Helikopter-Mama meckert rum

Erkenntnisse einer meckernden Helikopter-Mami …

(… die gerne eine Bilderbuchmama wäre)

Seit letzter Woche plagt das Bilderbuchmädchen und mich eine Husten- und Kopfschmerzreiche Erkältung.

Wäääh … 

Und soll ich euch was sagen? Wir haben trotzdem fast alle unsere Termine durchgezogen. Wir waren im Irrland, haben uns mit der Krabbelgruppe getroffen, einen Sandkasten*  mit Papa aufgebaut (ok, Papa hat aufgebaut während wir im Weg rumstanden) und den Sand dafür besorgt. Alles erledigt, aber warum haben wir uns nicht einfach drinnen etwas Ruhe gegönnt? Hahahahahaha … (Ihr hört mich leicht hysterisch lachen).
Ähm, solange kranke Kleinkinder nicht mit 40 Fieber im Bett oder wahlweise in Mamas Armen liegen, gibt es zuhause keine Ruhe. Nicht für die kranke Mama und nicht fürs kranke Kleinkind. Solange man es noch irgendwie schafft sich aus dem Haus zu schleppen, ist es dort auf jeden Fall weniger anstrengend als drinnen. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Ich war trotzdem durchgehend müde und platt und hab nur das Nötigste auf die Kette bekommen. In den ersten Tagen war auch noch die Laune meiner kleinen Maus total im Keller. Vermutlich weil es ihr so mies wie mir ging. Diese Vermutung änderte leider nichts daran, dass ich hätte ausrasten können!
Denn nichts, aber auch gar nichts konnte man der Bilderbuch-Madame zu der Zeit Recht machen.
Ehrlich, ich habe versucht geduldig zu sein und trotz hämmernder Kopfschmerzen nicht auszurasten, weil die Kleine ständig nur gebrüllt hat. Und das obwohl ich versucht habe – ganz attachment-parenting-like – zu agieren (hat dann irgendwann auch so gar nicht mehr geklappt). Ein Beispiel: Normalerweise lasse ich ja gern mal mit mir reden, wenn es um die Wahl der Jacke geht. Heute nicht die blaue? Nun gut, dann vielleicht die pinke zur roten Hose oder bis zum Auto lieber gar keine? Bin vollkommen offen für die Meinung zu diesem Thema und das Bilderbuch-Mädchen darf gern entscheiden.

Nicht so aber letzte Woche, denn egal, was ich nach ihrem lauten „Neiheihein!!!“ – Geheule als Alternative vorschlug, es wurde danach nur noch lauter geschrien. Mit dem Gesichtsausdruck, der sagt: „Keiner versteht mich! Warum tut Mama mir das an! Nie machen wir was ich möchte (was immer das in diesem Moment war …) Die Welt ist soooo ungerecht!“ Kennt ihr den Gesichtsausdruck auch von euren Kleinen?

Und irgendwann ist einfach Schluss. Dann wird halt die blaue Jacke angezogen, trotz Schreien. Dann laufen wir halt unter Geschrei zum Auto, was will man machen, wenn man nun mal Termine hat?

Weitere Schreigründe lieferten in der letzten Woche unter anderem:

  • Unsere Uneinigkeit darüber, wieviele Obst-Quetschies ein Kleinkind am Tag verdrücken darf.
  • Die Frage, warum Spülen nicht bedeutet, dass man das Wasser volle Kanne aufdreht und die Hand direkt darunter hält, um somit die ganze Küche unter Wasser zu setzen.
  • Die Diskussion darüber, warum man als Kleinkind mit dem Laufrad auf dem Bürgersteig zu bleiben hat und nicht auf die Straße fahren darf.
  • Das abendliche ins Bett bringen. Das hat mal wieder katastrophalte Zustände angenommen, die wir aber zum Glück nach drei Nächten klären konnten.
  • Alle möglichen Kleinigkeiten … Sie wissen schon.

Vor meinem inneren Auge zog ich schon einen kleinen Tyrannen heran.

Ein Kind, dass nur schreit, sobald es seinen Willen nicht bekommt und einem auf der Nase herumtanzt. Und was hatte man mich gewarnt. Da war es: das verzogene Kind, das keine Grenzen kannte. Hah, verwöhnt! Selber Schuld. Haste jetzt davon!

