Erster Schritt in die große, weite Welt …

ODER: Die Tagesmutter – Mit Eingewöhnung für Baby (und Mama)

Bevor ich Mama war, stellte ich es mir sehr einfach vor, mein Kind später einmal zu einer Tagesmutter zu geben. Meine Kriterien für die spätere Betreuungsperson waren:

  • Muss einen freien Platz haben.
  • Muss möglichst im Ort oder auf dem Weg zur Arbeit sein.

Haha, das änderte sich seeehr schnell als die Kleine da war. Mein kostbarster Schatz 😉

Die KriterienLISTE sah dann so aus (stark gekürzte Fassung):

  • Muss einfühlsam sein.
  • Muss meine Ansichten teilen.
  • Muss freundlich und kreativ sein.
  • Muss verantwortungsvoll sein.
  • Muss liebevoll sein.
  • Muss gut kochen können.
  • Haus muss sauber und sicher sein.
  • Sie sollte eine nette Familie haben.
  • Sie sollte mir gegenüber offen und ehrlich sein.
  • Mir und der Kleinen gegenüber geduldig sein.
  • Und Gelassenheit wäre mir noch wichtig …
  • und …

Ähm, ich könnte die Liste endlos fortführen.

Zu meinem unglaublichen Glück, ist meine Tante „Tagesmutter“. Bevor ich Mama war, hatten wir nicht so viel Kontakt. Als sie erfuhr, dass ich schwanger war, bot sie mir trotzdem sofort an, für meine Kleine einen Platz freizuhalten. Ich sage es ganz ehrlich, ich fand das damals sehr nett, aber sie wohnte ja gar nicht bei mir im Ort oder auf meinem direkten Weg zur Arbeit … Erst heute weiß ich richtig zu schätzen, was für ein tolles Angebot sie mir da gemacht hat!!!

Als die Kleine also geboren war und es ans Thema Fremdbetreuung ging, war mir klar, die Kleine geht zu meiner Tante und sonst niergens hin! Denn meine Tante erfüllt alle meine Wunschlisten-Kriterien. Ich fahre zwar nun täglich einen kleinen Umweg (ca. 6 km / Strecke), aber das ist es Wert!

Vor der Eingewöhnung bei der Tagesmutter sah ich dem Ende meiner Elternzeit mit gemischten Gefühlen entgegen. Ich freute mich darauf, wieder mehr Abwechslung im Alltag zu haben, gleichzeitig erschien es mir unvorstellbar mein Baby ganze 24 Stunden in der Woche abzugeben. Quasi einen GANZEN Tag! Irgendwie kam es mir falsch vor das kleine, hilflose Wesen in „fremde“ Obhut zu geben. Am liebsten hätte ich weniger Stunden gearbeitet oder zumindest weniger Tage, aber das war leider nicht möglich. Also Augen zu und durch.

Die Eingewöhnung war dann vor ca. 4 Monaten. Es klappte von Anfang an viel besser als ich dachte. Die Fremdelphase meiner Kleinen war vorbei und ich hab gemerkt, dass sie bereit ist etwas Neues kennenzulernen. Von wegen kleines, hilfloses Wesen … Es war schön zu sehen, wieviel Spaß sie hatte. Mit den anderen Kindern, den vielen Spielsachen und den ganzen neuen Eindrücken.

An den ersten Tagen der Eingewöhnung war ich immer komplett dabei. Wir waren jeden Tag ca. 2 Stunden vor Ort. Dann war ich an 2 Tagen während unserer Besuche bei der Tagesmutter zwischendurch je eine halbe Stunde weg.
Das klappte super. Also erhöhten wir meine Abwesenheit die nächsten 2 Tage auf die ganzen 2 Stunden. Und zum Schluss blieb meine Kleine dann auch den Mittagsschlaf über da. Den hatten wir glücklicherweise mittlerweile ins eigene Bett verlegt. Ziemlich lange konnte die Kleine nur auf oder an mir schlafen. Siehe Projekt Mittagsschlaf

Es war also alles entspannt. Bis es dann Ernst wurde. An meinen ersten beiden Arbeitstagen, (an denen ich auch noch direkt eine Schulung hatte, und dadurch erst um 17:00 Uhr wieder bei der Tagesmutter sein konnte), weinte meine Kleine morgens bitterlich als ich ging. Das hat mir fast das Herz zerrissen. Sie hat sich richtig an mich geklammert. Aber meine Tante konnte mir und der Kleinen die nötige Sicherheit vermitteln.
Sie hat sehr viel Erfahrung in ihrem Job und meinte, dass das Schlimme häufig nur der kurze Moment ist, wenn die Kleinen einen Gehen sehen. Sobald man weg ist und gefrühstückt oder gespielt wird, geht es meist besser. Vor allem wenn die Eingewöhnung so gut war. Also hieß der Rat die Verabschiedung liebevoll, aber kurz halten.

