Wochenbettstation

Die Wochenbettstation

Weiter gehts im Text. Auch wenn es nun schon fast 10 Wochen her ist, möchte ich euch gern noch von meinen Erfahrungen auf der Wochenbettstation berichten. Wie ich schon befürchtet hatte waren die nicht ganz so rosig wie meine Erfahrungen im Kreißsaal. Aber besser so als andersherum ;DDD

Nach der Kuschelzeit im Kreißsaal ging es mit unserem Januar-Flöckchen aufs Zimmer. Und da war er wieder, mein Albtraum …

Die Einrichtung

Dreibettzimmer mit Ausstattung aus den 70iger Jahren. Lieblos, abgewetzt und unkomfortabel eingerichtet. Vollbelegt. Mit den drei Babybettchen dazu (eher so Schiebeglaskästen) glich das Zimmer einem Tetris-Spiel. Das Nachbarzimmer war übrigens auch vollbelegt. Warum ich das Nachbarzimmer erwähne? Yeah, weil man sich in diesem Zimmer die Toilette teilen darf. Die Toilette liegt zwischen den Zimmern. Wenn jemand auf der anderen Seite vergessen hat die Tür zu deiner Seite des Zimmers nach dem Toilettengang wieder zu entsperren ist, das eher so semi-lustig. Vor allem Nachts …

Duschen in der Nähe der Zimmer gab es bei meinem letzten Aufenthalt dort auch nicht. Die waren weit weg und vollkommen unpraktisch. Es gab keinerlei Ablagemöglichkeiten, weder für Handtücher noch für Klamotten oder Hygiene-Artikel. Dieses Mal hab ich das Duschen einfach auf zuhause verschoben und immer nur Katzenwäsche betrieben.

Was in Bezug auf die Zimmer-Einrichtung auch schade ist, ist, dass es keine Wickeltische oder gemütliche Möglichkeiten zum Stillen gibt.
Das Schöne ist, dass man sein Baby rund um die Uhr bei sich haben kann. Ich weiß zwar nicht, ob es noch Krankenhäuser gibt, wo man das nicht darf, aber ich erwähn es mal positiv. Da das Flöckchen aber schon in der zweiten Nacht nicht mehr so verschlafen war, dass sie nachts allein in dem dafür vorgesehenen Schiebe-Glaskasten geschlafen hat, hab ich sie neben mir im Krankenhausbett schlafen lassen. Was natürlich bedeutete, dass ich nicht schlafen konnte, da ich ja aufpassen musste, dass sie nicht rausfällt. Warum kann man auf Wochenbettstationen nicht Beistellbetten anbieten, die ans Bett der Mütter grenzen? Das wäre echt schön. Hab aus Interesse mal gegoogelt und das gibt es in einigen Kliniken.

Wie auch immer, nicht jede Mama möchte in den ersten Tagen mit dem Kind im gleichen Zimmer schlafen. Es gibt Mütter, die zum Beispiel nach einer schweren Geburt so erschöpft sind, dass sie jede Sekunde Schlaf brauchen. Vielleicht war das bei meiner Bettnachbarin der Fall. Sie hatte ihr Baby abends immer in den Schwestern-/Stillraum gebracht. Dort konnte man sein Baby betreut schlafen lassen. Oder nur zum Stillen und Wickeln mit seinem Baby dort hintigern wie ich. Nunja, das Blöde ist aber, dass Babys nachts ja nicht durchschlafen, also wurde meine Nachbarin immer nachts angerufen, wenn sie ins Schwesternzimmer zum Stillen kommen musste. Und da mein Baby ja bei mir schlief, wachte es vom Telefonklingeln wieder auf. Arrrgh …

Am zweiten Tag auf der Wochenbettsation wurde immerhin eine meiner Bettnachbarinnen entlassen und zu zweit war es schon mal nicht mehr so eng. Juchhu!

