haben. Vielleicht, aber nur ganz vielleicht hatte ich sogar etwas geweint … Denn es war das erste Mal das die Kleine weder bei mir noch bei meinem Mann war …

Schritt 4: Allein bei meinen Eltern
Das erste Mal alleine mit meinen Eltern war die Kleine mit 8 Monaten. Wir waren im Familien-Urlaub und hatten alle Appartments in derselben Anlage. Das war super praktisch. Einmal war die Kleine bei meinen Eltern und wir haben in Ruhe gefrühstückt und einmal waren wir essen. Nur mein Mann und ich. War voll ungewohnt, aber richtig schön und ich konnte es sehr genießen. Und danach klappte es zuhause dann auch, dass Schwiegermama allein mit der Kleinen spazieren ging. Mit Vollendetem 9. Monat war auch die Fremdelphase glücklicherweise vorbei und der Buggy war und ist nun sehr beliebt bei der Maus.

Schritt 5: Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter
Die hat richtig super geklappt (Siehe: Erste Schritte in die große, weite Welt).  Kurz zuvor erschien mir der Gedanke, die Kleine 24 Stunden in der Woche abzugeben, ziemlich unerträglich. Aber nach der tollen Eingewöhnung fühle ich mich jetzt richtig gut mit der Entscheidung wieder arbeiten zu gehen. Allerdings bin ich froh, dass es für mich möglich ist in Teilzeit zu arbeiten, denn eine längere Trennung würde ich dann wahrscheinlich doch nicht aushalten … Auch wenn ich oft jammere, wie anstrengend es ist ein Kleinkind in der Trotzphase zu betreuen 😉

Schritt 6: Einen Babysitter mit meiner Kleinen spazieren gehen lassen
Puh … Das erschien mir auch lange unvorstellbar. Und nur ganz zufällig hat es sich ergeben, dass meine Kleine heute mit 15 Monaten das erste Mal mit einer Babysitterin unterwegs war.
Da ich in den ersten Monaten mit Baby selten zum gründlichen putzen kam und mein Mann und ich uns einig waren, dass das nicht besser würde, wenn ich wieder arbeiten ginge, stellten wir eine Putzhilfe ein. Diese war zufällig Mutter von Zwillingen und verstand sich auf Anhieb glänzend mit dem Töchterlein. Selbst in der Fremdelphase, war die Kleine ihr gegenüber sehr offen. Seit August kennen wir uns nun und haben uns auf Anhieb gut verstanden.
Irgendwann schaffte ich nach und nach doch wieder mehr im Haushalt, als die Kleine sich etwas besser beschäftigen konnte oder mir „helfen“ konnte. Ab da fand ich es praktischer, dass unsere Putzhilfe aufs Töchterlein aufpasste, während ich Sachen im Haushalt machte, die mit Kleinkind nicht so schnell zu erledigen sind. Die Kleine war begeistert und lachte super viel beim Spielen. Es war schön den beiden zuzuhören. Ich hatte das Gefühl, dass beide richtig Spaß hatten. Das bewog mich dazu, ja zu sagen, als meine – nun – Babysitterin mich fragte, ob sie heute mit der Kleinen spazieren gehen könne. Trotzdem war es ein komisches Gefühl, die beiden gehen zu sehen. Der Klammer-Mama in mir ist es schwer gefallen.

Und die Kleine? Hat mir fröhlich gewunken zum Abschied und mich nach einer Stunde genauso fröhlich wieder in die Arme geschlossen.

