Die Wutprobe

Meine Kleine hatte heute einen leichten Wutanfall, weil sie nach dem Einkaufen partout nicht mit ins Haus wollte. Ich musste aber leider die Einkäufe drinnen verstauen. Also hatten wir wieder einmal einen Interessenkonflikt. Und davon hatten wir an diesem Tag schon einige …

Uneinigkeit herrschte u. a. morgens über das „Jacke-anziehen“, über das „Zum-Auto-getragen-werden“ und das „In-den-Kindersitz-gesetzt-werden“, nachmittags wäre Madame dann lieber noch etwas länger bei der Tagesmutti geblieben, weil man da ja mit haufenweise Spielzeug und anderen Kindern viel toller spielen kann, als allein zuhause mit Mama – die nebenbei auch noch Haushalt macht … Wie langweilig!

Wie abzusehen war, war die Autofahrt von der Tagesmutti nachhause dann auch nicht nach Töchterleins Geschmack, genau wie die darauffolgenden Fahrt im Kinderwagen zum Supermarkt.

Das „Mülltonnen-reinholen“ nach dem Einkauf war dafür wider Erwarten ein kurzer Lichtblick und hat der Kleinen sehr viel Spaß gemacht. Bestimmt, weil ich sie dafür aus dem Kinderwagen genommen habe und sie laufen durfte. Was ja leider zu anfangs erwähntem Wutanfall führte.

Da sie aber mit ihren 14 Monaten definitiv zu klein ist, um unbeaufsichtigt draußen zu spielen, musste sie nun wohl oder übel mit reinkommen.

Ich trug sie also zum Haus, während sie einen auf Mehlsack machte und versuchte durch meine Arme zu rutschen. Als das nicht klappte, wand sie sich wie ein kleiner Aal und zu guter Letzt machte sie Anstalten sich kopfüber von meinem Arm zu stürzen. Mit Schwung natürlich. Dieses Kunststück konnte ich glücklicherweise verhindern.

Ich ließ sie dann im Hausflur runter.
Nein, hier wollte sie nun auch nicht mehr runter …
Sie weinte bitterlich. Stand einfach da und ließ ihren Gefühlen vollkommen freien Lauf.
Als Neu-Mama – die vorher lange nichts mit Kindern zu tun hatte – ist man solche Gefühlsausbrüche gar nicht mehr gewohnt. Die meisten Erwachsenen haben sich ja ganz gut im Griff. Aber bei Kindern ist die Devise, was raus muss, muss raus. Und zwar sofort!
Durch die Blume gibbet nicht.
Ich konnte ihre Stimmung also genau an den traurigen Augen und dem schmollenden Mündchen ablesen:

Die Welt ist sooo ungerecht, das Leben hat sich gegen mich verschworen! Warum ist Mama sooo gemein? Niemand versteht mich! Und wann kommt eigentlich Papa nachhause?“

Und was macht man, wenn die ganze Welt über einem zusammenbricht? Man lässt sich trösten. Und von wem?
Von Mama natürlich! (Auch wenn die ja eigentlich Schuld an dem ganzen Schlamassel hat)

Da kam sie also angetappert, warf sich in meine Arme und heulte sich erst mal so richtig aus. Nach einer Weile hat sie den Reißverschluss meiner Jacke gefunden, machte ihn auf, sagte zufrieden: „Da!“, und schien ihr Stimmungstief schon wieder vollkommen vergessen zu haben …

Als naive Erstlings-Mama habe ich bis vor kurzem immer versucht, der Wut entgegen zu wirken. Mit allen möglichen Ablenkungen. Aber manchmal muss man den Kleinen ihre Wut einfach lassen. Die verraucht teilweise erstaunlich schnell. Und bestimmt ist es gesund, sich einfach mal so Luft zu machen. Wer weiß, vielleicht würde es uns Erwachsenen auch manchmal gut tun 😉

Wobei oder weswegen bekommen eure Kleinen denn so richtige Wutanfälle? Und was macht ihr wenn es wieder mal soweit ist?

6 Gedanken zu „Die Wutprobe

  1. Jessi

    Oh, wie gut mir so ziemlich genau dieses Szenario bekannt vorkommt… Nur dass meine kleine Meckermaus schon 17 Monate auf dem Bückelchen hat – und glaube mir, es wird nicht besser 😉
    Da wir es hier mit einem kleinen Sensibelchen zu tun haben, kann wirklich alles einen Jammer- bis Bockanfall auslösen, was in dieser Millisekunde nicht ins Schema des kleinen Köpfchens passt. Da hilft auch nur: ausbocken und wütend sein lassen, bis sie bereit ist zum getröstet werden. Kinder dürfen wütend sein und lernen, mit dem Gefühl umzugehen. Leider ist das manchmal nur so komisch an und für sich, dass ich darüber lachen muss. Verstehen nicht alle Leute in der Öffentlichkeit. Mütter meist schon 😀

    Liebste Grüße,
    Jessi

    PS: Schöner Blog, ich komm jetzt öfter vorbei 😉

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    1. Nätty Beitragsautor

      Oh ja, das mit dem Lachen-müssen kenne ich sehr gut. Die Kleinen sehen aber manchmal auch so süß aus, wenn die Schmoll-Lippe hervorkommt …
      Freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt 🙂 Dein Blog ist auch sehr spannend! Du hast ja einen echt coolen Beruf!
      Liebe Grüße zurück, Nätty

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  2. Sari

    Ich hab festgestellt, dass sie sich in den Ärger, die Trauer oder das Weinen viel mehr hineinsteigern, je mehr man sich ihnen zuwendet in diesem Moment, denn so bleibt die Aufmerksamkeit ja gewiss. Manchmal hilft es wirklich einfach ein paar Minuten verstreichen zu lassen, damit sie innerlich wieder ruhiger und äusserlich dann auch wieder aufnahmefähiger werden. Dennoch, dieses hilflose Gefühl als Mutter bleibt in dem Moment nicht aus…

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    1. Nätty Beitragsautor

      Ja, das stimmt. Das hilflose Gefühl bleibt und an manchen Tagen ist es echt nervenaufreibend den 20. Wutausbruch zu ertragen … Aber wenn man sich schon mal damit abfindet, dass man eh nichts dran ändern kann, ist es schon etwas nervenschonender, als wenn man ständig versucht den Wutausbruch zu beenden ;D

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  3. Kiwimama

    Hehe, ich sag es jetzt noch, aber ich freu mich schon total auf solche kleinen Wutanfälle! Und ich bin mir sicher, in einem Jahr werde ich es bereuen, das jemals von mir gegeben zu haben 😉
    Aber die Sache mit der Mülltonne war ja mal echt niedlich 🙂

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    1. Nätty Beitragsautor

      Naja, auch wenn die Wutanfälle manchmal an den Nerven zerren, es ist schon toll zu sehen, wie sich die Kleinen immer weiterentwickeln. Dazu gehört nunmal auch ein eigener Kopf 😉 Kann verstehen, dass du dich schon drauf freust 🙂

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