Doch dann fiel mir etwas auf. Ok, zugegebenermaßen bin ich nicht ganz allein drauf gekommen. Am Dienstag waren das Bilderbuch-Mädchen und ich bei einem Treffen mit einigen Müttern von der alten Krabbelgruppe und wir kamen auf das Thema Wutausbrüche bei Kleinkindern zu sprechen. Und ja, es wurde ein Zusammenhang hergestellt zwischen Mamas Laune und der des Kindes. Wir alle kamen überein, dass die Kinder wirklich viel öfter ihrer Wut freien Lauf lassen, wenn auch Mama einen schlechten Tag hat und z. B. besonders viel motzt.

Und jetzt ratet mal … Ja, in den Erkältungstagen haben wir uns gegenseitig so richtig schön aufgeschaukelt. Schlimm. Ich war nur noch gereizt. Mich hat aber auch alles gestört. Denn jedes Mal, wenn ich etwas verbieten musste und das Bilderbuchmädchen lautstark ihren Unmut äußerte, war ich unverhältnismäßig genervt. Mir ging es ja schlecht. Mein Kopf und so … Aber dem Bilderbuch-Mädchen ging es auch schlecht. Husten und so … Kann einem schon mal die Laune vermiesen. Daher wohl auch die noch häufigeren Wutausbrüche als sonst schon in der Autonomie-Phase. Mein Nervenkostüm war nur noch hauchdünn. Ein umgekippter Kakao? Gleich eine Katastrophe für mich. Ich holte schon aus zu meiner üblichen Predigt: „Pass doch bitte mal besser auf. Hampel nicht so rum auf deinem Stuhl. Jetzt müssen wir dich noch umziehen … etc. Zeter – Blablablub.“

Da zitierte meine Maus aus einem Bilderbuch: „Das war der Kakao … ‚Macht nichts,‘ sagt Mama und wischt den Tisch sauber. Dann holt sie einen neuen Pullover.“

Wahnsinn …

Ich bin vollkommen verdattert. Erstens, weil sich die kleine Madame soviel merken kann und zweitens, warum die liebe Bilderbuch-Mama so locker flockig: „Macht nichts,“ flötet und ich schon wieder nur am Meckern bin und zwar auf 180. Mein Dauer-Mecker-Modus geht mir dabei ja selbst schon auf den Keks. Kein Wunder, dass der bei meiner Maus zu Wutausbrüchen führt.

Nun gut, trotz „Bilderbuchbaby“ werde ich wohl so schnell keine Bilderbuch-Mama, die immer nur gutmütig und entspannt jede Lebenslage annimmt (meine Omi konnte das ja), aber ich gebe mir Mühe weniger zu meckern. Versprochen. Vielleicht wird ja dann auch weniger zurückgemeckert.

Abends in einem Gespräch mit meinem Mann kam auch noch heraus, dass ich weniger bei belanglosen Sachen motzen könnte, dafür vielleicht öfter mal bei wichtigeren Dingen eine Grenze ziehen sollte. Reden hilft ja ungemein. Während unserem Gespräch fiel auf, dass ich echt übervorsichtig bin. Ich verbiete häufig Dinge, weil ich weiß, dass sich das Bilderbuchmädchen wehtun KÖNNTE, WENN DENN etwas schiefgehen sollte. In Wirklichkeit traue ich ihr oft zu wenig zu und selbst wenn sie sich mal eine Beule abholt, dann lernt sie daraus, das nächste Mal vorsichtiger zu sein. Ich alte Helikopter-Mama. Auch auf diesem Gebiet versuche ich mich zu bessern. Mein Kind soll ja auch aus Fehlern lernen dürfen. Außerdem nimmt sie mein „Nein!“ vielleicht auch etwas ernster, wenn ich nicht bei jeder Kleinigkeit panisch damit um die Ecke komme 😉

So viele Erkenntnisse in der letzten Woche. Man lernt wirklich nie aus. Erziehung ist echt gar nicht so einfach. Leider werden diese Kinder ja alle ohne Betriebsanleitung geliefert und wenn ich auch sonst keine lese, gäbe es eine für mein Kind, ich würde sie verschlingen ;)))

Eure Nätty

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10 Gedanken zu „Erkenntnisse einer meckernden Helikopter-Mami …