Die Betreuung

Die meisten Schwestern waren wirklich sehr sehr nett auf dieser Station. Bis auf eine, die, als ich sie mal etwas fragte (ich weiß nicht mal mehr was) antwortete: „Sie haben doch schon mal ein Kind bekommen.“ Gute Antwort. Hilft mir sehr weiter. Danke. Hm, ja, die Geburt ist über drei Jahre her und ich hab mir nicht alles gemerkt, was die ersten 24 Stunden nach der Geburt passiert ist.
Nun ja, aber alle anderen Schwestern waren wirklich sehr herzlich. Also die Schwestern für die Erwachsenen. Die für die Kinder größtenteils leider nicht. Herzlich muss ja auch nicht, aber auch freundlich oder hilfreich war bei den meisten zuviel verlangt.

Unterstützung beim Stillen?

In Sachen Stillen ist dieses Krankenhaus eh eine Katastrophe. Wo soll man da anfangen? Keine gemütlichen Stillgelegenheiten. Keine Ablagemöglichkeiten neben den Stühlen. Und die wären eigentlich echt nötig, schon allein, weil da ja eigentlich jeder Mama ein Stillhütchen in die Hand gedrückt wird, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Das irgendwo hygienisch ablegen zu können wäre schon schön. Oder etwas zu trinken neben einem Stillplatz abstellen zu können.
Meine letzte Stillphase dort mit dem Bilderbuchbaby hatte ich noch in äußerst schlechter und vor allem schmerzhafter Erinnerung. Auch hier begann alles mit Stillhütchen und Zufüttern.

Zufüttern ist in dem Krankenhaus übrigens auch Gang und Gebe. Wenn ein Kind schreit kriegt es sofort ein Fläschchen. Klar muss die Mama zustimmen, aber das machen in ihrer Verzweiflung viele, weil ja die Schwestern einem auch zu verstehen geben: „Du hast halt noch nicht genug Milch, das Kind hat noch Hunger …“

Wobei ich mich immer frage, wären all die Babys da früher verhungert? Also ehrlich, das ist doch Quatsch. Die Baby schreien oft und wollen oft an die Brust, ist doch normal in der ersten Zeit. Wahrscheinlich wird so die Milchproduktion schneller angeregt. Aber was weiß ich schon. Stolz wie Oscar schaffte ich es jedenfalls ohne Zufüttern und ohne Stillhütchen durch die erste Zeit. Meist stillte ich sogar auf dem Krankenzimmer, weil ich es selbst da gemütlicher fand als in dem Stillzimmer. Zum Wickeln musste ich ja leider doch hin. Aber im Gegensatz zu meiner Wochenbett-Stationszeit mit dem Bilderbuch-Mädchen, war ich mit Flöckchen so selten wie möglich dort. Leider klappte nach dem Milcheinschuss zuhause dann gar nichts mehr und Stillen wurde zu einem richtigen Drama und ich war mit den Nerven am Ende. Aber das ist eine andere Geschichte.

Last but not least … Der stressige Klinik-Alltag

Die Wochenbettstation war ja nicht nur beengend, unkomfortabel und still-unfreundlich, nein sie war auch noch schön stressig. Tagsüber war man nie allein wegen den Besuchern der anderen und morgens gab es Untersuchungen für einen selbst oder das Baby und natürlich schneite auch um 07:00 Uhr die Putzfrau all morgendlich herein. Gemütlich war es jedenfalls nicht.