Oh man, sie werden so schnell groß …

Und dieses Wochenende folgt Schritt 7:
Ich werde das erste mal woanders übernachten ohne die Kleine. Ich bin so aufgeregt!
Wie das gelaufen ist, werde ich euch dann demnächst hier berichten 😉

Eure Nätty

6 Gedanken zu „Ich oute mich als Klammer-Mama …

  1. Beatrice

    DAS kenne ich! Ich habe jedes Mal heimlich geheult, wenn ich meine Kinder das erste Mal an jemand anders übergeben habe. Und wenn es der Papa oder die Oma war. Egal. Es war jemand anderes. Da half auch nicht, dass ich 100% wusste, dass sie gut aufgehoben waren. Um so älter sie würden, um so leichter wurde es.
    Und obwohl ich mich immer freue, wenn die Kinder im Kindergarten sind, da gehen sie zum Glück auch sehr sehr gerne hin, freue ich mich noch mehr, wenn ich sie wieder abhole! Und wenn ich morgens mit der Jüngsten alleine unterwegs bin, ist das einerseits zwar sehr entspannt im Vergleich zu mit 3 Kindern unterwegs zu sein, aber da fühle ich mich auch nicht vollständig!
    Und die super seltenen Wochenenden, an denen die Kinder alle drei bei Oma und Opa schlafen, sind zwar einerseits sooo himmlisch, ich könnte sie auch immer etwas verlängern, und dennoch fahre ich immer einen ticken früher los, um sie abzuholen, als nötig. Das ist alles sehr schizophren mit dem Kinderhaben. Lg Beatrice

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    1. Nätty Beitragsautor

      Schizophren trifft es sehr gut :DDD Schön zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die anfangs bei Trennungen nah am Wasser gebaut war 😉 Also ändert es sich anscheinend so schnell nicht, dass man seine Kleinen dolle vermisst, auch wenn man natürlich seine freie Zeit genießt. LG, Nätty

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  2. Sari

    MIr kommt das so bekannt vor.Ich mag es gar nicht die Kontrolle aus der Hand zu geben…schreckliches Gefühl und ich muss auch immer wieder größte Überwindung aufbringen, um mich dann auch mal für einige Zeit zu trennen

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ja, das ist bei mir auch immer eine extreme Überwindung. Ich hätte niemals gedacht, dass es so hart ist. Wenn die Kleine bei meinem Mann ist oder bei der Tagesmutter (meiner Tante), ist alles ok und ich fühle mich wohl, aber bei allen anderen ist es immer noch komisch … Mit 14 Jahren hab ich als Babysitter gearbeitet, war mit den Kleinen spazieren und auf dem Spielplatz, hab sie gefüttert und gewickelt, war da als sie nach dem Mittagsschlaf aufgewacht sind … Und heute, als Mama könnte ich es mir überhaupt nicht vorstellen mein Baby einem 14-jährigen Mädchen anzuvertrauen … Manchen scheint es generell so leicht zu fallen ihre Kinder fremdbetreuen zu lassen. Ich kenne Mamis, die ihre Kleinen sehr oft und auch übers Wochenende mal abgeben, aber da bin ich noch nicht bereit für. Vielleicht fällt es mir irgendwann leichter, wenn die Kleine sprechen kann? Dann kann sie den betreuenden Personen auch sagen, was sie möchte und mir sagen, ob alles ok war. Naja, wir werden sehen 😉 Dir übrigens nochmal alles, alles Liebe zu deinem kleinen Heldenkind!!!

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  3. Mama in Hamburg

    Oh ja, das kenne ich gut. Einige Wochen nach Kringelchens Geburt war ich kurz shoppen, ich brauchte Stillshirts. Ich war eine halbe Stunde weg und habe das Handy keine Sekunde aus den Augen gelassen. Natürlich hat der Kleine gemütlich auf Papas Arm geschlafen, aber ich war so nervös.

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ja, das ist unglaublich, oder? Wie sehr man sein Baby vermissen kann. Sogar wenn man nur eine halbe Stunde weg ist. Andererseits vielleicht doch nicht so unglaublich, denn nicht nur das Baby war es zuvor 40 Wochen lang gewöhnt, immer bei Mama zu sein und muss nun lernen auch mal getrennt von ihr zu sein .. Auch die Mamas müssen erst wieder lernen, ohne ihr Baby zu sein. Ich finde es sooo schön zu lesen, dass das doch irgendwie bei allen Mamis ähnlich ist <3

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