Kaffeetisch

#RabenmütterErzählen: „Darf sie denn schon Kuchen?“

Zur Ernährung eines Babys hat ja jeder eine Meinung. Und leider behält die niemand für sich …

Das zumindest dachte ich mir oft, als meine Kleine vor gut einem Jahr zur Welt kam und mir von jeder Seite aus Kommentare zu dem Thema an den Kopf geschmissen wurden.

Zu Anfang ging es ums Stillen:

„Wird die Kleine denn auch satt?“
Das war eine sehr beliebte Frage. Bei jedem Schrei von ihr hieß es gleich: „Die hat bestimmt Hunger!“, „Oooch, hat sie Hunger?“.  Ja, genau … Weil Babys nämlich immer und grundsätzlich nur schreien, wenn sie Hunger haben … 

Diese Frage wurde wirklich zu meiner absoluten Hass-Frage. Ich hätte jedes mal ausrasten können. Sogar wildfremde Menschen, die ich beim Spazierengehen traf, bemerkten beim kleinsten Pieps meiner Tochter wissend: „Ach, da hat aber jemand Hunger!“
Aaaaahhhrg … Schrie ich innerlich auf. Machen Sie dass sie wegkommen! Ich hab gefühlt nur drei Stunden geschlafen in den letzten 6 Wochen und ich habe hier geladene Windeln und werde sie auch einsetzen, wenn es nötig ist!

Ok, zurück zum Thema. Weitere bei mir beliebte Fragen und Kommentare in der Stillzeit waren:

„Woher weißt du denn, dass sie genug getrunken hat?“

„Also, wir haben ja damals Schmelzflocken gegeben.“

„Hast du immer noch genug Milch?“

„Kriegt sie denn nie mal was anderes? Saft oder so? Für den Geschmack?“

„Wann kriegt sie denn mal Brei?“

„Also nach dem Abendbrei haben meine immer durchgeschlafen.“

„Waaaas, du stillst immer noch?“ (Diese Frage kam meist von den älteren Semestern, wenn sie mitbekamen, dass ich die Kleine mit vier Monaten IMMER NOCH stillte ) oder:

„Waaas, du stillst nicht mehr?“ (Meist gefragt von jungen Müttern, die mitbekamen, dass ich die Kleine mit sechs Monaten komplett abgestillt hatte).
Wie gesagt, bei diesem Thema will einfach jeder seinen Senf dazugeben.

Später ging es dann um die Brei-Mahlzeiten:

Als sich das Thema Stillen erledigt hatte, war meine Kleine wie erwähnt sechs Monate alt. Und spätestens, aber allerspätestens ab da ging es los: Irgendwie schien es keiner erwarten zu können, die Kleine ENDLICH mit Bananen, Keksen und Pommes vollzustopfen.

Ich hatte oft das Gefühl, ich müsste mich dafür rechtfertigen, dass ich meinem sechs Monate altem Baby keine Kekse gebe … Ich meine, sie hatte noch nicht einmal Zähne …
Doch selbst beim Kinderarzt wurde ich gefragt, ob sie denn schon Kekse gegessen hätte und auf mein: „Nein.“, wurden bedeutsame Blicke zwischen den Arzthelferinnen gewechselt: „Aha, schon wieder so ne Öko-Mutti …“

Dabei waren wir gerade erst mal dabei zu lernen wie man festere Sachen, wie zum Beispiel Brei isst. Denn alles will gelernt sein. Auch Essen. Und für mich war klar, dass meine Kleine die Zeit dazu bekommen sollte.

Anfangs habe ich jeden Löffel Brei, den sie runterbekommen hat richtiggehend gefeiert. Immer sofort eine Nachricht an den Papa geschickt: „Yey, heute waren es fünf Löffel weiße Karotte!“ Gezwungen, mehr zu essen als sie probieren wollte, hab ich sie nie.