Dennoch, als ich die Tür zwischen mir und meiner weinenden Tochter schloss, hab ich auch ein paar Tränchen verdrückt und mich gefragt, ob es die richtige Entscheidung war, nur ein Jahr Elternzeit zu machen …

Aber zu meiner Erleichterung bekam ich schon kurze Zeit nachdem ich weg war eine Bildnachricht von meiner fröhlich spielenden Tochter.

In den ersten Tagen auf der Arbeit hab ich oft gedacht: So jetzt frühstückt die Kleine grad, jetzt ist sie grad turnen, jetzt isst sie Mittag, jetzt weint sie bestimmt, weil sie nicht schlafen möchte … Aber das ging sehr schnell vorbei. Man (eine Zweifach-Mama aus der Krabbelgruppe) hatte mir (kleinen naiven Erstlings-Mama mit Trennungsängsten), prophezeit, dass man schnell wieder reinfindet, ins Arbeitsleben und auch darin, mal eine zeitlang ohne sein kleines Augensternchen zu sein. Tja, Recht hatte sie 😉

Mittlerweile haben Augensternchen und ich uns beide an den neuen Alltag gewöhnt. Ich genieße es, wieder arbeiten zu gehen. Yey, 5 Stunden am Tag mit Erwachsenen sprechen und allein auf Klo gehen!!! Luxus, Baby!
Und die Kleine? Die weint jetzt nicht mehr morgens beim Abgeben, sondern nachmittags, wenn ich sie abhole … Hm, finde ich das jetzt besser? 😉

Ja, denn das heißt, ihr geht es gut bei der Tagesmutter und sie fühlt sich wohl. Und ich kann mit einem guten Gefühl arbeiten gehen!

6 Gedanken zu „Erster Schritt in die große, weite Welt …

  1. Anna

    Sehr schöner Bericht! Auch wir haben uns entschieden, unsere Kleine erst mit 2 Jahren in den Kindergarten zu bringen und werden, wenn sie ein Jahr alt ist, eine Tagesmutter und eine Oma einspannen, die sich bereit erklärt hat, unsere Maus jeweils 2 Vormittage zu nehmen. Die Tante meines Mannes ist auch Tagesmutter und so war für uns von Vorneherein klar, dass sie zu ihr kommt, weil wir wissen, dass sie super mit Kindern umgehen kann. Auch mir wird es schwer fallen, aber es ist wohl wirklich so, dass es uns Müttern schwerer fällt als den Kids, was auch gut so ist. Angst habe ich schon davor, aber da es alle anderen auch geschafft haben, gehe ich davon aus, dass es auch bei uns funktionieren wird.
    Liebe Grüße!

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  2. Nätty Beitragsautor

    Hallo Anna,
    ja, das wird sicher auch bei euch gut klappen 🙂 Es ist wirklich einfacher wenn man die Tagesmutter oder jeweilige Betreuungsperson schon vorher kennt. Dann ist man selber entspannter und das merken die Kleinen ja auch. Und wie gesagt, noch als meine Kleine 6 Monate alt war, hätte ich mir nicht im geringsten vorstellen können sie solange bei jemand anderem zu lassen. Und nun merke ich, wie es uns beiden gut tut. Wenn sie etwas selbstständiger werden ist man so stolz auf sie. Und man selber hat auch wieder ein paar Stunden in denen man im Grunde nur für sich verantwortlich ist 🙂 Auch mal wieder schön. Liebe Grüße

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  3. Sari

    Obwohl die Eingewöhnung beim Minihelden damals seeeeehr aufwendig war, da er sich nur schwer trennen konnte (Einzelkind und einziges Kind in der gesamten Familie und somit massiv an die Aufmerksamkeit von fast ausschließlich Erwachsenen gewöhnt), beure ich meine Kitawahl nicht. Es ist ein Kinderladen und ich habe hart darum gekämpft, dass er da aufgenommen wird, da mir auch verschiedene Punkte wichtig waren… wenn man weiß, was man will, ist die halbe Miete schone rledigt ^^

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    1. Nätty Beitragsautor

      Hey Sari, Kinderladen hatte ich vorher noch nie gehört. Ich glaub das gibt es so bei uns auf dem Land gar nicht. Ich bin auch mal gespannt, wie es bei uns weitergeht. Möchte, dass die Kleine bis sie drei Jahre alt ist, bei meiner Tante bleibt. Da werde ich wahrscheinlich auch noch ein paar Hürden zu überwinden haben. Denn eigentlich ist es vom Kreis her lieber gesehen, wenn man den Tagesmutter-Platz dann freigibt und die Kleinen in den Kindergarten kommen 🙁 Aber wie du schon sagst, wenn man weiß was man will, ist das schon ein guter Anfang ;D

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