Die Krönung war aber mein Entlassungstag. Ich wollte einfach nur raus aus dem Krankenhaus, wollte meine Ruhe und das Bilderbuch-Mädchen wieder in meine Arme schließen. Um entlassen werden zu können musste meine Enduntersuchung gemacht werden, eine Ultraschall-Untersuchung am Baby, Blutabnahme beim Baby und die U2. Und zwischendurch musste natürlich das Baby auch versorgt werden. Stillen, Wickeln, Liebhaben 😉 Mein Morgen begann mit stillen, wickeln und zusehen wie mein Baby in den Fuß gestochen wurde zur Blutabnahme ;( Dann sollte ich mit dem Baby ins Erdgeschoss zur Ultraschall-Untersuchung. Dort angekommen mussten wir lange auf einem zugigen Flur warten. Dann ging es wieder hoch und ich fragte, wann ich denn zur Enduntersuchung könne. Das wusste man noch nicht. Auch nicht, wann die U2 wäre. Die sollte eigentlich direkt nach dem Ultraschall erfolgen, doch der zuständige Arzt war schon wieder weg. Das Frühstück, das zwischen 08:00 und 10:00 im Essensraum aufgebaut war hatte ich mittlerweile verpasst.

Unausgeschlafen, nur notdürftig gewaschen und hungrig begrüßte ich meinen Mann, der mir zum Glück etwas zu Essen mitgebracht hatte 🙂 Uns wurde mitgeteilt, dass ich im Frühstückraum warten solle, die Gynäkologin würde mich dann zur Enduntersuchung abholen. Zur gleichen Zeit hieß es: Jetzt haben wir Zeit für die U2. Orrr … Zum Glück war ja mein Mann da. Der könnte dann ja die U2 machen, dachten wir. Aber nein, meine Anwesenheit wurde auch verlangt. Warum auch immer. Und so gab mein Mann schnell Bescheid, dass wir wegen der U2 nicht im Frühstückzimmer auf die Ärztin warten könnten, während ich mit dem Flöckchen zur U2 vorging. Als wir mit der Untersuchung durch waren, war die Ärztin nicht mehr da. Doch glücklicherweise hatte sie kurz darauf doch noch Zeit meine Abschluss-Untersuchung zu machen und wir durften uns fertig machen zum Gehen. Oh man, war ich glücklich.
Nur noch schnell packen, von den Schwestern verabschieden und sich im Still- und Schwesternzimmer abmelden und dann nichts wie raus. Ich war echt sowas von froh die Station verlassen zu können.

Das Bilderbuch-Mädchen, Oma und Opa und der Bilderbuch-Papa haben mich jeden Tag besucht. Manchmal auch mehrfach. Das war schön, aber es war auch so herzzerreißend zu sehen, wenn das Bilderbuch-Mädchen traurig war, dass sie nicht bei mir bleiben durfte. Ich hab doch oft geweint. Das Gefühl der Zerrissenheit war allerdings nicht nur eine Wochenbett-Erscheinung. Wie ich schon auf Twitter schrieb:

Die Liebe verdoppelt sich ja einfach beim zweiten Kind,
nur leider die Zeit jedem Aufmerksamkeit zu schenken nicht.

Alles Liebe,

Eure Nätty

2 Gedanken zu „Die Wochenbettstation

  1. Sari Kroschel

    Hachja, ich weiß auch nicht, warum es da noch keine so richtige Entwicklung gab. Beim ersten KInd hatte ich Glück. Ich kam eigentlich in ein zwei Bett Zimmer, aber war irgendwie immer alleine. Gut betreut fühlte ich mich aber nicht. Beim zweiten Kind hatten wir extra ein Familienzimmer gewählt, damit der große Bruder auch mal da bleiben konnte und wir unsere Ruhe hatten. War auch gut so, da ich ja körperlich ziemlich geschädigt war. Aber schön war es jetzt auch nicht unbedingt…. Schade, wo es doch gerade am Anfang so wichtig ist, dass man sich wohl fühlt.

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    1. Nätty Beitragsautor

      Das stimmt. Vielleicht ändert sich da ja bald mal was. Aber meine Hoffnung ist nicht groß. Das Krankenhaus ist hier im Umkreis eines der wenigen mit Baby und Kinder-Station, so dass viele es einfach wählen, weil man da die Sicherheit hat, dass die Babys sofort versorgt werden können falls etwas schief geht. Tja, da die Patienten sicher sind, wird wohl nicht viel geschehen in nächster Zeit.
      LG

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