Manche Aussagen haben mich damals echt traurig gemacht. Zum Beispiel eine aus der älteren Generation: „Unser Kleiner hat ja damals immer alles ausgespuckt, dann haben wir es immer wieder reingeschoben, bis es drin blieb …“

Babys müssen doch erst lernen, das Essen mit der Zunge in den Mund zu befördern. Und das Rausschieben ist halt ein normaler Reflex bei kleinen Babys. Die spucken doch anfangs nichts aus, um einen zu ärgern. Wenn nichts drin bleibt, dann ist es vielleicht einfach noch zu früh. So!

Tadaaa, beim Familienessen angekommen:

Das Brei-Essen funktionierte also irgendwann super und es gab bald das erste Brot mit zerdrückter Avocado oder Frischkäse. Und danach ging es gefühlt schnell, bis unsere Kleine vom Familientisch mitessen konnte. Sie war da ungefähr 11 Monate alt. Hach, was habe ich mich gefreut, dass ich nun für alle zusammen kochen konnte.

Zu Trinken bekommt sie stilles Wasser. Es hat lange gedauert, bis sie überhaupt was anderes als Milch trinken wollte. Wir haben einiges probiert, in unserer Panik, dass Kind könne dehydrieren: Tee, stark verdünnten Obst-Saft, verdünnten Gemüse-Saft. Doch Madame wollte nüscht von alledem.

Aber das Experimentieren wäre wohl auch gar nicht nötig gewesen, denn als sie soweit war, trank sie einfach Wasser. Damit ist sie vollkommen zufrieden und wir natürlich auch. Aber so manches mal müssen wir uns trotzdem anhören:
„Oh, die kleine bekommt nur stilles Wasser …“ Es folgt ein mitleidiger Blick.
Ja, was sind wir doch für Rabeneltern … Es gibt tatsächlich mit 13 Monaten noch keine Capri-Sonne 😉

Bis sie ein Jahr alt wurde, war es mir zudem noch wichtig darauf zu achten, dass sie wenig bis keinen Raffinade-Zucker zu sich nimmt oder allgemein zu gewürzte Speisen. So backte die Öko-Mami in mir ab und zu für sie Bananen-Dinkel-Kekse. Oder sie bekam Dinkelstangen zu knabbern. Auch dazu gab es diverse Kommentare.

„Lass sie doch auch mal ein Stück Kuchen essen …“, hörte ich nicht selten.

„Wieso?“, fragte ich mich. „Was man nicht kennt, kann man nicht vermissen.“

Solange sie glücklich an ihrer Dinkelstange geknabbert hat, während wir uns den Kuchen reingeschoben haben, haben wir das eben ausgenutzt. Und diese Zeiten sind ja früh genug vorbei, nicht wahr? 😉

Mit diesem Text habe ich bei der Blogparade #RabenmütterErzählen der lieben Kathrin vom Blog ÖkoHippieRabenmutter mitgemacht, den ich sehr empfehlen kann. Einfach witzig und frei nach Schnauze! So wie ich das mag 😉 Hab ihr vielleicht auch Lust bei ihrer Blogparade mitzumachen oder wollt einfach mal lesen, was andere Rabenmütter so erzählen? Dann schaut doch mal bei ihr rein: Öko-Hippie-Rabenmutter

7 Gedanken zu „#RabenmütterErzählen: „Darf sie denn schon Kuchen?“

  1. Nadine

    Wirklich sehr schön geschrieben. In deiner Schilderung findet man sich sehr gut wieder.
    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das Thema Essen die Gemüter sehr erhitzt. Ich habe meine Kinder ca. 13 Monate gestillt, natürlich nicht voll. Sie haben nicht eine einzige Flasche getrunken. Dafür bin ich von Müttern mit „Flaschenkindern“ total schräg angesehen worden. Habe ich deshalb versucht alle vom Stillen zu überzeugen? Nein, natürlich nicht. Jeder muss doch ausprobieren dürfen was für ihn und sein Kind am besten passt.
    Als es bei uns mit dem Brei los ging und ich wahnsinnig stolz war, dass wir unsere große Tochter an Gemüse und Fleisch gewöhnt hatten, durfte ich mir von einer Arzthelferin eine Standpauke anhören, warum unsere Tochter noch nicht 2 x die Woche Fische isst. Das würde nach neuesten Studien helfen Neurodermitis zu verhindern. Natürlich gab es ab da Fisch. Ich habe bei beiden Töchtern alles selber gekocht und keine Gläschen verfüttert. Ist das für mich der einzige richtige Weg? Nein, natürlich nicht. Das fühlte sich für mich richtig an und ich habe es auch nie als lästig empfunden. Aber auch hier, soll doch bitte jeder für sich entscheiden dürfen, was das richtige für einen ist. Bei meiner kleinen habe ich dann nicht so ganz genau darauf geachtet, ob es zweimal die Woche Fisch gab, oder nicht. Natürlich hat die große die Neurodermitis und die kleine nicht. Man macht sich doch schon selber genug verrückt damit, wirklich alles richtig zu machen, da braucht man nicht noch unerbetene Ratschläge aus seinem Umfeld.