  1. neverlookedsobeautiful

    Oh, ich kenne das auch. Bei mir ist es oft so, dass ich nach manch hartem Tag echt fertig bin und dann schreit Mäusekind und macht ein riesen Drama, weil sie mal wieder nicht ins Bett will, oder weil sie nicht gewickelt werden will, oder weil sie erst trinken, dann doch nicht trinken will, oder, oder, oder. Es ist echt schwierig dann noch cool zu bleiben, auch ich bin dann genervt und ruppig, einfach weil ich selbst nicht mehr kann. Wir sind eben auch nur Menschen und ich glaube, dass wir im Großen und Ganzen unsere Sache auch ganz gut machen. Vielleicht hilft es einfach, sich vor Augen zu führen, dass wenn wir in der jeweiligen Situation Ruhe bewahren auf jeden Fall für alle Beteiligten Schärfe aus der Situation nimmt. Aber wie gesagt, ein Patentrezept hab ich auch nicht, sonst wäre ich schon Millionär ;-). Du bist edenfalls nicht allein und ich kann dich super gut verstehen!

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    1. Nätty Beitragsautor

      Du hast Recht. Man ist einfach nur ein Mensch und wenn die Belastungsgrenze erreicht ist, dann passiert es leider schon mal, dass man die die Samthandschuhe einpackt. In vielen Situationen reagier ich aber jetzt schon besser als vor der Selbstreflexion. Bestimmt nicht immer perfekt und es werden sicher noch sehr stressige Tage kommen, an denen ich wieder an die Grenzen kommen, aber ich bin stolz auf mich, dass ich mich schon bessern konnte 🙂 LG

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  2. Pingback: #Familienmoment Nr. 12 – Zähneputzen und was fürs Herz und noch mehr! | BilderbuchBaby – Bilderbuchfamilie? Gibt`s nicht. Die Wahrheit über den Mama-Alltag!

  3. alexakimo

    Ich kann das auch nur bestätigen, auch mit direktem „Experiment“: Die Kleine war am Motzen und Meckern, fand dauernd Dinge, daß sie abends wieder aufstehen „mußte“ etc. Ich war genervt und ebenso am Motzen, auf 180. Da der Papa anwesend war und ich sowieso mal mußte, bin ich dann stinkwütend aufgesprungen und habe mich in der Toilette eingeschlossen. Da habe ich dann mehrfach tief eingeatmet und versucht, mich trotz schreienden und an der Tür rüttelndem Kleinkind zu beruhigen. 100% hat es nicht geklappt, aber immerhin bin ich ewas ruhiger geworden, habe mich dann auf Augenhöhe begeben und nochmal in normaler Lautstärke festgestellt, daß das, was sie durchsetzen wollte, jetzt eben nicht geht. Und siehe da, keine fünf Minuten später war der Spuk vorüber und alles in Butter.
    Leicht war es trotzdem nicht für mich, da ein bißchen runter zu fahren. Und eine Betriebsanleitung fürs Kind wäre himmlisch! Müßte natürlich für jedes Kind eine geben, da sie ja alle einzigartig sind. 🙂

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ich finde es auch sehr schwierig immer ruhig zu bleiben. Aber ich habe mich schon gebessert. Grad ist es aber auch einfach, da ich Urlaub habe und ohne feste Termine ist es immer einfacher ruhig zu bleiben 😉 Dein Kommentar beruhigt mich auf jeden Fall, Es scheint ganz normal zu sein auch mal einfach nicht mehr zu können und dann gereizt zu reagieren. Wir sind halt nur Menschen 😉
      Ganz liebe Grüße,
      Nätty

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  4. Sandy

    Wie war wie war …..
    Ich spiegele mich gerade in deinem schreiben
    Also ich werde mich bessern
    Und hoffe meine beiden Zwerge tun das auch ☺️
    Tat richtig gut zu lesen ….
    Wie du schon schiebst… es tut gut zu wissen das man nich allein damit ist

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    1. Nätty Beitragsautor

      Schön, dass dir der Artikel gutgetan hat. Das freut mich total! Mir hat es auch gutgetan alles niederzuschreiben. Wir sind ja alle nur Menschen. Keiner ist perfekt und ich glaube manchmal erwarten wir sowohl von uns, als auch von den Kindern viel zu viel.
      Dieser Artikel ist ja schon etwas älter. Leider falle ich auch ich ab und an nochmal in meine alte Rolle zurück. Manchmal kann man einfach nicht anders im hektischen Alltag … Dann merke ich immer sofort, dass auch meine Kleine viel unentspannter wird. Ist die Phase dann vorbei, geht es direkt wieder besser 🙂
      Ich wünsche dir alles Liebe und viel Kraft für den Alltag mir deinen beiden Zwergen <3

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