    Antworten
    1. Nätty Beitragsautor

      Schöner Kommentar 🙂 Da sieht man mal wieder: Wie man`s macht, macht man`s verkehrt in den Augen der anderen 😉 Also, nur nach dem eigenen Gefühl gehen und die anderen reden lassen. Wenn das so einfach wäre … 😉

      Antworten
  2. Kiwimama

    Liebe Nätty,
    ich habe so lachen müssen, als ich deinen Post gelesen hab. Ich kann mich wirklich gut hineinversetzen! 😉 Solche Sprüche bekomme ich auch ständig zu hören (insbesondere: „Sie hat bestimmt Hunger!“ Ist sehr beliebt). Ich glaube, diese ganzen kleinen Situationen sollte ich auch mal aufschreiben. Deinen Text werde ich dann als Inspirationsquelle verlinken! 🙂
    Weil ich deinen Blog echt toll finde, habe ich dich außerdem für den Liebster-Award nominiert:http://kiwimama.de/nominierung-zum-liebster-award/
    Ich würde mich freuen, wenn du mitmachst!
    Liebe Grüße
    Kiwimama

    Antworten
    1. Nätty Beitragsautor

      Hi Kiwimama,

      freut mich sehr, dass der Artikel dich zum Lachen gebracht hat und besonders freue ich mich über deine Nominierung! Werde sehr gerne mitmachen 🙂

      Alles Liebe,
      Nätty

      Antworten
  3. Claudinchen

    Hey Nätty,

    das hast Du echt super beschrieben. Ich habe einen Nachbarn der sogar heute bei jedem aufeinander treffen sagt: „Gebt dem Jungen mal was zu essen der hat Hunger.“ Dabei schreit er, weil er nicht das Auto selbst fahren durfte (böse Eltern), nicht auf die Straße rennen durfte oder oder… Aber laut unserem Nachbarn hat er IMMER bei jedem Nörgeln Hunger

    Und auch mit 20 Monaten trinkt er immer noch stilles Wasser. Klar darf er auch mal etwas anderes probieren, aber wieso sollte ich ihm etwas anderes geben, wenn er Wasser so gern trinkt?! (Ginge es nach einer bestimmten Person hätte er doch längst Saft bekommen müssen und mit 2 Monaten Beikost… Ich böse Mama… ).

    Jeder sollte selbst wissen wie er das handhabt, aber leider möchte Jeder einem das „Beste“ auferzwingen. Echt schade. Das fängt beim Essen an, geht über die Frage des richtigen Kindersitzes/Buggys bis zur ultimativen Schlafensmethode (Familienbett\direkt ins eigene Zimmer…).

    Zum Glück sind es aber UNSERE Kinder und unsere Entscheidung.

    Antworten
    1. Nätty Beitragsautor

      Danke für deinen Kommentar! Ja, da hast du Recht, es sind unsere Kinder, also entscheiden wir 🙂 Man sollte sich nicht reinreden lassen und nach dem eigenen Gefühl gehen.
      Witzig, dass du das Thema Schlafen erwähnst. Dazu hab ich auch grad einen Beitrag geschrieben. Da haben wir nämlich auch jede Menge Tipps bekommen ;)))

      Antworten

Kommentar verfassen